Ansprache Benedikts XVI. beim Neujahrsempfang für das Diplomatische Corps

„Die Diplomatie ist in gewisser Weise die Kunst der Hoffnung“

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12. Januar 2007 (Die-Tagespost.de/ ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am Montag beim traditionellen Neujahrsempfang für die beim Heiligen Stuhl akkreditierten Vatikan-Botschafter gehalten hat.



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Exzellenzen, meine Damen und Herren!

1. Herzlich möchte ich Ihren Doyen, Botschafter Giovanni Galassi, begrüßen und ihm für die liebenswürdigen Worte danken, die er im Namen des akkreditierten Diplomatischen Korps an mich gerichtet hat. Jedem von Ihnen, besonders denjenigen, die zum ersten Mal an diesem Zusammentreffen teilnehmen, entbiete ich meinen ehrerbietigen Gruß. Durch Sie bringe ich den Völkern und den Regierungen, die würdig und kundig von Ihnen vertreten werden, meine tief empfundenen Wünsche zum Ausdruck. Ein Trauerfall hat vor einigen Wochen Ihre Gemeinschaft erschüttert: der Botschafter von Frankreich, Herr Bernard Kessedjian, hat seine irdische Pilgerfahrt beendet; möge der Herr ihn in Seinen Frieden aufnehmen! Besonders denke ich heute auch an die Nationen, die noch keine diplomatischen Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl unterhalten: auch sie haben im Herzen des Papstes einen Platz. Die Kirche ist zutiefst davon überzeugt – wie ich es auch in der Botschaft zur Feier des diesjährigen Weltfriedenstages habe betonen wollen –, dass die Menschheit eine Familie ist.

2. In diesem familiären Sinn sind diplomatische Beziehungen zu den Vereinten Arabischen Emiraten aufgenommen worden sowie die Besuche in Länder, die mir sehr am Herzen liegen, verlaufen. Der warmherzige Empfang der Brasilianer klingt noch in meinem Herzen nach! In diesem Land durfte ich den Vertretern der großen Familie der Kirche in Lateinamerika und der Karibik begegnen, die zur Fünften Generalversammlung der CELAM in Aparecida zusammengekommen waren. Im wirtschaftlichen und sozialen Bereich konnte ich sowohl deutliche Zeichen der Hoffnung als auch Grund zur Sorge für diesen Kontinent erkennen. Wie sollte man sich nicht eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Völkern Lateinamerikas wünschen sowie in jedem der Länder, aus denen der Kontinent sich zusammensetzt, den Rückgang der inneren Spannungen, damit sie sich gemeinsam auf die großen, vom Evangelium inspirierten Werte konzentrieren können? Ich möchte Kuba erwähnen, das sich darauf vorbereitet, den zehnten Jahrestag des Besuchs meines verehrten Vorgängers zu feiern. Papst Johannes Paul II. ist von den offiziellen Vertretern und von der Bevölkerung freundlich empfangen worden, und er hat alle Kubaner zur Zusammenarbeit für eine bessere Zukunft ermutigt. Es sei mir erlaubt, diese Botschaft der Hoffnung aufzunehmen, die nichts von ihrer Aktualität verloren hat.

3. Meine Gedanken und mein Gebet waren vor allem auf jene Bevölkerungen gerichtet, die von schrecklichen Naturkatastrophen heimgesucht worden sind. Ich denke an die schweren Stürme und Überschwemmungen, die einige Gebiete in Mexiko und Mittelamerika sowie in Ländern Afrikas und Asiens – vor allem Bangladesch – und einen Teil Ozeaniens verwüstet haben; auch die großen Brandkatastrophen sind hier zu erwähnen. Der Kardinalstaatssekretär, der Ende August nach Peru gefahren ist, hat mir ein direktes Zeugnis über die Zerstörungen und die Verzweiflung, die durch das schreckliche Erdbeben verursacht worden sind, gebracht, aber auch über den Mut und den Glauben der betroffenen Bevölkerung. Angesichts von solch tragischen Ereignissen ist ein gemeinsames und starkes Bemühen erforderlich. Wie ich in der Enzyklika über die Hoffnung geschrieben habe: „Das Maß der Humanität bestimmt sich ganz wesentlich im Verhältnis zum Leid und zum Leidenden. Das gilt für den Einzelnen wie für die Gesellschaft“ (Spe salvi, Nr. 38).

Israel und Palästina brauchen Unterstützung

4. Die internationale Gemeinschaft ist weiterhin zutiefst über die Situation im Nahen Osten besorgt. Ich freue mich, dass die Konferenz in Annapolis Zeichen dahingehend gegeben hat, sich nicht weiterhin mit Teillösungen oder unilateralen Lösungen behelfen zu wollen, sondern diesen Weg zugunsten eines globalen Ansatzes zu verlassen, der die Rechte und Interessen der Bevölkerungen in dieser Region respektiert. Ich möchte Israelis und Palästinenser nochmals dazu aufrufen, mit vereinten Kräften für die Durchsetzung der bei diesem Anlass gemachten Zusagen zu sorgen und den glücklich in die Wege geleiteten Prozess nicht zu behindern. Außerdem fordere ich die internationale Gemeinschaft dazu auf, diese beiden Völker mit Überzeugung und Verständnis für ihre jeweiligen Leiden und Ängste zu unterstützen. Wie sollte man sich dem Libanon nicht verbunden fühlen angesichts des Unglücks und der Gewalt, von denen dieses geliebte Land weiterhin heimgesucht wird? Ich wünsche mir, dass die Libanesen frei über ihre Zukunft entscheiden können mögen und bitte den Herrn, sie zu erleuchten – angefangen bei den Verantwortlichen des öffentlichen Lebens –, damit sie Teilinteressen zurückstellen und bereit sind, sich für den Weg des Dialogs und der Versöhnung einzusetzen. Nur so wird das Land Fortschritte in der Stabilität erreichen und wieder ein Vorbild für das Zusammenleben verschiedener Gemeinschaften sein können. Auch im Irak bedarf es dringend der Versöhnung! Die terroristischen Anschläge, die Bedrohungen und die Gewalt, besonders gegen die christliche Gemeinschaft, halten an, und die Nachrichten, die wir gestern erhalten haben, geben weiteren Anlass zur Besorgnis; offensichtlich müssen die Schwierigkeiten gewisser politischer Fragen noch gelöst werden. In diesem Rahmen wird eine entsprechende Verfassungsreform für die Bewahrung der Rechte der Minderheiten sorgen müssen. Für die vom Krieg betroffene Bevölkerung sind bedeutende humanitäre Hilfen erforderlich; ich denke vor allem an die Vertriebenen innerhalb des Landes sowie an die Flüchtlinge im Ausland, unter denen sich zahlreiche Christen befinden. Ich fordere die internationale Gemeinschaft dazu auf, sich ihnen sowie den Ländern gegenüber, in denen sie Zuflucht finden und deren Aufnahmekapazitäten einer harten Probe unterzogen werden, großzügig zu zeigen. Ich möchte außerdem dazu ermutigen, dass zur Lösung der Frage des iranischen Atomprogramms der Weg der Diplomatie anhaltend weiter verfolgt und dass guten Glaubens verhandelt wird sowie dass Maßnahmen verabschiedet werden, die dazu bestimmt sind, mehr Transparenz und größeres gegenseitiges Vertrauen zu schaffen und stets die wirklichen Bedürfnisse der Völker und das Allgemeinwohl der Menschheitsfamilie zu berücksichtigen.

5. Mit einem umfassenderen Blick auf den gesamten asiatischen Kontinent möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf einige andere Krisensituationen lenken. Zunächst auf Pakistan, das während der vergangenen Monate von schwerer Gewalt heimgesucht worden ist. Ich möchte, dass sich alle politischen und sozialen Kräfte für den Aufbau einer friedlichen Gesellschaft einsetzen, in der die Rechte aller respektiert werden. In Afghanistan kommen zur Gewalt weitere schwere gesellschaftliche Probleme wie der Drogenanbau hinzu; es ist notwendig, mehr Unterstützung für die Entwicklungsbemühungen anzubieten und sich noch intensiver für den Aufbau einer ruhigen Zukunft einzusetzen. In Sri Lanka können entscheidende Bemühungen, die unermesslichen Leiden, die durch den derzeitigen Konflikt verursacht werden, zu lindern, nicht mehr auf später verschoben werden. Und ich bitte den Herrn, dass in Myanmar mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft eine Zeit des Dialogs zwischen Regierung und Opposition beginnt, bei dem die Respektierung aller Menschenrechte und fundamentaler Freiheiten wirklich gewährleistet wird.

6. Wenn ich mich nun Afrika zuwende, möchte ich an erster Stelle nochmals meinen tiefen Schmerz über die Feststellung zum Ausdruck bringen, dass die anhaltende düstere Folge von Hunger und Sterben in Darfour die Hoffnung nahezu besiegt zu haben scheint. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass die gemeinsame Aktion der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union, deren Mission gerade begonnen hat, der schwer getroffenen Bevölkerung Hilfe und Entlastung bringt. Der Friedensprozess in der Demokratischen Republik Kongo stößt bei den großen Seen, vor allem in den östlichen Gebieten, auf starken Widerstand, und Somalia, besonders Mogadischu, wird weiterhin von Gewalt und Armut heimgesucht. Ich rufe die Konfliktparteien dazu auf, die Kampfhandlungen einzustellen, den Transport der humanitären Hilfe zu erleichtern und die Zivilbevölkerung zu respektieren. Kenia hat in den vergangenen Tagen einen plötzlichen Gewaltausbruch erlebt. Ich möchte mich dem Aufruf der Bischöfe vom 2. Januar anschließen und alle Einwohner sowie vor allem die politisch Verantwortlichen dazu auffordern, mittels Dialog nach einer friedlichen Lösung zu suchen, die auf Gerechtigkeit und Brüderlichkeit gründet. Die katholische Kirche steht den Schmerzensrufen dieser Region nicht gleichgültig gegenüber. Sie macht sich die Bitte der Flüchtlinge und Vertriebenen um Hilfe zu eigen, und sie setzt sich für die Förderung von Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden ein. Äthiopien feiert dieses Jahr den Eintritt in das dritte christliche Jahrtausend, und ich bin sicher, dass die aus diesem Anlass durchgeführten Feiern auch dazu beitragen werden, die enorme soziale und apostolische Arbeit in Erinnerung zu rufen, welche die Christen in Afrika geleistet haben.

Freude über Fortschritte in den Balkanländern

7. Zum Schluss möchte ich über Europa sprechen, wo ich mich über die Fortschritte freue, die in den verschiedenen Ländern der Balkanregion erreicht worden sind. Ich bringe nochmals den Wunsch zum Ausdruck, dass der endgültige Status des Kosovo die legitimen Forderungen der sich gegenüberstehenden Parteien berücksichtigt sowie allen, die dieses Land bewohnen, Sicherheit und die Achtung ihrer Rechte gewährleistet, damit das Schreckgespenst der gewaltsamen Auseinandersetzungen endgültig verschwindet und die Stabilität in Europa gestärkt wird. Ich möchte auch Zypern erwähnen und erinnere mich voller Freude an den Besuch Seiner Seligkeit, des Erzbischofs Chrysostomos II., im vergangenen Juni.

Ich bringe den Wunsch zum Ausdruck, dass man – im Kontext der europäischen Union – keine Mühe scheuen möge, eine Lösung für eine Krise zu finden, die schon allzu lange andauert. Im vergangenen September habe ich einen Besuch nach Österreich unternommen, der auch den wesentlichen Beitrag herausstellen wollte, den die katholische Kirche zur Vereinigung Europas leisten kann und will. Was Europa anbelangt möchte ich Ihnen versichern, dass ich aufmerksam die Phase verfolge, die mit der Unterzeichnung des „Vertrags von Lissabon“ begonnen hat. In dieser Zeit wird der Prozess zum Aufbau des „Hauses Europa“ wieder belebt, das „nur dann ein für alle gut bewohnbarer Ort (wird), wenn es auf einem soliden kulturellen und moralischen Fundament von gemeinsamen Werten aufbaut, die wir aus unserer Geschichte und unseren Traditionen gewinnen“ (Begegnung mit führenden Vertretern des politischen und öffentlichen Lebens sowie dem Diplomatischen Korps, Wien, 7. September 2007) und wenn es seine christlichen Wurzeln nicht verleugnet.

8. Aus diesem kurzen Überblick geht klar hervor, dass die Sicherheit und die Stabilität der Welt weiterhin gefährdet sind. Es gibt verschiedene Faktoren, die Anlass zur Besorgnis geben; sie alle aber bestätigen, dass die menschliche Freiheit nicht absolut ist, sondern dass es sich um ein geteiltes Gut handelt, für das alle Verantwortung tragen. Ordnung und Recht sind folglich Elemente, welche die Freiheit garantieren. Doch das Recht kann nur dann eine wirkungsvolle Kraft des Friedens sein, wenn seine Grundlagen fest im vom Schöpfer gegebenen Naturrecht verankert bleiben. Auch aus diesem Grund darf man Gott niemals aus dem Gesichtskreis des Menschen und der Geschichte ausschließen. Der Name Gottes ist ein Name der Gerechtigkeit; er stellt einen drängenden Aufruf zum Frieden dar.

9. Dieses Bewusstsein könnte unter anderem dabei helfen, den interkulturellen und interreligiösen Dialoginitiativen eine Orientierung zu geben. Solche Initiativen werden immer zahlreicher und können die Zusammenarbeit bei Themen anregen, die im gemeinsamen Interesse liegen, wie etwa die Würde der menschlichen Person, die Suche nach dem Allgemeinwohl, der Aufbau des Friedens oder die Entwicklung. In dieser Hinsicht wollte der Heilige Stuhl seine Teilnahme an dem auf hohem Niveau geführten Dialog über das Verständnis zwischen Religionen und Kulturen und die Zusammenarbeit für den Frieden im Rahmen der zweiundsechzigsten Generalversammlung der Vereinten Nationen (4. bis 5. Oktober 2007) besonders herausstellen. Damit dieser Dialog wahrhaftig sein kann, muss er sowohl klar sein und Relativismus sowie Synkretismus vermeiden, als auch von aufrichtiger Achtung für den anderen und einem Geist der Versöhnung und der Brüderlichkeit geprägt sein. Die katholische Kirche ist hier sehr engagiert, und ich möchte gerne nochmals an den Brief erinnern, den am 13. Oktober des vergangenen Jahres 138 muslimische Religionsführer an mich gerichtet haben, und erneut meine Dankbarkeit für die erhabenen Gefühle bekunden, die darin zum Ausdruck gebracht werden.

10. Unsere Gesellschaft hat zu Recht die Größe und die Würde der menschlichen Person in verschiedene Rechtserklärungen eingefügt, die ausgehend von der universalen Erklärung der Menschenrechte, welche vor gerade sechzig Jahren verabschiedet wurde, formuliert worden sind. Dieser feierliche Akt war nach einer Aussage von Papst Paul VI. einer der größten Ruhmestitel der Vereinten Nationen. Die katholische Kirche setzt sich in allen Kontinenten dafür ein, dass die Menschenrechte nicht nur proklamiert, sondern angewendet werden. Es bleibt zu wünschen, dass die Organisationen, die zum Schutz und zur Förderung der Menschenrechte geschaffen wurden, all ihre Kraft auf diese Aufgabe verwenden und vor allem, dass der Menschenrechtsrat die Erwartungen zu erfüllen weiß, die durch seine Schaffung hervorgerufen worden sind.

11. Der Heilige Stuhl seinerseits wird nicht müde, immer wieder auf die Prinzipien und Rechte hinzuweisen, die auf dem Beständigen und Wesentlichen, das der menschlichen Person innewohnt, basieren. Diesen Dienst möchte die Kirche für die wahre Würde des nach dem Bilde Gottes geschaffenen Menschen leisten. Gerade von diesen Betrachtungen ausgehend, muss ich nochmals mein Bedauern über die beständigen Angriffe gegen das menschliche Leben aussprechen, die auf allen Kontinenten begangen werden. Gemeinsam mit zahlreichen Forschern und Wissenschaftlern möchte ich daran erinnern, dass die neuen Grenzen der Bioethik keine Entscheidung zwischen Wissenschaft und Moral aufdrängen, sondern dass sie vielmehr eine moralische Nutzung der Wissenschaft erforderlich machen. Andererseits freue ich mich – wobei ich an den Aufruf von Papst Johannes Paul II. aus Anlass des großen Jubiläums im Jahr 2000 erinnern möchte –, dass die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 18. Dezember des vergangenen Jahres eine Resolution verabschiedet hat, welche die Staaten dazu aufruft, ein Moratorium über die Anwendung der Todesstrafe einzuführen, und ich wünsche mir, dass diese Initiative die öffentliche Debatte über den heiligmäßigen Charakter des menschlichen Lebens anregt. Ich wiederhole nochmals mein Bedauern über die besorgniserregenden Bedrohung der Integrität der Familie, die auf der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau gründet. Die politisch Verantwortlichen – gleich welcher Couleur – sollten diese fundamentale Institution, diese Kernzelle der Gesellschaft schützen. Was bleibt noch zu sagen? Selbst die Religionsfreiheit, „unveräußerlicher Anspruch der Würde jedes Menschen und Eckstein im Gebäude der Menschenrechte“ (Botschaft zur Feier des Weltfriedenstages 1988, Präambel), ist häufig gefährdet. Tatsächlich gibt es zahlreiche Orte, an denen sie nicht vollständig wahrgenommen werden kann. Der Heilige Stuhl verteidigt sie und fordert, dass sie allen Menschen gegenüber respektiert wird. Er ist besorgt über die Diskriminierung von Christen und Gläubigen anderer Religionen.

Entwicklungsländern durch Sozialpolitik helfen

12. Der Frieden darf nicht einfach nur ein Wort oder ein illusorischer Wunsch sein. Frieden bedeutet Engagement und eine Lebensweise, die es erfordern, die legitimen Erwartungen aller – wie etwa den Zugang zu Nahrung, Wasser und Energie, Medizin und Technologie – zu befriedigen oder auch die klimatischen Veränderungen zu kontrollieren. Nur so kann die Zukunft der Menschheit gebaut werden; nur so kann eine umfassende Entwicklung für heute und morgen gefördert werden. Mit einem besonders treffenden Ausdruck hat Papst Paul VI. vor vierzig Jahren in der Enzyklika „Populorum Progressio“ betont, dass „Entwicklung der neue Name für Frieden“ ist. Um den Frieden zu konsolidieren ist es daher notwendig, dass die positiven makroökonomischen Resultate, die zahlreiche Entwicklungsländer im Laufe des Jahres 2007 erzielt haben, durch eine wirkungsvolle Sozialpolitik und die Durchführung von Hilfsmaßnahmen seitens der reichen Länder unterstützt werden.

13. Schließlich möchte ich die internationale Gemeinschaft zu einem globalen Einsatz zugunsten der Sicherheit ermahnen. Ein gemeinsames Bemühen seitens der Staaten, alle unterzeichneten Verpflichtungen einzuhalten und zu verhindern, dass Terroristen Zugang zu Massenvernichtungswaffen erhalten, würde ohne Zweifel die Regelung zur Nichtverbreitung von Atomwaffen stärken und ihr mehr Wirkungskraft verleihen. Ich begrüße die Übereinkunft, die zum Verzicht auf das Atomwaffenprogramm in Nordkorea getroffen worden ist und ermutige zur Anwendung von Maßnahmen, die zum Abbau konventioneller Bewaffnung geeignet sind, sowie dazu, das humanitäre Problem anzugehen, das durch Submunitionswaffen entsteht.

Meine Damen und Herren Botschafter,

14. Die Diplomatie ist in gewisser Weise die Kunst der Hoffnung. Sie lebt von der Hoffnung und versucht, selbst die geringsten Zeichen der Hoffnung zu erkennen. Die Diplomatie muss Hoffnung vermitteln. Das Weihnachtsfest erinnert uns jedes Jahr daran, dass, als Gott zu einem kleinen Kind geworden ist, die Hoffnung in der Welt, im Herzen der Menschheitsfamilie, gewohnt hat. Diese Gewissheit wird heute Gebet: dass Gott die Herzen derjenigen, welche die Familie der Völker regieren, für die Hoffnung öffnen möge, die niemals enttäuscht! Beseelt von diesen Gefühlen möchte ich jedem von Ihnen meine besten Wünsche aussprechen, damit Sie selbst, Ihre Mitarbeiter und die Völker, die sie repräsentieren, von der Gnade und dem Frieden erleuchtet werden, die durch das Kind von Bethlehem zu uns kommen.

[Übersetzung aus dem Französischen von Claudia Reimüller; Die Tagespost vom 10. Januar 2008]