Am Muttertag der erste Marsch für das Leben in Rom

Kardinal Burke steht der Gebetswache vor

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von Ann Schneible

ROM, 15. Mai 2012 (ZENIT.org).- Knapp 7.000 Menschen aus aller Welt gingen am Sonntag in Rom auf die Straße, um an einem friedlichen Protestmarsch gegen Verletzungen des Menschenrechtes auf Leben von der Geburt bis zum natürlichen Tod teilzunehmen.

Der erstmals in Rom veranstaltete Marsch für das Leben startete um 10.00 Uhr vormittags am Kolosseum und führte über die Piazza Venezia und den Largo di Torre Argentina bis hin zur Engelsburg, dem offiziellen Endpunkt der Kundgebung. Der Großteil der Teilnehmer ging jedoch weiter bis zum Petersplatz, um im Petersdom den Sonntagsgottesdienst zu besuchen.

Mit dem Marsch für das Leben in Rom wollte man vor allem ein Zeichen zur Verteidigung der Würde des menschlichen Lebens in Italien setzen, wo die Abtreibung im Jahre 1978 legalisiert wurde, und wo die Praxis der Euthanasie Fuß fassen konnte, wie es der Fall der jungen Eluana Englaro im Jahr 2009 bestätigt. Obwohl der Marsch sich vor allem an die italienische Regierung richtete, war eine starke internationale Präsenz zu beobachten. Viele der Teilnehmer waren aus anderen Teilen Europas, aus Asien, Afrika und den Vereinigten Staaten angereist. Auch der Bürgermeister von Rom, Gianni Alemanno (PDL), nahm an der Kundgebung teil.

Am Vorabend der Kundgebung war in der Basilika von Santa Maria Maggiore unter der Leitung von Kardinal Raymond Burke, dem Präfekt des Obersten Gerichtshofs der Apostolischen Signatur, eine Gebetswache mit eucharistischer Anbetung und Segnung abgehalten worden.

Im Gespräch mit ZENIT charakterisierte Kardinal Burke die Gebetswache folgendermaßen: „Der Marsch für das Leben empfängt seine Kraft in Wahrheit aus Christus und aus dessen realer Gegenwart unter uns in der hl. Eucharistie. Heute Abend wollen wir Christus nahe sein und ihn darum bitten, dass der Marsch für das Leben stattfinden möge und zu einem wirksamen Beitrag zur Förderung einer neuen Achtung des menschlichen Lebens werde“.

Kardinal Burke, der aus Amerika stammt und selbst am Marsch für das Leben in Washington D.C. teilgenommen hatte, erklärte, dass es sich beim Kampf um die Achtung des menschlichen Lebens um ein globales Phänomen handle. Dieser Kampf werde ganz offensichtlich in den Vereinigten Staaten ausgetragen, sei aber auch in Italien zu beobachten. Seine aktive Teilnahme am Marsch für das Leben in den Vereinigten Staaten habe ihn erkennen lassen, wie wichtig eine Etablierung dieser Kundgebung in Italien und anderen Nationen sei.

Der Kardinal sprach daraufhin über die Bedeutung des Marsches für die Entwicklung eines weltweiten Bewusstseins hinsichtlich der Fragen des Lebens und fand folgende Worte dafür: „Die Veranstaltung in Rom war durch eine internationale Präsenz gekennzeichnet. Menschen aus Frankreich, Italien oder Südamerika waren darin vereint. Dieses Bewusstsein muss jedoch noch eine weitaus größere Verbreitung finden. Jedes Land sollte einen Marsch für das Leben  veranstalten, der dann von Menschen aus anderen Ländern mitverfolgt wird, die auf diese Weise zur Nachahmung inspiriert werden.“

Der erste Marsch des Lebens in der ewigen Stadt war bewusst nach dem Modell der Veranstaltung in Washington D.C. organisiert worden. Dort wird der Termin alljährlich in zeitlicher Nähe zum Jahrestag der Legalisierung der Abtreibung durch den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten gewählt.

Der Dominikanerpater Dominic Holtz, ein ursprünglich aus Amerika stammender Professor für Philosophie an der Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin sprach mit ZENIT über die Bedeutung einer derart starken amerikanischen Präsenz an einem internationalen Marsch. Er gab dazu folgende Stellungnahme ab: „Meiner Ansicht  nach ist die Verwendung des öffentlichen Raumes für die Meinungsäußerung zum Thema Abtreibung in Amerika weiter entwickelt. Wir haben darin  eine längere Tradition und ich glaube, wir wissen um die Vorgehensweisen und die Schwierigkeiten und wie wichtig es ist, Geduld im eigenen Handeln zu üben. Ich denke, dass wir mit unserer Begeisterung und unserem Wissen einen Beitrag leisten können.“

Dominic Holtz führte aus: „Meiner Meinung nach müssen wir ebenso bedenken, dass ein Engagement für dieses Thema auch in anderen Teilen der Welt anzutreffen ist, denn es betrifft nicht nur Amerika. Es ist wichtig, dass wir unsere Augen und Ohren für die globale Befürwortung des Lebens öffnen, die hier existiert, und daran teilhaben.

Anschließend wies der Dominikanerpater auf die Bedeutung hin, nicht nur auf nationaler Ebene ein Zeichen für die Verteidigung des Lebens zu setzen, sondern global tätig zu werden. Er betonte, dass internationale Organe zur Unterstützung der weltweiten Verbreitung der Abtreibung gebeten werden. Daher sei ein (rein) nationaler Zugang wenig hilfreich. Eine internationale Perspektive müsse geschaffen werden, die der Internationalisierung der Abtreibungsbefürwortung mit einer Internationalisierung der Befürwortung des Lebens begegnen könne.

Zeugnis für das Leben

Unter den zahlreichen am Marsch für das Leben teilnehmenden religiösen Gemeinschaften befand sich die Kongregation der Dienerinnen des Herrn und der Jungfrau von Matará. Die ursprünglich aus Minnesota stammende und der Kongregation angehörende Sr. Maria Mater Compassionis betonte im Gespräch mit ZENIT die Wichtigkeit einer Teilnahme am Marsch.

Sie erklärte: „Unsere Anwesenheit an diesem ersten nationalen Marsch für das Leben in Rom ist höchst angebracht, denn welcher Ort ist tiefer vom Katholizismus durchdrungen und kann ein beispielhafteres Zeugnis für die Würde des Menschen sein als Rom? Wir wollen mit beiden unserer Charismen teilnehmen, die Botschaft der Menschwerdung in die Welt tragen und Zeugen des Lebens sein.“

Sr. Maria Mater Compassionis fuhr folgendermaßen fort: „In all unseren Ausbildungsstätten (und im) Apostolat auf der ganzen Welt streben wir danach, die Fülle der katholischen Lehre durch die Gnade Gottes zu leben. In alle Bereiche unseres Apostolates, in die Katechese, in die Arbeit mit jungen Menschen, tragen wir die wahre Botschaft des Lebens, denn so oft begegnen wir der Täuschung und der Lüge im Leben. Man sagt, es sei noch kein richtiges Baby, es füge der Frau in Wirklichkeit keinen Schaden zu. Doch wir wissen, dass das natürlich nicht stimmt und dass Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Wir sind also hierhergekommen, um die Fülle der Wahrheitslehre zu bezeugen und Zeugen des Lebens zu sein.

Das ethische Problem der Abtreibung

Der Widerstand gegen Abtreibung und Euthanasie entspringt nicht nur religiöser Überzeugung, sondern auch ernsthaften ethischen Bedenken hinsichtlich der gesellschaftlichen Auswirkung derartiger Methoden. Der Marsch des Lebens war auch von Vertretern des internationalen Bioforschungsinstituts IBI in Nigeria besucht worden. IBI-Vertreter Professor Edmund Agbo gab folgendes bekannt: „Es ist uns bewusst, dass die Entdeckungen des Menschen im Bereich der Wissenschaft, der Technologie, eine Gefahr für das  menschliche Leben darstellen. Es besteht dringend Handlungsbedarf, um schlimme Folgen für die Menschheit abzuwenden. Wir sind gekommen, um diese großartige Initiative, diese Bewegung für das Leben zu unterstützen, denn die Kultur des Todes nimmt in unserer heutigen Gesellschaft überhand. Wir sind dazu aufgefordert, dieser Kultur entgegenzuwirken und die Kultur des Lebens auferstehen zu lassen, denn der Schutz des  menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod muss gewährleistet sein.

[Übersetzung des englischen Originals von Sarah Fleissner]