An rund 3.000 Patienten auf dem Markt nicht zugelassene Medikamente getestet

Medikamententests in der DDR

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 150 klicks

Das Zwischenergebnis eines seit 2013 laufenden Forschungsprojekts brachte nun ein trauriges und sehr nachdenklich stimmendes Kapitel deutsch-deutscher-Beziehungen zutage. 

Im Auftrag der Berliner Charité untersucht seit 2013 eine Forschergruppe in der DDR durchgeführte Medikamentenstudien. Aus einem ersten Zwischenergebnis geht hervor, dass westliche Pharmahersteller den Auftrag zu rund 300 Studien zum Austesten neuer Arzneimittel im Zeitraum zwischen 1980 und 1990 erteilt hatten. Die Angaben konnten aus dem Studium vonKrankenhausakten, Berichten der Arzneimittelhersteller, Stasi-Akten und bei der Befragung von Zeitzeugen ermittelt werden.Hinweise auf weitere 70 Studien wurden in den Archiven gefunden, konnten bisher aber noch nicht bestätigt werden.

1983 hatten DDR-Politiker mit westlichen Pharmaunternehmen ausgemacht, dass auf dem Markt noch nicht zugelassene Medikamente an Patienten getestet werden sollten. Im Gegenzug erhielt die DDR Devisen. Die Folgen für die Patienten waren damals unabsehbar. Die Stasi habe, so heißt es in dem Zwischenbericht, nicht nur den Ablauf kontrolliert, sondern auch politische Gegner auf diese Weise überwachen und die Flucht von Ärzten verhindern wollen. Zwischen 1983 und 1988 wurden an rund 3.000 Patienten Medikamententests durchgeführt. Die DDR erhielt dafür6,78 Millionen DM.