Am besten, wir fangen von vorne an

Impuls zum Ersten Adventssonntag

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 25. November 2011 (ZENIT.org). – Wir sind es ja seit Kindesbeinen gewohnt, und pünktlich ist es in jedem Jahr dasselbe: Advent, Weihnachtsvorbereitungen, Heiliger Abend, Bescherung - kommerzialisierte Vorweihnachtszeit. Das schönste Fest des Jahres kann zur Last, ja sogar zum Überdruss werden, wenn man seinen geistlichen Kern nicht sieht. Und gerade das ist das Problem unserer Zeit. Vor einigen Jahren sagte ein auf Europa-Besuch befindliches japanisches Ehepaar, als sie in einer deutschen Einkaufstraße die Weihnachtsdekorationen, die Tannenbäume und die vielen Lichter sahen: „Ach, sieh mal, die Deutschen feiern auch Weihnachten!“

Und auch das ist in jedem Jahr dasselbe: die Adventszeit ist so randvoll mit Veranstaltungen angefüllt („man hastet von Besinnung zu Besinnung“), dass viele am Heiligen Abend sich erschöpft zurücklehnen und feststellen: wieder einmal ist die Advenstzeit viel zu schnell vorbei gegangen, jetzt ist mir noch gar nicht nach Weihnachten zumute.

Was tun? Kann man diesem Teufelskreis nicht entrinnen?

Eine Möglichkeit wäre es, sich ganz von dem christlichen Gehalt des Weihnachtsfestes zu trennen, nur noch das große Familienfest vorbereiten und es in aller Ruhe feiern. Ohne große Belastung durch Gedanken an den menschgewordenen Gott, Altes und Neues Testament, Erlösung von unseren Sünden usw. Statt dessen – die große Frage: Weihnachtsgans oder Rollbraten? Geschenk für den Opa im Altenheim (nicht zu viel anlegen, er ist ohenhin fast dement), zum Fest kommt der Sohn, der in Hamburg studiert, mit seiner Freundin, das Zimmer für die beiden herrichten usw.

Warum sich das Leben schwer machen mit religiösen Vorstellungen, an die ja doch keiner mehr glaubt? Wenn´s hoch kommt, gehen wir noch in die Christmette – was fürs Herz.

Aber halt, ist es wirklich so?

Da gibt es, wie so oft in unserer „gottvergessenen“ Zeit, die große Zahl derer, die sich nicht artikulieren, die aber den von der Mainstream-Ideologie vorgeschriebenen Rummel nicht mitmachen. Die sich nicht um die neuesten „Erkenntnisse" verschrobener Exegeten kümmern, die die „Enthüllungen“ über den „wahren“ Jesus, wie sie ein bekanntes Nachrichtenmagazin bietet, nicht beachten, und die Weihnachten – so wie jedes Jahr feiern. Aber eben nicht aus der Routine heraus, sondern mit der Gelassenheit und Freude von Menschen, die das alles für wahr halten. Die glauben, dass Jesus wirklich der Sohn Gottes ist, und zwar von seiner Geburt im Stall an, nicht erst bei der Taufe im Jordan. Die glauben, dass Maria jungfräulich Mutter ist (und sich darin zwar nicht mit allen Christen, aber dafür mit den Muslimen einig wissen). Die für wahr halten, dass das erste Kommen Jesu deshalb in Armut und Einfachheit erfolgte, weil er uns von unseren Sünden erlösen wollte, indem er diese und die daraus resultierenden Leiden auf sich nahm.

Das Evangelium des 1. Adventssonntags spricht noch einmal von dem zweiten Kommen Jesu „in Macht und Herrlichkeit“, das also ganz und gar anders sein wird als sein erstes Kommen. Warum zieht die Liturgie der Kirche diesen Gedanken, der ja eigentlich zum Schluss des Kirchenjahres gehört, noch in die Adventszeit hinein? Sicherlich auch darum, weil es unserem Glauben immer wieder guttut zu bedenken, dass das kleine hilflose Kind in der Krippe zugleich der allmächtige Gott ist, der die ganze Welt in seinen süßen kleinen Händen hält. Wer möchte nicht – wie der hl. Joseph – den kleinen Kerl herzen und küssen wollen? Aber das ist nur dem gegeben, der in ihm den Logos, den Schöpfergott sieht.

Werden wir begreifen, dass er sich nur deswegen so erniedrigt, damit wir seine Liebe erwidern können?

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“.