Angst und Leid beseitigen, aber nicht den leidenden Menschen

Kardinal Meisner: Sterbehilfe weder human noch christlich

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ROM, 13. September 2012 (ZENIT.org). – „Menschenwürde geht nur ganz oder gar nicht“: Der Kölner Kardinal Meisner hat in einem Interview mit der Bildzeitung  Sterbehilfe als Tiefpunkt einer Entwicklung bezeichnet, „die in den letzten Jahren wie eine Wanderdüne einen Angriff nach dem anderen auf die Würde und Unantastbarkeit des menschlichen Lebens geführt hat.“ Dazu gehörten auch die Tötung ungeborener Kinder im Mutterleib oder das Aussortieren kranker Menschen durch Präimplantationsdiagnostik, so der Kardinal. Ähnlich hatte sich bereits der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, geäußert (ZENIT berichtete).

Sterbehilfe bedeute die bewusste und willentliche Tötung eines lebenden, wenn auch kranken Menschen. Dies sei weder human noch christlich und öffne dem Missbrauch Tür und Tor.

Christlich und human sei es dagegen, den Lebensweg so schmerz- und leidensfrei wie möglich bis zu seinem natürlichen Ende zu begleiten, selbst wenn durch starke Medikamente die Lebenszeit verkürzt werden sollte. Nur eine solche Sterbebegleitung sei menschenwürdig. Aber dies koste natürlich unsere Zeit und unsere Zuwendung.

„Nach Auskunft vieler Fachleute verlieren Sterbenskranke den Wunsch zu sterben und auch ihre Angst, wenn sie von den Möglichkeiten guter Schmerztherapie erfahren“, erklärte Meisner. Man dürfe nicht der Inhumanität unter dem Deckmantel der Hilfe Vorschub leisten.

Die christlichen Politiker forderte er auf, dem C für christlich in ihrem Namen gerecht zu werden. Deren „Maßstab ist Christus – nicht der lockenköpfige Bubi, wie er auf süßlichen Bildern dargestellt ist, sondern der Sohn Gottes, der sich mit den Schwachen, Leidenden, Kleinen, Ungeborenen und Ausgegrenzten identifiziert. Das ist unbequem und anstrengend.“

Zum Thema Ökumene befragt wies der Kardinal darauf hin, dass für die katholische Weltkirche mit 1,2 Milliarden Mitgliedern die Entscheidungen nicht in Deutschland fallen könnten, wie es der Aufruf „Ökumene jetzt“(ZENIT berichtete) vorspiegle. Ökumene beziehe vor allem auch die Orthodoxie und die Anglikaner mit ein, wo es tatsächlich große Fortschritte in der Annäherung gebe.

Gerade in ethischen Fragen dagegen vergrößerten sich die Unterschiede zu den evangelischen Gruppierungen: „Ökumene geht nur, wenn wir einander ernst nehmen. Und da müssen wir leider sagen: Gerade in jüngster Zeit blieb so mancher gewichtige konfessionelle Gegensatz nicht nur bestehen, sondern hat sich sogar verstärkt.“

Diese Einschätzung teilt er mit der Deutschen Evangelischen Allianz.

[jb]