Angola: Caritas-Hilfsprogramm zur Resozialisierung ehemaliger Guerillakämpfer

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LUANDA/ROM, 6. September 2006 (ZENIT.org).- Im südwestafrikanischen Staat Angola, in dem von 1961 bis 2002 fast ununterbrochen ein blutiger Bürgerkrieg tobte, hat die nationale Caritas-Organisation nun ein Hilfsprogramm zur Resozialisierung von ehemaligen Guerillakämpfern ins Leben gerufen.



Das Landwirtschaftsprojekt in der nordöstlichen Provinz Luanda Sul kommt rund 1.000 ehemaligen Mitgliedern der "Nationalunion für die völlige Unabhängigkeit Angolas” (UNITA) zugute. Ihnen wird zusammen mit entsprechenden Mitteln (Geräte, Saatgut, Dünger) die Möglichkeit gegeben, eigene Anbauflächen zu bewirtschaften, um ihre Familien zu unterhalten.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur "Fides" ist in einer zweiten Phase des Projekts noch innerhalb eines Jahres der Bau einer Schule mit zehn Klassenräumen vorgesehen. Auch ein besonderer Raum für das Miteinander der Generationen soll entstehen, damit die Älteren der Jugend traditionelle, kulturelle und ethische Werte vermitteln können.

Der Bischof von Saurimo, Msgr. Eugenio Dal Corso, setzt große Hoffnungen in das Projekt, da viele der ehemaligen Krieger aus der Landwirtschaft kämen: "Hoffen wir, dass sich möglichst viele ehemalige Guerillakämpfer wieder in die Ortsgemeinschaft integrieren und selbst unterhalten können."

Angola, seit 1482 portugiesische Kolonie, wurde 1955 zur portugiesischen Überseeprovinz. Nach einem 20-jährigen Krieg gegen die Fremdherrschaft wurde am 11. November 1975 die Unabhängigkeit proklamiert. Zuvor war aber ein Bürgerkrieg ausgebrochen, in dem sich für weitere 27 Jahre die "Nationalunion für die völlige Unabhängigkeit Angolas" (UNITA) unter ihrem Führer Jonas Savimbi (+1992) und die "Volksbewegung für die Befreiung Angolas" (MPLA) unter Führung von José Eduardo Dos Santos gegenüberstanden. Erstere wurde von den USA und Südafrika untertsützt, letztere von der ehemaligen Sowjetunion und Kuba. Nach UNO-Schätzungen starben im Bürgerkrieg und an seinen verheerenden Folgen (Hunger und Epidemien) bis 2002 rund 1,5 Millionen Menschen; 2,5 Millionen Menschen mussten flüchten.

Im Jahr 1994 nahmen die Konfliktparteien Friedensverhandlungen auf, was im April 1997 zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit führte. In ihr waren Mitglieder beider Lager vertreten. Ende 1998 kam es zum Wiederaufflammen der kriegerischen Auseinandersetzung. Erneut sahen sich Hunderttausende von Menschen aus den ländlichen Gebieten dazu gezwungen, die Flucht zu ergreifen und Hab und Gut zurückzulassen.

Der Krieg hat die Nutzung der umfangreichen Ressourcen des Landes stark beeinträchtigt, aber dennoch gilt Angola als das zweitwichtigste Erdölförderland südlich der Sahara.

In der Präsidialrepublik, der José Eduardo dos Santos als Präsident vorsteht, wohnen rund 12 Millionen Einwohner, allein 2 Millionen leben in der Hauptstadt Luanda und Umgebung. 59 Prozent der Gesamtbevölkerung sind katholisch. Die Kirche gliedert sich in 15 Diözesen. 329 Wohlfahrtseinrichtungen und 272 Schulen befinden sich in kirchlicher Trägerschaft.