Anicet Koplinski (1875-1941)

Kapuzinermönch und Märtyrer in Auschwitz

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 306 klicks

Anicet Koplinski wurde am 30. Juli 1876 in Preußisch-Friedland in Westpommern (heute Debrzno) geboren. Aniceto war der jüngste von zwölf Brüdern und stammte aus einer Arbeiterfamilie.

Am 23. November 1893 trat er dem Kapuzinerorden in Sigolsheim im Elsass bei. Sieben Jahre später, am 15. August 1900, empfing Pater Anicet die Priesterweihe. Im Anschluss betreute er als Seelsorger in Dieburg, dann im Ruhrgebiet in Werne, Oberhausen-Sterkrade und in Krefeld die dort lebenden polnischen Arbeiter. Bei dieser Tätigkeit kamen ihm seine Sprachkenntnisse des Polnischen und seine eigene Herkunft zugute.

1918 kam es zu einer bedeutenden Wende im Leben von Pater Anicet: Er wurde gebeten, in Warschau Reformen der Kirche zu mitzubetreuen. In Polen fand er große Armut in den unteren sozialen Schichten vor, um die er sich fortan intensiv kümmerte. Er organisierte für die Armen; bedürftigen und Kranken eine Grundversorgung mit Lebensmitteln. Die Kapuziner verteilten bis 8.000 Mahlzeiten pro Tag.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten hörte Pater Koplinski nicht auf, sich für Christen, Gläubige anderer Glaubensrichtungen wie z.B. Juden einzusetzen. Der Gestapo missfiel das Auftreten des Kapuzinerpaters und verhörte ihn am 15. August 1941. Am 28. Juni 1941 erfolgte seine Verhaftung gemeinsam mit 20 Mitbrüdern. Grund für die Verhaftung war das Lesen regimekritischer Flugblätter und das wiederholte Äußern kritischer Kommentare. Am 3. September wurde Pater Anicet Koplinki nach Auschwitz deportiert. Der Ordensprovinzial und Mitgefangene, Pater Arcangelo, berichtete, dass Pater Koplinski gleich nach der Ankunft verprügelt worden sei, da er nicht mit den anderen Gefangenen habe Schritt halten können.

Am 16. Oktober 1941 wurde Pater Anicet Koplinski in Auschwitz (heute Oświęcim) lebendig in einen Graben geworfen und mit Löschkalk bedeckt; nach anderen Quellen wurde er vergast.

Pater Anicet Koplinski wurde am 13. Juni 1999 mit 107 weiteren Märtyrern, Klerikern und Laien vom seligen Johannes Paul II. in Warschau seliggesprochen:

„Wenn wir uns heute über die Seligsprechung der 108 Märtyrer, Kleriker und Laien, freuen, tun wir es vor allem, weil sie das Zeugnis des Sieges Christi sind, die Gabe, die die Hoffnung wiederherstellt. Während wir diesen feierlichen Akt vollziehen, wird in uns gewissermaßen die Sicherheit neu bestärkt, dass wir unabhängig von den Umständen in allem den vollen Sieg davontragen können durch den, der uns geliebt hat (vgl. Röm8,37). Die seligen Märtyrer rufen unseren Herzen zu: Glaubt, dass Gott die Liebe ist! Glaubt es in Gutem und Bösem! Erweckt in euch die Hoffnung! Sie bringe in euch die Frucht der Treue zu Gott in jeder Prüfung hervor!“