Anschlag in Nigeria: weitere Verschärfung des Terrors gegen Christen

Die Meinung des Soziologen Massimo Introvigne, Koordinator des Observatoriums für Religionsfreiheit

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ROM, 10. August 2012 (ZENIT.org). – Massimo Introvigne, Turiner Soziologe, Koordinator des vom italienischen Außenministerium unterstützten „Observatoriums für Religionsfreiheit“, äußerte sich zum Attentat, bei dem am Abend des 6. August in Otite, Nigeria, zwanzig Christen in ihrer Kirche ums Leben kamen.

„Es handelt sich um eine weitere Verschärfung des von der ultrafundamentalistischen islamischen Bewegung Boko Haram geführten Terrors gegen Christen“, erklärte Introvigne. „Bisher hat sich Boko Haram als nationalistische und fremdenfeindliche Bewegung gezeigt, die vorgab, Missionskirchen, katholische an erster Stelle, deshalb anzugreifen, weil sie ‚fremd‘ sind.“

Der Anschlag in Otite sei aber anders gelagert, weil er eine Kirche der „Deeper Life Bible Church“ (außerhalb Nigerias auch als „Deeper Christian Life Ministry“ bekannt) getroffen habe. Diese Pfingstbewegung, die 1973 in Lagos vom Mathematikdozenten William Kumuyi gegründet wurde, sei Ausdruck eines original nigerianischen Christentums und daher nicht als ‚fremd‘ einzustufen.

Die „Deeper Life Bible Church“ zähle über fünftausend Kirchen in Nigeria und tausende in anderen Ländern der Welt; auch in Italien besitze sie 75 Kirchen und insgesamt an die dreitausend Anhänger.

„Der brutale Anschlag auf ein afrikanisches Christentum zeigt, dass Nationalismus und Fremdenhass nur ein Vorwand sind und Boko Haram die Christen allein deshalb verfolgt, weil sie Christen sind.“ Die Pressemeldung endet mit dem Versprechen, Italien werde in Zukunft enger mit Nigeria an der Ausbildung effizienter lokaler Polizeikräfte zusammenarbeiten.

„In derselben Region Afrikas verdient auch der Norden Malis mehr internationale Aufmerksamkeit. Das Gebiet wird de facto von al-Qaida kontrolliert, und auch die Nigerianischen Terroristen decken sich hier mit Waffen und Hass ein“, erklärte Introvigne desweiteren. „Der Weg zum Sieg über den Terrorismus ist noch weit, aber jedes neue Attentat bestärkt uns in der Überzeugung, dass man ihn mit Entschlossenheit und Geduld beschreiten muss, ohne jemals unachtsam zu werden.“

[Übersetzung des italienischen Originals von Alexander Wagensommer]