Ansprache Benedikts XVI. an die Teilnehmer der Pilgerfahrt der Jesuiten zum Marienbild in der Basilika St. Paul vor den Mauern (22. April 2006)

"Gerade weil er ein Mann Gottes war, war Ignatius ein treuer Diener der Kirche"

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ROM, 12. Mai 2006 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die vom Heiligen Stuhl veröffentlichte deutsche Übersetzung jener Ansprache, die Papst Benedikt XVI. aus Anlass der Rom-Wallfahrt der Jesuiten am 22. April im Petersdom gehalten hat.



Der Heilige Vater bestärkte die Mitglieder des Jesuitenordens, im Geist ihrer Gründerväter die von ihnen begonnenen Apostolate in Einheit mit dem Bischof von Rom weiterzuführen. In Bezug auf das Anliegen des heiligen Ignatius von Loyola, den Jugendlichen eine umfassende christliche Erziehung und kulturelle Ausbildung zukommen zu lassen, sagte Benedikts XVI.: "Liebe Jesuiten, führt dieses wichtige Apostolat fort und bewahrt unverändert den Geist eures Ordensgründers!"

Der Jesuitenorden feiert in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum: Er gedenkt seit dem 3. Dezember 2005 des 450. Sterbetages des heiligen Ignatius von Loyola (31. Juli 1556) sowie des 500. Geburtstages der beiden anderen Gründerväter der Gesellschaft Jesu, des heiligen Franz Xaver und des seligen Peter Faber. Ersterer, der Patron der katholischen Missionen, erblickte das Licht der Welt am 7. April 1506, letzterer am 13. April desselben Jahres.

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Liebe Patres und Brüder der Gesellschaft Jesu!

Mit großer Freude begegne ich euch heute hier in der historischen Petersbasilika nach der heiligen Messe, die Kardinal Angelo Sodano, mein Staatssekretär, anläßlich verschiedener Jubiläen der ignatianischen Familie gefeiert hat. Euch allen gilt mein herzlicher Gruß. Allen voran begrüße ich den Generaloberen, P. Peter-Hans Kolvenbach, und danke ihm für die freundlichen Worte, mit denen er mir gegenüber eure gemeinsamen Empfindungen zum Ausdruck gebracht hat. Ich begrüße die Herren Kardinäle zusammen mit den Bischöfen und Priestern und allen, die an der heutigen Veranstaltung teilgenommen haben. Gemeinsam mit den Patres und Brüdern begrüße ich auch die hier anwesenden Freunde der Gesellschaft Jesu und unter ihnen die vielen Ordensmänner und Ordensfrauen, die Mitglieder der Gemeinschaften Christlichen Lebens und des Gebetsapostolats, die Alumnen und ehemaligen Alumnen mit ihren Familien aus Rom, aus Italien und aus Stonyhurst in England, die Dozenten und Studenten der akademischen Einrichtungen, die zahlreichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Euer heutiger Besuch gibt mir Gelegenheit, zusammen mit euch dem Herrn dafür zu danken, dass er eurer Gesellschaft Männer von so außergewöhnlicher Heiligkeit und herausragendem apostolischen Eifer geschenkt hat wie den heiligen Ignatius von Loyola, den heiligen Franz Xaver und den seligen Petrus Faber. Sie sind für euch die Ordensväter und Ordensgründer: Zu Recht gedenkt ihr in diesem Jubiläumsjahr ihrer mit Dankbarkeit und betrachtet sie als leuchtende und sichere Leitbilder eures geistlichen Weges und eures apostolischen Wirkens.

Der heilige Ignatius von Loyola war vor allem ein Mann Gottes, der an die erste Stelle in seinem Leben Gott, die größere Ehre Gottes und den größeren Dienst für Gott setzte; er war ein Mann des tiefen Gebets, dessen Mittel- und Höhepunkt die tägliche Eucharistiefeier war. Auf diese Weise hat er seinen Schülern ein kostbares geistliches Erbe hinterlassen, das nicht verloren gehen oder vergessen werden darf. Gerade weil er ein Mann Gottes war, war Ignatius ein treuer Diener der Kirche, in der er die Braut des Herrn und die Mutter der Christen sah und verehrte. Und aus dem Verlangen heraus, der Kirche auf möglichst nützliche und wirksame Weise zu dienen, ist das Gelübde des besonderen Gehorsams gegenüber dem Papst entstanden, das er selbst als "unser Richtmaß und Fundament" bezeichnete ("Constitutiones de Missionibus, Declarationes circa Missiones", cap. I, in: Monumenta Historica Societatis Iesu, Monumenta Ignatiana, Series III, Tomus primus, Rom 1934, 162).

Möge dieser kirchliche Charakter, der so bezeichnend ist für die Gesellschaft Jesu, auch weiterhin in euch und in eurer apostolischen Arbeit präsent bleiben, liebe Jesuiten, damit ihr treu den dringenden gegenwärtigen Bedürfnissen der Kirche entgegenkommen könnt. Ich glaube, dass es wichtig ist, unter diesen besonders die kulturelle Arbeit auf den Gebieten der Theologie und der Philosophie hervorzuheben, die traditionelle Bereiche apostolischer Präsenz der Gesellschaft Jesu sind, sowie den Dialog mit der modernen Kultur, die zwar einerseits wunderbare Fortschritte auf wissenschaftlichem Gebiet vorzuweisen hat, andererseits jedoch stark von einer positivistischen und materialistischen Wissenschaftsgläubigkeit gekennzeichnet bleibt.

Zweifellos erfordert das Bemühen, in freundschaftlicher Zusammenarbeit mit den anderen Bereichen der Kirche eine Kultur zu fördern, die sich an den Werten des Evangeliums orientiert, eine gründliche geistliche und kulturelle Bildung. Eben deshalb wollte der heilige Ignatius, dass die jungen Jesuiten eine langjährige Ausbildung im geistlichen Leben und im Studium erhalten. Es ist gut, dass diese Tradition gerade angesichts der wachsenden Vielschichtigkeit und der immer größeren Bandbreite der modernen Kultur beibehalten und verstärkt wird. Eine weitere große Sorge war für ihn die christliche Erziehung und die kulturelle Ausbildung der Jugend: Von ihr rührt der Anstoß, den er der Errichtung von "Kollegien" gab, die nach seinem Tod in Europa und in der ganzen Welt Verbreitung fanden. Liebe Jesuiten, führt dieses wichtige Apostolat fort und bewahrt unverändert den Geist eures Ordensgründers!

Wenn ich vom heiligen Ignatius spreche, kann ich den heiligen Franz Xaver nicht unerwähnt lassen, dessen 500. Geburtstag am 7. April gefeiert wurde: Nicht nur waren ihre Lebensläufe in Paris und Rom über lange Jahre hinweg miteinander verflochten, sondern ihr Leben war, wenn es auch für beide sehr unterschiedlich verlief, von einem einzigen – man könnte sagen, leidenschaftlichen – Wunsch beseelt und getragen: vom leidenschaftlichen Wunsch, dem dreieinigen Gott immer größere Ehre zu geben und für die Verkündigung des Evangeliums Christi unter den Völkern, die nichts von ihm wussten, zu arbeiten. Der heiligen Franz Xaver, den mein Vorgänger seligen Angedenkens Pius XI. zum »Patron der katholischen Missionen« erklärt hat, spürte, dass er gesandt war, dem Evangelium "auf dem riesigen asiatischen Kontinent neue Wege zu eröffnen". Sein Apostolat im Fernen Osten dauerte nur knappe zehn Jahre; es hat sich aber in den viereinhalb Jahrhunderten, seit denen die Gesellschaft Jesu besteht, auf wunderbare Weise als fruchtbar erwiesen, da sein Beispiel unter den jungen Jesuiten sehr viele Berufungen für die Mission hervorgerufen hat und bis heute dazu aufruft, die Missionstätigkeit in den großen Ländern des asiatischen Kontinents weiterzuführen.

Wenn der heilige Franz Xaver in den Ländern des Ostens arbeitete, so wirkte sein Mitbruder, mit dem er seit der gemeinsamen Zeit in Paris befreundet war, der selige Petrus Faber aus Savoyen, geboren am 13. April 1506, in den europäischen Ländern, wo die gläubigen Christen eine echte Reform der Kirche anstrebten. Der selige Petrus Faber, ein bescheidener, einfühlsamer Mann mit einem tiefen Innenleben, besaß die Gabe, freundschaftliche Beziehungen zu Menschen jeder Art zu knüpfen, wodurch er viele junge Männer für die Gesellschaft Jesu gewann. Er verbrachte sein kurzes Leben in verschiedenen europäischen Ländern, besonders in Deutschland, wo er im Auftrag Pauls III. auf den Reichstagen von Worms, Regensburg und Speyer an den Gesprächen mit den führenden Köpfen der Reformation teilnahm. So hatte er Gelegenheit, das Gelübde des besonderen Gehorsams gegenüber dem Papst "in Bezug auf die Sendungen" in ganz außergewöhnlicher Weise zu erfüllen, und wurde so für alle künftigen Jesuiten zu einem Vorbild, dem sie folgen sollten.

Liebe Patres und Brüder der Gesellschaft Jesu, am heutigen Tag blickt ihr mit besonderer Verehrung auf die allerseligste Jungfrau Maria, in Erinnerung daran, dass am 22. April 1541 Ignatius und seine ersten Gefährten vor dem Marienbild in der Basilika St. Paul vor den Mauern die feierlichen Gelübde ablegten. Möge Maria weiterhin über die Gesellschaft Jesu wachen, damit jedes ihrer Mitglieder das "Bild" des gekreuzigten Christus in sich trage, um an seiner Auferstehung teilzuhaben. Ich versichere euch dafür meines Gebetsgedenkens, während ich allen heute hier Anwesenden und eurer ganzen geistlichen Familie gern meinen Segen erteile, den ich auf alle anderen Ordensleute und geweihten Personen, die an dieser Audienz teilgenommen haben, ausweite.

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