Am Ende möglichst an der rechten Seite stehen

Impuls zum 15. Sonntag im Jahreskreis

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 700 klicks

Wie alle Gleichnisse Jesu ist das vom Barmherzigen Samariter bei den meisten Menschen, ob gläubig oder ungläubig, bekannt und beliebt.

Der Mann, der unter die Räuber fiel, findet Hilfe, allerdings erst beim dritten “Versuch”. Ein Priester und ein Levit sehen den Ausgeplünderten und Verwundeten am Wegrand liegen und – gehen vorüber. Erst der dritte Reisende, ausgerechnet ein Fremder (die Juden verachteten die Samariter), nimmt sich des Bedürftigen an.

Schon in der Überlieferung des Alten Bundes ist Barmherzigkeit ein Thema. Meistens als Barmherzigkeit Gottes gegenüber dem sündigen Menschen. Durch die Propheten lässt Gott die Menschen aber daran erinnern, dass wir die Barmherzigkeit nicht nur entgegen nehmen, sondern auch selbst anderen erweisen sollen: “Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!” (vgl. Hos 6,6 und Mt 9,9)

In seinem irdischen Leben gibt uns Jesus eine Fülle von Beispielen gelebter Barmherzigkeit, denn wie bei allen seinen Forderungen verlangt er nicht nur Barmherzigkeit, sondern lebt sie selber vor. Das Hauptgebot der Gottes- und Nächstenliebe – immer wieder schärft er uns ein, dass Gottesliebe schal wird, wenn sie nicht mit der Nächstenliebe einher geht.

Der Pharisäer, der wieder einmal Jesus auf die Probe stellen will, ist zunächst damit zufrieden, dass Jesus das “Sch’ma Israel”, das von der unbedingten Liebe zu Gott und zum Nächsten spricht, als dasjenige bezeichnet, was dem Menschen den Weg zum ewigen Leben eröffnet. Aber er spürt, dass eine solche Einstellung nur ein schönes Wort bleibt, wenn es sich nicht in den Alltag umsetzt. Er fragt Jesus daher: “Wer ist denn mein Nächster?”

Es ist sicher ein echtes Ruhmesblatt in der ansonsten wechselvollen Geschichte der Christenheit, dass die tätige Nächstenliebe im Leben der Christen immer eine herausragende Rolle gespielt hat. Im Mittelalter, in einer Zeit ohne Sozialleistungen des Staates, gab es eine große Zahl von karitativen Einrichtungen, Waisenhäuser, Siechenheimen, Kliniken und Versorgungseinrichtungen aller Art, die dem Bedürftigen eine oft mustergültige Versorgung, aber darüber hinaus auch eine von echter Nächstenliebe getragene emotionale Betreuung angedeihen ließen.

An dieser Stelle ist freilich der Einwand berechtigt, dass in den heutigen “weltlichen” Einrichtungen, Krankenhäusern, Pflegeheimen etc. ein oft nicht weniger hilfsbereiter Ton herrscht wie in den kirchlichen Einrichtungen.

Zweiter Einwand: Bedarf es denn überhaupt des Christentums?

Gott sei Dank, ist es tatsächlich sehr oft der Fall, dass auch ohne christlichen Glauben tätige Nächstenliebe geschieht.

Aber im großen Maßstab, also auf die ganze Menschheit betrachtet, gilt das, trotz Globalisierung, nicht überall. In den Gesellschaften, die nicht vom Christentum geprägt sind, wie in fast allen Ländern Asiens, ist Barmherzigkeit und Hilfsbereitschaft durchaus keine Selbstverständlichkeit. Sicher einer der Gründe, warum das Werk einer Mutter Teresa von Kalkutta, in Indien ein so großes Aufsehen erregt hat. Einem armen Menschen, der hilflos am Straßenrand liegt, hilft man normalerweise nicht. Da ist keine entsprechende Tradition, die in den ehemals christlichen Ländern immerhin noch so stark ist, dass man “natürlich helfen muss”, auch wenn man das nicht weiter begründen kann.

Wenden wir das Argument noch mehr ins Positive: wenn nun die Menschen in unseren Ländern christlicher Provenienz sich wieder auf ihren christlichen Glauben besännen und ihn in jeder Beziehung wieder ernst nähmen, welch ein Potenzial von helfender Nächstenliebe wäre da zu entdecken!

Seit den 60er Jahren wirkt das von Kennedy gegründete Peace-Corps in aller Welt segensreich bei der Hilfe für Völker und Menschen, die Not leiden. Es mag hier stellvertretend stehen für gute caritative Einrichtungen, die offiziell nicht religiös, also nicht christlich ausgerichtet sind.

Dieses Friedenscorps, dem sich junge Menschen ein oder zwei Jahre anschließen, hat in seinem Programm als eine seiner Richtlinien: ‘Mehr Verständnis bei den Amerikanern gegenüber den Menschen zu fördern, denen geholfen werden soll’.

Sowohl den Amerikanern als auch uns Europäern, ja allen Menschen dürfte es einleuchten, dass es für einen gläubigen Christen nicht nötig ist, ein solches Verständnis zu wecken, denn er hat es sozusagen automatisch, wenn er seinen Glauben lebt.

Fazit: Sehen wir im Gleichnis vom barmherzigen Samariter nicht einen schönen Gedanken, sondern ein Erfordernis unseres Glaubens, das bei der “Schlussabrechnung” im Vordergrund stehen wird: “Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben, ich war obdachlos und ihr habt mich beherbergt…” (Mt 25,31 ff).

Ganz sicher ist es erstrebenswert, dann an der rechten Seite des Herrn zu stehen.

Für näheren Aufschluss zur praktischen Umsetzung des Vorsatzes schauen wir auf Maria, die wir “Mutter der Barmherzigkeit” nennen.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba(auch als Hörbuch erhältlich).