Anjara: Ein Zufluchtsort für Christen und Muslime

Unsere Liebe Frau vom Heiligtum auf dem Berg bereitet sich auf die Ankunft von Papst Franziskus vor

Amman, (ZENIT.org) Junno De Jesús Arocho Esteves | 238 klicks

Die Gottesmutter ist weltweit unter vielen Namen bekannt: Unsere Liebe Frau von Fatima, Unsere Liebe Frau von Lourdes, Unsere Liebe Frau der Göttlichen Vorsehung, um nur einige wenige zu nennen. Ein fast unbekannter Name in einem der am tiefsten mit den großen Gestalten des Alten und Neuen Testamentes verbundenen Gebieten ist der folgende: Unsere Liebe Frau vom Berg.

Eingebettet in der Stadt Anjara, Jordanien, wurde das Heiligtum von P. Yousef Salmeh Nammat zu Ehren der Jungfrau Maria errichtet. Der Tradition zufolge gingen Jesus und seinen Mutter durch die Stadt und verweilten in einer Höhle in den Ajloun-Bergen in der Nähe der Pfarrei in den Hügeln von Gilead östlich des Jordantals.

Das Heiligtum beherbergt auch eine Schule und ein Waisenhaus für Kinder des Ortes, die entweder ihre Eltern verloren haben oder aus Gründen der Armut ausgesetzt wurden. Dazu berichtet P. Hugo Alvaniz, der Priester der Pfarrgemeinde: „Das jüngste Kind war 11 Jahre alt. Die Mutter des Mädchens hat sie hier gelassen, doch mehrere Monate später kam sie zurück und nahm es wieder an sich“.

Mit besorgtem Blick ergänzt er: „Ich hoffe, dass es ihr gut geht“.

P. Alvaniz, der aus Argentinien stammt, ist Angehöriger des Instituts des Fleischgewordenen Wortes, eines aus Priestern und Ordensfrauen bestehenden Ordens, die mit ihrer Arbeit in Anjara im Jahr 2004 begannen. Die Vorfreude in der Pfarrgemeinde ist spürbar. Ein großes Plakat von Papst Franziskus und König Abdullah II. von Jordanien überragt das Heiligtum. Die Kinder des Waisenhauses werden die Gelegenheit haben, bei der Ankunft des Papstes am Samstag eine traditionelle spanische Hymne zur Gottesmutter Maria zu singen. Kurz nach der Messe werden die Ordensschwestern vom Fleischgewordenen Wort die Kinder zur Probe vor dem großen Ereignis zusammenrufen.

Allerdings ist die Pfarrgemeinde noch durch einen weiteren Aspekt mit der Gottesmutter verbunden. Eingeschlossen in einen Glaskasten befindet sich eine Statue der Jungfrau Maria mit dem Jesuskind. Am 6. Mai 2010 waren eine Ordensfrau, drei Frauen und mehrere Schulmädchen mit Reinigungsarbeiten der Pfarrei beschäftigt. Als die Ordensfrau sich anschickte, die Glastür zu putzen, bemerkte sie zu ihrem Erstaunen, dass die Statue der Gottesmutter mit den Augen blinzelte. Die Ordensfrau und eines der Mädchen schrien beim Anblick der Bluttränen, die über das Gesicht der Statue strömten. Nachdem sie die Aufregung vernommen hatten, eilten Mitglieder der Pfarrgemeinde zur Kirche und wurden Zeugen des übernatürlichen Ereignisses.  

Nachdem der Bischof Ermittlungen in der Angelegenheit angeordnet hatte, bestätigten in einem nahe gelegenen Krankenhaus durchgeführte Untersuchungen, dass es sich bei den Tränen um menschliches Blut handelte. Kurze Zeit später erkannte der Lateinische Patriarch von Jerusalem die Gültigkeit des Wunders an.

P. Alvaniz rief in diesem Zusammenhang in Erinnerung: „Der Lateinische Patriarch von Jerusalem sagte vor 5.000 Menschen: ‚Die Jungfrau Maria weint für uns und mit uns‘. Aus welchem Grund dies geschehen ist, wissen wir nicht. Einige Monate später setzte jedoch der ‚Ar-rati Al-rabi‘ (der arabische Frühling) ein. Wir haben Missionare in den Ländern Ägypten, Tunesien und Irak und sie sind immer noch dort“.  

P. Alvani gesteht den Revolutionen zwar einige gute Folgen zu, betont jedoch, wie furchtbar das damit einhergehende Leiden für Tausende von Menschen im mittleren Osten war. „Zum Glück ist es kein religiöser Krieg, wenngleich manche einen religiösen Krieg daraus machen wollen. Christen sind Opfer vieler Grausamkeiten, doch sie sind nicht die einzigen. Wir helfen vielen Menschen, darunter Muslimen, die in die nahegelegenen Flüchtlingslager gekommen sind, um den Grausamkeiten zu entkommen“.

Das Heiligtum Unserer Lieben Frau vom Berg dient nicht nur als Wallfahrts- und Verehrungsort, sondern ist auch ein Ort der Zuflucht und der Hoffnung, der sowohl durch Worte als auch durch Taten weiterhin ein Zeichen des Glaubens ist.

Während die umgebenden Länder weiterhin Schreckenstaten im Namen Gottes begehen, sind das Heiligtum, die Schule und das Waisenhaus zu Unserer Lieben Frau vom Berg ein weiteres Beispiel im Königreich Jordanien, dass eine Geste aufrichtiger Liebe und Einheit zwischen Christen und Muslimen nicht nur möglich ist, sondern im Mittleren Osten nun tatsächlich geschieht. Es ist ein leuchtendes Beispiel für Papst Franziskus‘ Aufruf, die Ausgegrenzten und Ausgesonderten in unserer „Wegwerfgesellschaft“ zu lieben.