Amerika: Ansprache von Carlos Aguiar Retes, Erzbischof von Tlalnepantla, am zweiten Synodentag beim Bericht über die Kontinente
Tiefgreifende Veränderungen und Bruch mit der überkommenen Kultur
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VATIKANSTADT, 10. Oktober 2012 (ZENIT.org). - Mit den Berichten aus den Kontinenten wurde gestern in der Synodenaula in Gegenwart des Heiligen Vaters nach dem Gebet des „Adsumus“ die Zweite Generalkongregation der Bischofssynode begonnen.
Für Amerika sprach Carlos Aguiar Retes, Erzbischof von Tlalnepantla, Präsident der Bischofskonferenz, Präsident des Rates der Lateinamerikanischen Bischofskonferenzen (C.E.L.A.M.) (Mexiko).
[Wir dokumentieren die Ansprache im Wortlaut in einer Arbeitsübersetzung des Heiligen Stuhls:]
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1. Die große Herausforderung: die tiefgreifenden Veränderungen und der Bruch mit der überkommenen Kultur (vgl. Instrumentum laboris für die XIII. Ordentliche Vollversammlung der Bischofssynode, Nr. 47)
Die V. Generalversammlung des Episkopats Lateinamerikas und der Karibischen Inseln (die im Mai 2007 in Aparecida, Brasilien) stattfand, ist in einer Kontinuität mit dem II. Vatikanischen Konzil zu sehen („Die V. Generalversammlung des Episkopats Lateinamerikas und der Karibischen Inseln ist ein neuer Schritt in der Geschichte der Kirche, vor allem nach dem Zweiten Vatikanischen Ökumenischen Konzil. Sie gibt Kontinuität, nimmt aber gleichzeitig den Weg der Treue, der Erneuerung und der Evangelisierung der lateinamerikanischen Kirche im Dienste der Völker wieder auf“. Dokument von Aparecida, Nr. 9) und fordert dazu auf, die Mission der Kirche im neuen und herausfordernden Kontext Lateinamerikas und der Welt von Grund auf zu überdenken und mit Loyalität und Mut neu zu gestalten (vgl. DA, Nr. 11). Sie hält es für notwendig, den grauen Pragmatismus des täglichen Lebens der Kirche zu verlassen und wieder bei Christus zu beginnen (vgl. DA, Nr. 12).
Die Neuevangelisierung erfordert kirchliche Gemeinschaft
Um eine Neuevangelisierung durchführen zu können und den neuen Generationen den Glauben vermitteln zu können, muss die Kirche eine ehrliche Gewissenserforschung darüber, wie der Glaube gelebt werden soll, durchführen („Der Vorschlag zu einer neuen Lebensweise gilt nicht nur für die Hirten, sondern vielmehr für alle in Amerika lebende Christen. Von allen wird erwartet, dass sie eine echte christliche Spiritualität annehmen und vertiefen. „In der Tat versteht man unter dem Begriff Spiritualität die Art und Weise der Lebensführung, wie sie von uns Christen verlangt wird. Spiritualität bedeutet ‚leben in Christus‹ und ›leben im Geiste‘. Sie wird im Glauben angenommen, findet in der Liebe ihren Ausdruck, wird durch die Hoffnung belebt und im täglichen Leben der kirchlichen Gemeinschaft umgesetzt“„. (Ecclesia in America, EIA, Nr. 29). Das kirchliche Leben (vgl. Instrumentum laboris für die XIII. Ordentliche Vollversammlung der Bischofssynode, Nr. 95) und ihr Zeugnis in der heutigen Gesellschaft müssen überprüft werden („Die Pastoral der Kirche kann nicht außerhalb des historischen Kontexts, in dem ihre Mitglieder leben, handeln. Ihr Leben spielt sich innerhalb von konkreten sozialen und kulturellen Gegebenheiten ab. Diese sozialen und kulturellen Umwälzungen sind für die Kirche eine neue Herausforderung für ihre Aufgabe der Errichtung des Reiches Gottes. Hieraus ergibt sich für die Kirche die Notwendigkeit, in Treue zum Heiligen Geist, der sie leitet, sich zu erneuern, durch spirituelle, pastorale und auch institutionelle Reformen“. DA, Nr. 367).
Die Kirche in Amerika sagt: „Angesichts einer geteilten und nach Einheit verlangenden Welt ist es notwendig, freudig und fest im Glauben zu verkünden, dass Gott Gemeinschaft ist; er ist Vater, Sohn und Heiliger Geist; er ist die Einheit in der Verschiedenheit; er beruft alle Menschen zur Teilhabe an dieser dreifaltigen Gemeinschaft. … Diese in der Kirche existierende und ihrer Natur nach wesentliche Gemeinschaft muss durch konkrete Zeichen sichtbar werden“ (EIA, Nr. 33).
Auch wenn die institutionelle Organisation der Kirche unerlässlich ist, so reicht sie doch nicht aus („Ein Großteil der heutigen Menschheit findet das Evangelium nicht in der fortdauernden Evangelisierung der Kirche „. Aus: „Die Neuevangelisierung“, Rede Joseph Kardinal Ratzingers anlässlich des Jubiläums der Katechisten und Religionslehrer am 10. Dezember 2000 in Rom. In: Osservatore Romano, 19. Januar 2001); das Zeugnis der Spiritualität der „communio“ (Novo Millennio Ineunte, Nr. 43) muss im kirchlichen Leben sichtbar sein; deshalb bedarf es der Teilnahme und der Gemeinschaft der verschiedenen Mitglieder der Kirche auf allen Ebenen und aller Funktionen („Die pastorale Bekehrung erfordert, dass die pastoralen Gemeinschaften von Jüngern in der Mission sind, die sich um Christus, ihren Meister und Hirten scharen. Von hier geht die Öffnung nach außen aus, die Bereitschaft zum Dialog und die Bereitschaft, die Mitverantwortung und die effektive Teilnahme der Gläubigen am Leben der christlichen Gemeinschaften zu fördern. Heute mehr denn je sind das Zeugnis der kirchlichen Gemeinschaft und der Heiligmäßigkeit eine pastorale Dringlichkeit“. DA, Nr. 368), indem Zeugnis abgelegt wird über die Kunst, zu leben („Dafür bedarf es der Neuevangelisierung. Wenn man die Kunst, zu leben, ignoriert, funktioniert absolut nichts mehr. Doch diese Kunst kommt nicht von der Wissenschaft her, sie kann nur von demjenigen vermittelt werden, der das Leben hat, der der lebendes Evangelium ist“. Aus „Die Neuevangelisierung“, Joseph Ratzinger).
Das Sich-Bewusstwerden, das die kirchliche Gemeinschaft hervorbringt, beginnt mit der pastoralen Bekehrung (die der Schlüssel für eine neue, begeisterte Evangelisierung ist), verstanden als Anerkennung der Offenbarung des Reiches Gottes und die Verpflichtung, Jünger Christi zu sein, um ihn überall in der Welt bekannt zu machen (Mk 1,15). Das ist eine Verpflichtung, die eine ständige („Die Bekehrung wird auf Erden nie vollkommen erreicht werden: auf dem Weg, den der Jünger in der Nachfolge Jesu gehen muss, muss sie ein ganzes Leben lang immer wieder angestrebt werden“. EIA, Nr. 28) und persönliche Bekehrung („Die persönliche Bekehrung erweckt die Fähigkeit, alles in den Dienst für das Kommen des Reiches Gottes zu stellen. Bischöfe, Priester, ständige Diakone, Männer und Frauen des gottgeweihten Lebens, Laien, sowohl Männer als auch Frauen, wir alle sind aufgefordert, uns ständig zu bekehren, was bedeutet, dass wir aufmerksam auf das hören müssen und uns bewußt werden müssen, «was der Heilige Geist den Kirchen sagt“ durch die Zeichen der Zeiten, in denen Gott sich zeigt“, DA, Nr. 366) erfordert.
Der hoffnungsvoll beginnende Weg der Neuevangelisierung in Amerika
Die pastorale Erneuerung in Amerika, die als Antwort auf das Zweite Vatikanische Konzil in Gang gesetzt wurde, hat das Leben der Kirche in ihrem Inneren dynamisiert: die Zahl der im Bereich der Seelsorge Tätigen hat sich vervielfältigt, die Anwesenheit und die eucharistische Teilnahme der Gläubigen an der Sonntagsmesse hat zugenommen; folglich gibt es zahlreiche und unterschiedliche positive Aspekte der pastoralen Erneuerung der Kirche (vgl. DA, Nr. 99). Gleichwohl steht dieses Wachstum nicht in einem proportionalen Verhältnis zum demographischen Wachstum unserer Völker; es gibt eine sehr große Anzahl von der Kirche fernstehenden Katholiken, deren katholische Identität nur sehr lau ist, auch wenn sie sicherlich gläubig sind (vgl. DA, Nr. 100).
Die Religiosität ist weiterhin lebendig, und sie ist potentiell das große Reservoir unserer Völker („Ein besonderes Merkmal Amerikas ist das Vorhandensein einer Volksfrömmigkeit, die tief in den verschiedenen Völkern verwurzelt ist. Sie ist auf allen Gesellschaftsebenen zu finden, und sie ist von besonderer Bedeutung als Ort der Begegnung mit Christus für alle, die Gott aufrichtig und im Geiste der Armut und Demut des Herzens suchen (vgl. Mt 11,25)“. EIA, Nr. 16) Sie bereitet, wenn sie vom Wort Gottes geleitet ist („«Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Mit diesen Worten stellt sich Jesus als den einzigen Weg dar, der zur Heiligkeit führt. Jedoch gelangt man hauptsächlich durch das Wort Gottes, das die Kirche durch ihren Predigtdienst verkündet, zur konkreten Kenntnis der Wegstrecke“. EIA, Nr. 31), das Herz des Gläubigen auf die Entdeckung Christi vor (vgl. Instrumentum laboris für die XIII. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode, Nr. 21. „Gott zu verkündigen, bedeutet in ein Verhältnis mit Gott einführen: lehren zu beten“. Aus: „Die Neuevangelisierung“, Joseph Ratzinger), indem man sich vom Herrn des Lebens anziehen läßt („Die Begegnung mit dem Herrn erzeugt eine tiefgreifende Verwandlung bei denen, die sich ihm nicht verschließen. Der erste Impuls, der von dieser Umwandlung ausgeht, ist, dass man den anderen den Reichtum, den man in dieser Begegnung erfahren hat, gerne mitteilen möchte“. EIA, Nr. 68) und einzuwilligen, der Kirche mit einem größeren Bewusstsein als Mitglied einer Gemeinschaft missionierender Jünger beizutreten, die eine christliche Spiritualität praktiziert („Die Nachfolge Christi hat ein sehr viel höher angesetztes Ziel: die Identifizierung mit Ihm, d. h. das Erreichen der Einheit mit Gott“. Aus: „Die Neuevangelisierung“ Joseph Ratzinger), die es ihren Mitgliedern ermöglicht, durch die Gemeinschaft mit Gott Vater im Heiligen Geist geheiligt zu werden („Die Heiligkeit ist das Ziel der Umkehr, denn diese «existiert nicht um ihrer selbst willen, sondern sie führt zu Gott, der heilig ist. Heilig zu sein heißt, Gott nachzuahmen und seinen Namen durch die Werke, die wir in unserem Leben vollbringen, zu verherrlichen (vgl. Mt 5,16)“„. EIA, Nr. 30).
Die kleinen Gemeinschaften, die untereinander in Verbindung stehen, erleben den Vorzug der Kommunikation und der Gemeinschaft. Die Gemeinde erneuert sich, indem sie ein neues Gesicht der Kirche zeigt, die kraftvoll wächst und sich entwickelt (vgl. Instrumentum Laboris für die XIII. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode, Nr. 80-107), wenn die Gemeinde in einem organischen Verhältnis zu den anderen steht, die ihrerseits als Diözese vom Bischof geleitet werden („Ein Schlüssel für die Erneuerung der Pfarreien, die besonders in den Großstädten sehr wichtig ist, könnte vielleicht darin bestehen, die Pfarrei als Gemeinschaft der Gemeinschaften und Bewegungen zu sehen“: EIA, Nr. 41). Diese Dynamik der kirchlichen Gemeinschaft ist vor allem in den Städten und den Großräumen der Metropolen sehr dringend und unverzichtbar (vgl. DA, Nr. 517-518).
Das Leben der Kirche als Gemeinschaft der Gemeinschaften, in Gemeinschaft und Einheit, ermöglicht es jedem Christen, zu entdecken, dass es im 21. Jahrhundert möglich ist, als Jünger Jesu in einer Gemeinschaft aus Jüngern Jesu zu leben und sich als Missionsjünger klar zu werden über die dringende Notwendigkeit, in der Welt von heute ein glaubwürdiges und zuverlässiges Zeugnis des Glaubens abzulegen (Wenn wir den Glauben verkündigen, dann müssen wir auch eine Gemeinschaft für das Leben anbieten, einen allen zugänglichen Raumfür diesen neuen Lebensstil. Die Evangelisierung kann nicht nur allein durch Worte erfolgen. Das Evangelium schafft Leben, schafft Gemeinschaft auf dem Weg. Eine nur individuelle Umkehr hat keinen Bestand. NE, JR).
Die pastoralen Abläufe der Programmgestaltung in den Diözesen öffnen Räume für die Ausbildung des Missionsjüngers und für die Missionierung des Kontinents. Die vom Plan der Diözese für die Seelsorge beschriebene planmäßige Seelsorge verwirklicht das, was in Novo Millennio Ineunte vorgezeichnet ist: „Und in den Ortskirchen kann man jene konkreten programmatischen Züge festschreiben, die es der Verkündigung Jesu Christi erlauben, die Personen zu erreichen, die Gemeinschaften zu formen und durch das Zeugnis in die Gesellschaft und die Kultur tief einzuwirken.“ (NMI, Nr. 29).
Deshalb wage ich es, zu sagen, dass die Neuevangelisierung, die sich in Amerika einen Weg bahnt, von der Begegnung Christi mit der Kirche ausgeht, die die Kirche den gläubigen Christen anbietet („Jesus Christus ist die ‘Frohbotschaft’ des Heils, das den Menschen von gestern, heute und für alle Zeiten zuteil geworden ist; doch er ist auch gleichzeitig der erste und höchste Verkünder seines Evangeliums. Die Kirche muss den Mittelpunkt ihrer Seelsorge und ihrer Evangelisierung im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus sehen. ‘All das, was im kirchlichen Bereich an Projekten erstellt wird, hat von Christus und seinem Evangelium auszugehen’“: EIA, Nr. 67), und gelangt so zur Entdeckung und zum leidenschaftlichen und engagierten Erleben eines geregelten Lebens (die Verkündigung Gottes führt hin zur Gemeinschaft mit Gott in der von Christus begründeten und belebten brüderlichen Gemeinschaft. NE, JR), das Ausdruck der Spiritualität der Gemeinschaft ist.
Auf diese Weise nähert sich das Leben der Diözese und der Gemeinde demjenigen der Familie, der Hauskirche an (Damit die Familie wirklich eine „Hauskirche“ ist, ist sie berufen, die Umgebung zu bilden, in der die Eltern den Glauben weitergeben, und sie ‘sollen […] durch Wort und Beispiel für ihre Kinder die ersten Glaubensboten sein’“: EIA, Nr. 46). Dadurch stärken sie sich wechselseitig und tragen dazu bei, die Grundlagen zu schaffen, auf denen man sich mit dem Erziehungsnotstand unserer Zeit auseinander setzen kann (Lineamenta für die XIII. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode, Nr. 20).
Die Protagonisten der Neuevangelisierung
Damit die Hefe des Evangeliums das Leben der Menschen durchdringe und ihm Sinn und Geschmack verleihe, hängt der Einfluß des Glaubens auf die Gesellschaft größtenteils vom Handeln der Laien ab. Deshalb bekräftigt „Ecclesia in Amerika“, dass sie die eigentlichen Protagonisten der Neuevangelisierung sind: „Die kirchliche Erneuerung in Amerika wird ohne die aktive Teilnahme der Laien nicht möglich sein. Daher kommt ihnen zum großen Teil die Verantwortung für die Zukunft der Kirche zu“ (EIA, Nr. 44).
Die Berufung und die eigentliche und spezifische Sendung der gläubigen Laien besteht in der Verwandlung der weltlichen Strukturen, mit dem Ziel, dass sich der Verhaltenskodex der Gesellschaft auf die Werte des Evangeliums gründen soll (vgl. Lumen gentium, Nr. 31; EIA Nr. 27). Hierauf gründet die Bedeutung des Bewusstseins und der Ausbildung der Laien ihrer Identität gemäß, die, ganz persönlich und gemeinschaftlich, Zeugnis ablegen soll für ein Leben, das im Bereich des Privatlebens und der Arbeit kohärent mit den Gewissheiten des Glaubens übereinstimmen sollte („Es gibt zwei Bereiche, in denen die Berufung der Laien verwirklicht wird: der erste Bereich, der am ehesten ihrem Laienstand entspricht, umfasst die weltlichen Dinge, die zu regeln die Laien nach Gottes Willen berufen sind. In der Tat ‘wird das Evangelium durch die besondere Art dieses Wirkungsbereiches in die Strukturen dieser Welt hineingetragen, und durch ihr allseits heiligmäßiges Wirken weihen sie diese Welt Gott’. Durch die Laien ‘verwirklicht sich die Präsenz und Mission der Kirche in der Welt auf besondere Weise in der Verschiedenheit der Charismen und Ämter, die es im Laienstand gibt. Die Weltzugewandtheit ist das eigentliche Charakteristikum der Laien und ihrer Spiritualität, die sie in Familie und Gesellschaft, am Arbeitsplatz, in Kultur und Politik tätig werden lässt. Zur Evangelisierung dieser Lebensbereiche sind die Laien berufen“: EIA, Nr. 44).
Deshalb ist es unerlässlich, über Einrichtungen zu verfügen, welche die Berufung der Laien fördern und deren Bildung und Mission in der Welt begleiten (vgl. Instrumentum laboris der XIII. Ordentlichen Generalsversammlung der Synode, Nr. 118).
Die Neuevangelisierung und der Dialog mit der Welt und den Religionen
Während des Konzils unterstrich Papst Paul VI in seiner ersten Enzyklika: „Die Kirche muss zu einem Dialog mit der Welt kommen, in der sie nun einmal lebt. Die Kirche macht sich selbst zum Wort, zur Botschaft; zum Dialog“ (Ecclesiam Suam, Nr. 65).
In der heutigen pluralistischen Gesellschaft öffnen sich für den Dialog verschiedene Bereiche; der Dialog in Amerika befasst sich unter anderem mit den Themen: Wort Gottes, Menschenwürde, Familie, Leben, Erziehung, Ethik, Wirtschaft, Völkerentwicklung, Menschen unterwegs und vor allem die Migrantenbewegung, Solidarität, Ökologie, Gerechtigkeit und Frieden. Bei allen Thematiken ist die Wahrheit der Leuchtturm („Die Treue zum Menschen erfordert die Treue zur Wahrheit, die allein Garant der Freiheit (vgl. Joh 8, 32) und der Möglichkeit einer ganzheitlichen menschlichen Entwicklung ist. Darum sucht die Kirche die Wahrheit, verkündet sie unermüdlich und erkennt sie an, wo immer sie sich offenbart. Diese Sendung der Wahrheit ist für die Kirche unverzichtbar“. Caritas in Veritate, Nr. 9).
Die gesellschaftlichen und kulturellen Erziehungsinstitutionen („Bei dem globalen Projekt der Neuevangelisierung nimmt der Bereich Erziehung einen bevorzugten Platz ein. Deshalb muss die Aktivität aller katholischen Lehrer unterstützt werden, was auch für jene gilt, die in nicht konfessionsgebundenen Schulen unterrichten. In diesem Sinne richte ich an die Ordensleute den dringenden Aufruf, diesen für die Neuevangelisierung so wichtigen Bereich nicht aufzugeben“... Die Familie ist der erste Ort der Erziehung der Person: EIA, Nr. 71) sind eigenständige strategische Instanzen, um die Anteilname der Laien in der Welt zu fördern, zu koordinieren und zu definieren.
Schlüsselpunkte der Neuevangelisierung
Die grundlegende Herausforderung der Neuevangelisierung
Christus verkündigen mit der Sprache und den kulturellen Formen der neuen Technologien der sozialen Kommunikation (vgl. Instrumentum laboris der XIII. Ordentlichen Generalsversammlung der Synode, Nr. 59-62).
Die technisch-pastorale Seite der Neuevangelisierung
Die Aufgabe der Kirche als Fortsetzung der Dynamik des Geheimnisses der Menschwerdung („Im Geheimnis der Inkarnation werden die Grundlagen für eine Anthropologie gelegt, die über ihre Grenzen und Widersprüche hinausgehen kann, indem sie sich auf Gott selbst, ja auf das Ziel der ‘Vergöttlichung’ dadurch zubewegt, dass der erlöste und zum gemeinsamen Leben mit dem dreifaltigen Gott zugelassene Mensch in Christus eingegliedert wird“, NMI Nr. 23), im Sinne von Gaudium et spes (vgl. Gaudium et Spes, Nr. 1-4) und nach den Anweisungen von Novo Millennio Ineunte (NMI, Nr. 3): in jeder Teilkirche „die sich um ihren Bischof versammelt, ist im Hören des Wortes, im geschwisterlichen Miteinander und im „Brechen des Brotes“ (vgl. Apg 2,42) „die eine heilige, katholische und apostolische Kirche wahrhaft gegenwärtig und wirksam“. Gerade in der konkreten Situation jeder Teilkirche nimmt das Geheimnis des einzigen Gottesvolkes diese besondere Form an, die sich den einzelnen Umwelt und Kulturen anpassen kann. Diese Verwurzelung der Kirche in Ort und Zeit spiegelt letztendlich die Logik der Menschwerdung selbst wieder.
Die Verantwortung der Träger der Pastoral:
1. Persönliche Umkehr (vgl. Instrumentum laboris zur XIII. Ordentlichen Generalsversammlung der Synode, Nr. 88) und Änderung der Mentalität der Priester, Ordensleute und Träger der Pastoral, beflügelt vor allem von dem Bewusstsein der aktuellen sozialen und kulturellen Herausforderungen, und begleitet von ständigem Studium und Meditation des Wortes Gottes („Diese Lektüre der Bibel, begleitet durch das Gebet, ist in der kirchlichen Tradition als „Lectio divina“ bekannt. Es ist dies eine Praxis, die bei allen Christen gefördert werden soll. Für die Priester muss sie ein grundlegendes Element bei der Predigtvorbereitung, besonders der Sonntagspredigt, bilden“: EIA, Nr. 31).
2. Die Vorbreitung und die Feier der Eucharistie („Die verschiedenen Aspekte dieses Sakraments zeigen seinen unerschöpflichen Reichtum auf. Es ist gleichzeitig Sakrament-Opfer, Sakrament-Gemeinschaft und Sakrament-Gegenwart. Die Eucharistie ist der bevorzugte Ort der Begegnung mit dem lebendigen Christus“: EIA, Nr. 35), der kulturellen Angebote (vgl. Instrumentum laboris der XIII. Ordentlichen Generalsversammlung der Synode, Nr. 97) und der religiösen Praktiken der Volksfrömmigkeit, damit sie zu Orten und Einrichtungen der Begegnung mit Christus und den Brüdern werden (EIA, Nr. 12).
3. Eine organische Pastoral für die Teilname und die Gemeinschaft innerhalb der Diözesen („Die vom Bischof geleitete Diözese ist der erste Bereich von Gemeinschaft und Mission. Sie muss eine erneuerte, verstärkte und organische Pastoraltätigkeit entwickeln und fördern, damit sich die Verschiedenheit der Charismen, Aufträge, Dienste und Organisationen an demselben Missionsprojekt orientieren, nämlich das Leben in der eigenen Umgebung zu verkünden. Dieses Projekt, das auf dem Weg der verschiedenen Teilhabe entsteht, ermöglicht eine organische Pastoral, die auf die neuen Herausforderungen antworten kann. DA, Nr. 169) und innerhalb der kirchlichen Provinzen (vgl. EIA, Nr. 36-37).Die Verantwortung der Gemeinschaft der Gläubigen:
1. Als Grundlage der Glaubensbildung der Gläubigen den Katechismus der Katholischen Kirche und das Kompendium der Soziallehre der Kirche benützen (angesichts der schwerwiegenden Probleme der Sozialordnung, so wie sie in unterschiedlichen Formen in ganz Amerika vorhanden sind, weiß der Katholik, dass er innerhalb der kirchlichen Soziallehre Antworten als Ausgangspunkt für konkrete Lösungen finden kann. Solche Lehre zu verbreiten ist deshalb eine wirkliche pastorale Priorität. EIA, Nr. 54).
2. Das gemeinschaftliche christliche Leben in einer Lebensform von kleinen Gemeinschaften, die teilen und Gemeinsamkeit leben, ausdrücken (die Berufung zum missionarischen Jüngersein ist gleichzeitig Berufung in die Gemeinschaft seiner Kirche. Es gibt keine Jüngerschaft ohne Gemeinschaft... Der Glaube befreit uns aus der Isolation des Ichs, weil er uns in eine Gemeinschaft einführt. Das bedeutet, dass die Zugehörigkeit zu einer konkreten Gemeinschaft, in der wir eine bleibende Erfahrung von Jüngerschaft und Gemeinschaft mit den Nachfolgern der Apostel und dem Papst machen, eine wesentliche Eigenschaft des christlichen Ereignisses ist. DA, vgl. 156)
3. Christliche Bildungsangebote definieren und anbieten (vgl. EIA, Nr. 34 und 69), um auf pädagogische Weise die Gläubigen auf mystagogischen Wegen in die Erfahrung der Geheimnisse Gottes einzuführen (vgl. NMI, vgl. 32-34).
Die Verantwortung der Laien in der Welt:
1. Sich zusammentun und sich gegenseitig stärken, damit sie in dem je eigenen Lebensbereich handeln und Zeugnis ablegen können (vgl. Instrumentum laboris der XIII. Ordentlichen Generalsversammlung der Synode, Nr. 158) für die Glaubensüberzeugungen und ihre katholische Identität („Aufgrund ihrer Teilhabe am prophetischen Amt Christi werden die Laien“ folglich „ganz in diese Aufgabe der Kirche einbezogen“, und deshalb müssen sie sich berufen und gesandt fühlen, die Frohbotschaft des Reiches zu verkünden. Die Worte Jesu: „Geht auch ihr in meinen Weinberg!“ (Mt 20,4), darf man nicht so auffassen, als wären sie nur an die Apostel gerichtet worden, sondern sie gelten für alle, die wahre Jünger des Herrn sein wollen“. EIA, Nr. 57)
2. Mit den öffentlichen und privaten Institutionen den Dialog suchen, und an der Realisierung des Gemeinwohls und einer Kultur („Mein Vorgänger, Paul VI., vertrat aufgrund weiser Eingebung den Standpunkt: „Der Bruch zwischen Evangelium und Kultur ist ohne Zweifel das Drama unserer Zeitepoche“. Deshalb sagten auch die Synodenväter, dass „die Neuevangelisierung klare, ernsthafte und geordnete Anstrengungen erfordert, um die Kultur mit dem Evangelium zu durchwirken“. EIA, Nr. 70), die auf der Menschenwürde beruht („Man sollte daran erinnern, dass das Fundament, auf dem alle Menschenrechte basieren, die Würde der Person ist“. EIA, Nr. 57).
3. Die neuen technischen Kommunikationsmittel benutzen, um Leben und Aufgabe der Kirche bekannt zu machen und mit der Welt in einen Dialog zu treten („Für die Effektivität der Neuevangelisierung ist eine vertiefte Kenntnis der heutigen Kultur grundlegend, in der die Massenmedien einen großen Einfluß ausüben. Daher ist es unerläßlich, diese Medien sowohl in ihren herkömmlichen Formen als auch hinsichtlich der neuesten Errungenschaften des technischen Fortschritts zu kennen und zu nutzen“. EIA, Nr. 72).
4. Die sozialen Vernetzungen benutzen, um das katholische Denken und seine aktuellen Antworten auf die kulturellen herausforderungen bekannt zu machen, besonders gegenüber der neuen Generation („Es gibt wirklich viele Jugendliche in Amerika, die den wahren Sinn ihres Lebens suchen und ein Verlangen nach Gott verspüren... Die dabei entstehende Frustration führt häufig dazu, dass sie von der Suche nach Gott ablassen. Angesichts dieser sehr komplexen Situation „verpflichtet sich die Kirche, ihre pastorale und missionarische Option für die Jugendlichen aufrechtzuerhalten, damit sie heute dem lebendigen Christus begegnen können“. EIA, Nr. 47).
Die pastorale Umkehr setzt sich in der kontinentalen Mission fort, die in Aparecida vom Episkopat aus Lateinamerika und der Karibik als Auftrag angenommen wurde. Deshalb identifiziert sich in Amerika die Neuevangelisierung mit der Mission des Kontinents.
[© 2012 Libreria Editrice Vaticana]


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