Angola und Kamerun: Fastenzeit im Zeichen des bevorstehenden Papstbesuchs

„Ein großer Moment der Stärkung des Glaubens“

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ROM, 4. März 2009 (ZENIT.org).- In Angola herrscht bereits Vorfreude auf den bevorstehenden Papstbesuch (20. bis 23. März). „Die Ankunft des Papstes ist eine Stärkung und ein Segen für die katholische Kirche in Angola. Ich rede nicht nur von der Hierarchie der katholischen Kirche in diesem Land, sondern von allen katholischen Laien“, erklärte Fatima Viegas, Direktorin des nationalen Instituts für religiöse Angelegenheiten, einer Organisation des Kulturministeriums, das den Papstbesuch gemeinsam mit der Bischofskonferenz von Angola vorbereitet.



Papst Johannes Paul II. besuchte 1992 als erster Papst Angola, das bis 1991 Schauplatz eines 30 Jahre andauernden Kriegs war. „Die Gläubigen von Angola leben die Fastenzeit in Erwartung der Ankunft des Papstes“, erklärte der apostolische Nuntius in Angola, Erzbischof Angelo Beccio. „Sie betrachten diesen Besuch als einen großen Moment der Stärkung des Glaubens und als Ehre für ihr Land, das vor 500 Jahren das Evangelium und die erste Taufe erhielt.“

Programm des Papstbesuchs in Angola
Zunächst wird Benedikt XVI. am 20. März in Luanda ankommen und nach einem Besuch bei Staatspräsident Jose Edoardo dos Santos und den Politikern das Gespräch mit den Bischöfen suchen. Zum Gottesdienst am folgenden Morgen sind neben dem Klerus besonders auch geistliche Bewegungen und Katecheten eingeladen. Am Nachmittag wird ein Treffen mit Jugendlichen im Stadion von Luanda stattfinden.

Bischöfe aus dem ganzen südlichen Afrika werden zur Sonntagsmesse am 22. März kommen, die den Schlusspunkt der Reise bildet. Der Gottesdienst wird ganz im Zeichen der ersten Evangelisierung Angolas durch portugiesische Missionare vor 500 Jahren stehen. Hunderttausende Gläubige werden erwartet. Am Nachmittag will sich der Papst auch noch mit Vertretern von katholischen Initiativen zur Frauenförderung treffen.

Benedikt XVI. in Kamerun

Bevor der Heiligen Vater in Angola ankommen wird, steht sein Besuch in Kamerun auf dem Programm, wo ihn am 17. März eine Ankunftszeremonie in Yaounde erwartet. Auch hier sind die Vorbereitungen bereits im Gange. Freilich ist die Stimmung nach den jüngsten kamerunschen Medienberichten nicht die Beste: Der Anstieg neuer christlicher Sekten und der abnehmende Einfluss der katholischen Kirche waren laufend Gegenstand neuer Schlagzeilen. Aus diesem Grund bat der Minister für Kommunikation, Jean-Pierre Biyiti bi Essam, die Presse um einen „Waffenstillstand“. Man solle während des Papstbesuchs nichts tun, das „dem Ansehen der Kirche in diesem bedeutenden Augenblick für das Land schaden könnte“.

Die Gläubigen in den kirchlichen Gemeinden stimmen sich unterdessen mit Gebet und einer überdurchschnittlich hohen Teilnahme an den Messfeiern auf den Papstbesuch ein. Transparente und Banner mit dem Abbild Benedikts XVI. verstärken bereits jetzt die festliche Stimmung.

Begegnungen mit Bischöfen, Priestern, Mitgliedern geistlicher Bewegungen und der Welt der Ökumene stehen am ersten Tag im Zentrum. Am 19. März trifft Benedikt XVI. zunächst muslimische Vertreter, bevor er – als Höhepunkt des Kamerun-Aufenthalts – eine große Messe im Hauptstadtstadion feiert und das Arbeitspapier für die Afrikasynode überreichen wird. Zu Kranken und behinderten Menschen wird der Papst am Nachmittag sprechen und sie segnen. Diese Geste war Benedikt XVI. auch bei seinen bisherigen Reisen immer sehr wichtig.

In Yaounde wird Benedikt XVI. auf deutsche Wurzeln stoßen: Ein Offizier der „Afrikanischen Gesellschaft" gründete die heutige Hauptstadt Kameruns als Forschungs- und Handelsstützpunkt, deutsche Pallottiner legten den Grundstein der Christianisierung.

Herausforderungen und Hoffnungen der Ortskirchen
Benedikt XVI. wird unterschiedliche Gelegenheiten nutzen, um auf die soziale und kirchliche Situation der beiden Länder einzugehen. Angola trägt noch immer schwer an den Folgen seines Bürgerkriegs. In entlegenen Gebieten im Landesinneren herrscht weiterhin eine sehr kritische humanitäre Lage. Kamerun gilt demgegenüber als Hoffnungsträger für eine stabile und zukunftsfähige Entwicklung. Doch auch hier sind Armut, AIDS und Kindersterblichkeit ernste Probleme.

An pastoralen Herausforderungen mangelt es nicht: Traditioneller Geisterglaube und Vielehe machen der kirchlichen Verkündigung zu schaffen. Zugleich halten Säkularismus und Konsumorientierung Einzug. Trotzdem sind diese geographische Breiten für die katholische Kirche Quelle der Hoffnung: Beim Priesternachwuchs weist die Kurve nach oben. Die Zahl der jungen Männer, die einem geistlichen Beruf zustreben, liegt bezogen auf die Katholikenzahl in Angola dreimal höher als im deutschsprachigen Raum, in Kamerun sogar fünfmal höher. Auf 100 Priester kommen in Angola rund 170 Kandidaten für einen geistlichen Beruf; in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind es keine sieben.

Papst Benedikt wird sich einen Eindruck von der Lage der Kirche in Afrika verschaffen. In vielerlei Hinsicht stehen die beiden Reiseländer des Papstes für viele Staaten des Kontinents. Die päpstliche Visite wirke auch über die Grenzen der Kirche hinaus, erklärte ein Bischof aus Kamerun im Gespräch mit Radio Vatikan. Paul Verdzekov, Alterzbischof von Bamenda, bekundete seine Hoffnung, dass die Pastoralreise des Papstes der ganzen Gesellschaft gut tun werde: „Die größte Herausforderung ist es, die christlichen Werte wieder in Erinnerung zu rufen. Es geht etwa um Ehrlichkeit in der Abwicklung öffentlicher Angelegenheiten, um Transparenz für das Afrika von heute und vor allem für Kamerun. Diese Aufgabe wartet auf uns. Im Leben der Kirche sind auch die kleinen Gemeinschaften sehr wichtig, die Jesus ganz in den Mittelpunkt stellen. Schon die erste Sondersynode für Afrika hat diese große Bedeutung der kleinen christlichen Gemeinschaften unterstrichen.“