An-die-Brust-schlagen während des Confiteor (Schuldbekenntnis)?

Pater Edward McNamara LC antwortet

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ROM, 15. Dezember 2011 (ZENIT.org). – P. Edward McNamara LC, Professor für Liturgie am „Päpstlichen Athenaeum Regina Apostolorum“, antwortet auf Fragen zur Liturgie.

Frage: In der neuen Übersetzung der Messe des römischen Missale in englischer Sprache wundere ich mich über fehlende Anweisungen zum Gebet des Confiteor. Das Missale schreibt vor, dass man beim Beten des Schuldbekenntnisses sich bei den Worten „durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld“ an die Brust schlägt. Ich bin alt genug, mich an das dreimalige Schlagen in den vor-konziliaren Tagen zu erinnern, aber ich frage mich, ob diese Praxis anderswo in der Kirche von anderen Sprachgruppen des römischen Missale beibehalten wurde. Gibt es einen allgemeinen Brauch? Oder ist die fehlende Genauigkeit des neuen Missale ein Hinweis darauf, dass ein einziger Schlag an die Brust vorgesehen ist? A.L., Gallitzin, Pennsylvania

Antwort: Dieser Mangel an Spezifizierung existiert bereits in den latinischen Rubriken, wo es heißt: „[P]ercutientes sibi pectus“ („sich an die Brust Schlagende“), wobei die außerordentliche Form einen dreimaligen Schlag spezifisch vorschreibt.

Es gibt aber eine kleine Änderung bei der Übersetzung dieser Rubrik. Die frühere Übersetzung mit dem nur einmaligen Bekenntnis der Schuld sah vor, dass sich der Gläubige an „die Brust schlagen“ sollte, was nur einen einzigen Schlag bedeutet. Die jetzige Übersetzung lautet „Und an ihre Brust schlagend, sagen sie:“ vor dem dreifachen Schuldbekenntnis.

Der Gebrauch des Partizips zeigt eine kontinuierliche Handlung an, und darum möchte ich behaupten, dass, selbst ohne den genauen Hinweis in den Rubriken, die Wiederholung der Worte auch die entsprechende Anzahl von Schlägen an die Brust mit sich bringt, während man die eigene Schuld bekennt. Ich glaube, dass dies auch die natürliche Reaktion der meisten Menschen wäre.

Dieses wird von der gängigen Praxis in den Ländern, in denen Spanisch oder Italienisch (oder auch Deutsch, Anm. d. Übs.) gesprochen wird, bestätigt, die immer die dreifache Form im „Confiteor“ (Schuldbekenntnis) beibehalten haben. Das spanische Missale übersetzt die Rubrik mit: „golpeándose el pecho, dicen“, das beides bedeuten könnte, einmal oder mehrmals. In diesen Ländern ist es also die verbreitete Praxis für Priester und Gläubige, dreimal an die Brust zu schlagen.

Obwohl das Zweite Vatikanische Konzil „unnötige Wiederholungen“ abschaffen wollte, muss gesagt werden, dass nicht jede Wiederholung unnötig ist. Einige Formen der Kommunikation nutzen notwendigerweise sogenannte „Redundanzen“, was bedeutet, sie verstärken das Signal, das eine Botschaft vermittelt, mehr als eigentlich unbedingt notwendig wäre, um die äußere Beeinflussung zu überwinden und die Wichtigkeit hervorzuheben.

Die dreifache Wiederholung von Worten und Gesten im „Confiteor“ könnte als ein solcher Fall gelten. Bei der früheren Übersetzung war es ziemlich einfach, die Geste des An-die-Brust-Schlagens zu übergehen oder ihrer Bedeutung nur wenig Aufmerksamkeit zu schenkten. Die dreifache Wiederholung hebt aber ihre Bedeutung hervor und hilft uns, uns auf die innere Bedeutung dessen, was wir tun und sagen, zu konzentrieren.

Es muss dennoch hinzugefügt werden, dass die oben entwickelte Argumentation nicht ganz „hieb-und stichfest" ist und ein einfacher Brustschlag auch eine gültige Interpretation der Rubrik sein könnte.

[Übersetzung aus dem Englischen von Jan Bentz]