Angelus am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel

„Angezogen vom himmlischen Glanz der Mutter“

| 1276 klicks

CASTEL GANDOLFO, 16. August 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am Mittwoch zum Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel in Castel Gandolfo gehalten hat.



Der Heilige Vater ermutigte die Gläubigen, Maria nachzuahmen und Christus hochherzig nachzufolgen. Er wies darauf hin, dass ihre Verherrlichung die „letzte Bestätigung“ für die vollkommene Übereinstimmung ihres Willens mit dem Willen Jesu sei, und betonte, dass Maria die Menschheit vom Himmel her immerfort beschütze; ein jeder benötige ihre Unterstützung, um den Alltag zu meistern.

* * *

Liebe Brüder und Schwestern!

Heute feiern wir das Hochfest der Aufnahme der seligen Jungfrau Maria in den Himmel. Es handelt sich um ein altes Fest, das sein letztes Fundament in der Heiligen Schrift hat: Diese nämlich zeigt die Jungfrau in enger Einheit mit dem göttlichen Sohn und immer solidarisch mit ihm. Mutter und Sohn erscheinen im Kampf gegen den teuflischen Feind eng miteinander verbunden bis zum vollen Sieg über ihn. Dieser Sieg kommt im Besonderen in der Überwindung der Sünde und des Todes zum Ausdruck, das heißt in der Überwindung jener Feinde, die der heilige Paulus immer in Verbindung miteinander darstellt (vgl. Röm 5,12.15-21; 1 Kor 15,21-26). Wie die glorreiche Auferstehung Christi das endgültige Zeichen dieses Sieges war, so bildet die Verherrlichung Mariens auch in ihrem jungfräulichen Leib die letzte Bestätigung ihrer vollen Solidarität mit dem Sohn, im Kampf wie im Sieg.

Dieser tiefen theologischen Bedeutung des Geheimnisses verlieh der Diener Gottes Pius XII. seine Worte, als er am 1. November 1950 die feierliche dogmatische Definition dieses Privilegs Mariens verkündete. Er erklärte: „So erhielt schließlich die erhabene Mutter Gottes – seit aller Ewigkeit auf geheimnisvolle Weise mit Jesus Christus durch ein und denselben Beschluss der Vorherbestimmung vereint, unbefleckt in ihrer Empfängnis, reinste Jungfrau in ihrer göttlichen Mutterschaft, großherzige Gefährtin des Göttlichen Erlösers, der einen vollen Triumph über die Sünde und ihre Folgen davongetragen hat – als höchste Krone ihrer Privilegien, dass sie vor der Verwesung des Grabes bewahrt werden sollte und, da sie den Tod wie schon ihr Sohn besiegt hat, mit Leib und Seele zur Herrlichkeit des Himmels erhoben ist, wo sie als Königin zur Rechten ihres Sohnes, des unsterblichen Königs aller Zeiten, erglänzt“ (Apostolische Konstitution „Munificentissimus Deus“: AAS 42 [1950], 768-769).

Lieber Brüder und Schwestern: Als die in den Himmel Aufgenommene hat sich Maria nicht von uns entfernt, sondern sie ist uns noch näher. Und ihr Licht strahlt über unserem Leben und der Geschichte der ganzen Menschheit wider. Angezogen vom himmlischen Glanz der Mutter des Erlösers wenden wir uns vertrauensvoll an sie, die von oben her auf uns blickt und uns beschützt. Wir alle bedürfen ihrer Hilfe und ihres Trostes, um die Prüfungen und Herausforderungen jeden Tages anzugehen. Wir haben das Bedürfnis, sie in den konkreten Situationen unseres Daseins als Mutter und Schwester zu erleben. Und damit auch wir eines Tages für immer dasselbe Schicksal wie sie teilen dürfen, ahmen wir sie jetzt in der fügsamen Nachfolge Christi und im großherzigen Dienst an den Brüdern nach. Das ist die einzige Weise, um schon während unserer irdischen Pilgerreise die Freude und den Frieden im Voraus zu genießen, die derjenige in Fülle erfährt, der zum unsterblichen Ziel des Paradieses gelangt.

[Nach dem Angelus erklärte der Heilige Vater auf Deutsch:]

Von Herzen heiße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher hier in Castel Gandolfo willkommen. Besonders begrüße ich heute die jungen Freunde, die in Österreich, in Mariazell, über das Fernsehen mit uns verbunden sind.

Liebe Jugendliche, ihr habt euch in einem „Haus Mariens“ versammelt, das auch ich im nächsten Monat besuchen werde. Das Beispiel Mariens, der Mutter Jesu, zeigt uns, dass Gott Menschen sucht, bei denen er Wohnung nehmen kann. Christus will auch in unseren Herzen wohnen. So wächst die Kirche, das Haus Gottes, wenn wir Menschen den Herrn mit unserem Glauben, mit unserer Anbetung, mit Hoffnung und Liebe aufnehmen und lebendige Steine an diesem geistigen Haus werden.

Liebe Pilger, liebe Jugendliche! Maria, die ein auserwählter und vollendeter Stein des lebendigen Hauses Gottes ist, wollen wir heute besonders um ihre Fürsprache für unseren persönlichen Lebensweg bitten. Sie lebt ganz in der Gegenwart Gottes und bleibt doch den Menschen mit ihrem mütterlichen Herzen zutiefst verbunden. – Der Schutz Mariens begleite euch alle auf euren Wegen!

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2007 - Libreria Editrice Vaticana]