André Louf: Der Schritt vom theoretischen zum lebendigen Glauben bedeutet Krise

Der trappistische "Meister der Spiritualität" sprach im "Dialoglehrstuhl" in Mailand

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MAILAND, 26. September 2002 (ZENIT.org).- Der Schritt, der das intellektuelle Verständnis des Glaubens vom wahren Leben im Glauben trennt bringt eine Krise mit sich, so einer der bekanntesten "Betmeister" Europas.



Der 73-jährige Pater André Louf, seit 1998 Abt des belgischen Trappistenklosters "Mont des Cats" und Autor von Spiritualitäts-Bestsellern hat die Etappen, die das Gebet des Christen durchlebt bei einer Konferenz am Montag im Centro Paolo VI in Mailand beschrieben.

Im Rahmen des vom bis vor kurzem Erzbischofs von Mailand Kardinal Carlo Maria Martini gegründeten "Dialoglehrstuhls" erläuterte Pater Louf am Beispiel der monastischen Tradition drei entscheidende Phasen des Gebets des Gläubigen: die aktive, die passive und die vereinende.

Die zweite entspreche der Krise, der Nacht, der Wüste, die alle Meister der Spiritualität beschreiben. "Den Schritt, der vom Wissen des Glaubens zur Weisheit führt, geht man nicht ohne eine Krise", sagte er.

Dieser Autor von Werken, in denen die Wirkung des Heiligen Geistes im christlichen Gebet unterstrichen wird (etwa "Herr, bring uns das Beten bei, Lumen vitae 1975), kam mit 20 Jahren ins Kloster. Seitdem hat er einen bemerkenswerten spirituellen Einfluss gehabt , nicht nur in der katholischen Welt, sondern in der Christenheit insgesamt. Seine Bücher sind in viele Sprachen übersetzt.

Den Moment der Krise, so Louf, nutze Gott in pädagogischer Weise, damit ein Mensch den Boden der theoretischen Kenntnis des Wissens verlasse, um zur Weisheit derselben durch Wirken des Heiligen Geists zu gelangen.

Dann kommt man zur letzten Phase, der vereinigenden, in der so viele Worte übrig bleiben, wo doch eines genügen würde. "Es handelt sich um eine Liebe, die eintritt, wo der Verstand sich zurückhält", erklärt der Trappistenmönch.

Der Christ soll diese Wahrheit vermitteln, insistiert der Meister der Spiritualität, und zwar nicht aus dem, was er aus Büchern gelernt hat, sondern aus der eigenen Erfahrung: "Einem Propagierer wird man entgegentreten, ein Zeuge ist unwiderstehlich", so beschloss er.