Anschläge in Kenia gehen weiter

Blutbad unter sonntäglichen Kirchgängern: 17 Tote und 50 Verletzte

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ROM, 3. Juli 2012 (ZENIT.org). - „Wir sind zutiefst besorgt im Hinblick auf die tödlichen Anschläge gegen unschuldige Bürger unseres Landes in der Africa Inland Church und in der katholischen Kathedrale von Garissa“, so die Bischöfe von Kenia in einer vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz und Erzbischof von Nairobi, Kardinal John Njue, unterzeichneten Verlautbarung, wie der Fidesdienst berichtet.

17 Tote und rund 50 Verletzte gab es bei einem Anschlag, der vermutlich auf das Konto der radikalislamischen somalischen Shabaab-Milizen geht und der am vergangenen Sonntag auf die katholische Kathedrale in Garissa und die evangelische Africa Inland Church verübt wurde.

Gegen 10.30 Uhr wurden zwei Handgranaten auf die Marien-Kathedrale geworfen, wobei nur eine der beiden Granaten vor dem Gebäude explodierte. Dabei wurden mehrere Menschen verletzt. Der Anschlag auf die African Inland Church war tödlicher. Die Angreifer töteten erst zwei Soldaten, die die Kirche bewachten und warfen dann mehrere Handgranaten in das Gebäude, wo sich Gläubige zum Gottesdienst versammelt hatten. Damit wollte man sie aus dem Gotteshaus vertreiben. Vor der Kirche schossen die Attentäter mit AK 47-Gewehren auf die Gläubigen. Es handelte sich um einen sorgfältige geplantes Attentat.

„Ich glaube nicht, dass es sich um ein religiöses Problem handelt, sondern man möchte damit die Regierung in Nairobi bloß stellen und auf den Einsatz kenianischer Soldaten gegen die Shabaab-Milizen in Somalia reagieren", so Bischof Paul Darmanin von Garissa direkt nach dem Anschlag.

Der Bischof vermutet politische Motive hinter den Attentaten: „Die Shabaab-Milizen hatten mit Racheakten gegen den Einsatz der Armee in Somalia gedroht und nachdem die Soldaten aus Nairobi nun in der Hochburg der Shaabaab-Milizen in Chisimaio größeren Druck ausüben, drohen auch die Shabaab-Milizen mit weiteren Attentaten in Kenia“.

„Garissa ist nicht weit von der somalischen Grenze entfernt“, so Bischof Darmanin weiter, „die Grenze ist leicht zu erreichen, und es ist trotz des Bemühens der Regierung um Kontrolle auch einfach, sie zu überschreiten.“

Auf die Frage, weshalb man Kirchen angreife, wenn sich hinter den Attentaten politische Motive verbergen, erläuterte der Bischof: „Kirchen sind leichte Ziele. Zudem sind die Einheimischen vorwiegend Muslime und bei den Christen handelt es sich um Zuwanderer aus anderen Landesteilen, die hier von einigen Teilen der einheimischen Bevölkerung als Fremde betrachtet werden.“

Die Bischöfe des Landes führen in ihrer Erklärung aus: „Diese ungerechtfertigten gewaltsamen Handlungen gegen kenianische Staatsbürger, darunter auch Frauen und Kinder, führen nicht nur zum Verlust unschuldiger Menschenleben, sondern sie provozieren auch ein Gefühl der Unsicherheit unter Christen und allen Kenianern, die sich Frieden wünschen.

Wir möchten betonen, dass wir davon überzeugt sind, dass es sich nicht um einen Religionskrieg handelt, doch es beunruhigt uns, dass die Anschläge sich gegen christliche Kirchen richten. Als Bischofskonferenz von Kenia bitten wir alle Kenianer, sich für ein friedliches Zusammenleben einzusetzen.“

Die Bischöfe bitten die Bevölkerung ausdrücklich darum, mit der Polizei zusammenzuarbeiten mit dem Ziel, Gewalt und Terrorismusein Ende zu bereiten.

Abschließend erinnern sie die Regierenden an die eigene Verantwortung im Hinblick auf sorgfältige Ermittlungen und Maßnahmen, um die Sicherheit des Landes zu garantieren.