"Am Abend, wie beendest du deinen Tag? Mit dem Herrn oder mit dem Fernseher?"

Ansprache von Papst Franziskus an die Priester der Diözese Rom

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 496 klicks

Gestern Vormittag empfing Papst Franziskus die Priester aus der Diözese Rom in der Aula Paolo VI. Während seiner Ansprache bezog sich der Papst immer wieder auf seine eigenen pastoralen Erfahrungen aus seiner Zeit in Buenos Aires.

Besonders hob der Heilige Vater die Bedeutung der Barmherzigkeit hervor. „Sie ist eine Gabe, die er uns gegeben hat, die aber von oben kommt.“ Er fuhr fort, es liege an ihnen, diese Nachricht lebendig zu halten, vor allem in der Predigt, den Gesten, Zeichen und pastoralen Entscheidungen.

Papst Franziskus, der von einigen Priestern in Briefen und Telefonaten gefragt worden war, weshalb er die Priester so heftig kritisiere, erklärte, die Priester müssten sich am Bild des Guten Hirten orientieren. „Der Priester ist ein Mann der Barmherzigkeit und des Mitleids, seinen Leuten nahe und allen ein Diener. Das ist ein pastorales Kriterium, das ich hervorheben möchte: die Nähe!“ In welcher Lage sich auch immer ein Mensch befinde, bei dem Priester finde er Aufmerksamkeit und Gehör.

Der Priester erlebe das Sakrament in erster Person. Wer auf diese Weise lebe, in seinem Herzen, könne es auch an andere weiterschenken. „Der Priester ist aufgerufen, das zu lernen; ein Herzen zu haben, das berührt wird.“

Kalte Priester hälfen der Kirche nicht, bekräftigte Papst Franziskus. „Die Kirche von heute können wir uns als ‚Feldlazarett‘ denken… Man muss Wunden heilen, viele Wunden! So viele Wunden! Es gibt Menschen, die verwundet wurden; von materiellen Problemen, von Skandalen, auch in der Kirche… von den Illusionen der Welt verletzte Menschen… Wir Priester müssen da sein, bei den Menschen. Barmherzigkeit bedeutet in erster Linie, Wunden zu heilen.“

Wichtig sei, dass trotz aller Unterschiede zwischen den Priestern eine gesunde Moraldoktrin und Barmherzigkeit die Grundlage für ihre Arbeit bildeten. Echte Barmherzigkeit bedeute, sich des Menschen anzunehmen, aufmerksam zuzuhören. „Das ist anstrengend! Ja, sicher! Ein wahrhaft barmherziger Priester verhält sich wie der Gute Samariter… aber warum tut er das? Weil sein Herz zu Mitleid fähig ist, es ist das Herz Christi!“

Pastorales Leid bedeute „Leiden für und mit den Menschen“. Anschließend richtete Papst Franziskus einige Fragen an die Priester: „Sag mir: weinst du? Oder hast du die Tränen verloren? … Weinst du für dein Volk? … Am Abend, wie beendest du deinen Tag? Mit dem Herrn oder mit dem Fernseher? Wie ist dein Verhältnis zu denjenigen, die dazu beitragen, barmherziger zu sein? Das heißt, wie heißt dein Verhältnis zu den Kindern, den alten Menschen, den Kranken?“

Die Priester dürften keine Scham vor der Nähe des Nächsten empfinden, sondern sich wie der Gute Samariter den Menschen nähern.