Angriffe auf den neuen Erzbischof von Berlin vor Amtsantritt

„Ein Stoß vor den Kopf“

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BERLIN, Mittwoch, 13. Juli 2011 (ZENIT.org). – Am Umgang mit dem Thema der Homosexualität werde sich entscheiden, ob Rainer Maria Woelki als Bischof der deutschen Hauptstadt bestehen könne, äußerte der kirchenpolitische Sprecher der Grünen, Josef Winkler, zu dessen Ernennung laut der Wochenzeitschrift „Zeit“.

Seine öffentliche Äußerung, praktizierte Homosexualiät verstoße gegen die Schöpfungsordnung, sei ein „Stoß vor den Kopf“ für die in der katholischen Kirche aktiven Schwulen und Lesben.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs bezeichnete Woelki als „Vertreter einer rückständigen Glaubensrichtung“. „Die katholische Kirche tut sich keinen Gefallen, wenn sie den Vertreter einer rückständigen Glaubensrichtung in Berlin zum Bischof macht, da dies dem Lebensgefühl der Menschen widerspricht“, so der Abgeordnete zum Berliner Tagesspiegel.

Der Arbeitskreis „Lesben und Schwule in der SPD“ (Schwusos) bezeichnete die Ernennung Woelkis vor diesem Hintergrund als negatives Signal. Es werde den Dialog mit der katholischen Kirche erschweren.

Nach Meinung von dessen Vorsitzenden Jörg Steinert hielten auch viele katholische Gläubige die Geschlechter- und Sexualpolitik der eigenen Amtskirche für „menschenfeindlich“, so der Tagesspiegel.

Die Berliner CDU-Bundestags-Abgeordnete Monika Grütters bezeichnete eine vermutete (aber unzutreffende)  Mitgliedschaft des neuen Erzbischofs beim „Opus Dei“ als „verheerend“, da der Erzbischof „Offenheit für eine heterogene Gesellschaft“ wie die in Berlin benötige.

Der Vorsitzende des „Forums deutscher Katholiken“, Prof. Dr. Hubert Gindert, hatte daraufhin die CDU-Abgeordnete zum Rücktritt aufgefordert.

Wenn die CDU-Abgeordnete eine vermutete Opus-Dei-Nähe des neuen Berliner Erzbischofs „verheerend" finde, sei dies „nicht nur ein beispielloser Akt der Selbstsäkularisierung, sondern auch ein Versuch der Einschüchterung".

Er gab folgende Presseerklärung ab:

„Wir leben in einem Land, in dem Religionsfreiheit und damit auch die Zugehörigkeit zu den von der katholischen Kirche anerkannten Gemeinschaften von der Verfassung geschützt sind. Staat und Volksvertreter haben die religiösen Grundfreiheiten zu schützen, aber nicht in Frage zu stellen.

Die katholische Berliner Bundestagsabgeordnete Monika Grütters, CDU, hat eine mögliche 'Nähe' des designierten Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki zum 'Opus Dei' als 'verheerend' bezeichnet.

Das ist nicht nur ein beispielloser Akt der Selbstsäkularisierung, es ist auch der Versuch der Einschüchterung, der an geistigen Terror grenzt.

Wenn die Partei, die das 'C' in ihrem Namen trägt, nicht mehr den Mut und die Kraft aufbringt, Frau Grütters nahe zu legen, die Konsequenzen aus ihrem Fehlverhalten zu ziehen, fordert das 'Forum Deutscher Katholiken' Frau Grütters auf, ihr Bundestagsmandat niederzulegen."

Dompropst Dr. Stefan Dybowski hatte den neuen Erzbischof bei der Pressekonferenz am 5. Juli folgender maßen begrüßt:

„Mit großer Freude begrüßen wir Weihbischof Woelki in unserem Erzbistum Berlin und wünschen ihm von Herzen viel Kraft und Gottes reichen Segen! Wir danken dem Heiligen Vater für die Ernennung von Weihbischof Dr. Rainer Maria Woelki zum neuen Erzbischof von Berlin und heißen ihn mit offenen Armen willkommen.“

Für Rainer Maria Woelki selber „liegen Freude und Trauer dicht beieinander“.

„Ich habe mich sehr gefreut über meine Ernennung zum Erzbischof von Berlin: Denn das heißt, dass mir der Papst und die Mitglieder des Domkapitels diese Aufgabe zutrauen. Auch viele Berlinerinnen und Berliner haben mir geschrieben, dass sie sich darauf freuen, wenn ich am 27. August mein Amt antrete.

Und gleichzeitig teile ich die Trauer um meinen Vorgänger, Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky. Ich kannte ihn persönlich und ich weiß, was Berlin mit ihm verloren hat.“

Er erinnerte auch daran, dass er zu DDR-Zeiten theologische Bücher nach Ostberlin geschmuggelt habe. Er habe aber auch den Wandel durch Mauerfall, Wiedervereinigung und Umzug der Regierung sehr begeistert und oft staunend verfolgt. Viele Menschen in Berlin seien „Zugezogene“, zu denen er jetzt auch gehören werde. Seine neue Aufgabe sei die eines Kapitäns, der ein neues Schiff auf hoher See übernehme:

„Ich komme mir vor wie ein Kapitän, der sein neues Schiff nicht im Hafen, sondern auf hoher See übernimmt. Ich werde jetzt nicht die Maschinen stoppen und den Anker werfen. Der Kurs ist gut, er führt uns als nächstes Ziel zum Papstbesuch im September. Jetzt will ich erst einmal die Mannschaft kennen lernen und dann sehen wir weiter.“