Ansprache des Heiligen Vaters vor den Botschaftern: Die Verpflichtung zur Wahrheit ist die Voraussetzung für den Frieden in der Welt

Armutsbekämpfung bleibt Gebot der Stunde

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ROM, 9. Januar 2006 (ZENIT.org).- Bei seiner Begegnung mit den offiziellen Vertretern jener 174 Staaten, die volle diplomatische Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl unterhalten, sowie den Repräsentanten der EU, des Souveränen Malteser-Ritterordens, der russischen Föderation und der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO wiederholte Benedikt XVI. heute, Montag, neuerlich eine der Kernaussagen seiner Botschaft zum Weltfriedenstag, der am 1. Januar 2006 begangen wurde: dass die Wahrheit die grundlegende Vorraussetzung für den Frieden in der Welt sei.



Beklagenswerterweise werde der Friede \"in vielen Regionen der Welt verhindert, verletzt oder bedroht\", stellte der Bischof von Rom erschüttert fest. \"Was ist der Weg zum Frieden?\" Diese Frage beantwortete Benedikt XVI. mit einem Satz aus seiner ersten Botschaft zum Weltfriedenstag, wo er seine Überzeugung zum Ausdruck bringt, \"dass der Mensch, wo und wann immer er sich vom Glanz der Wahrheit erleuchten lässt, fast selbstverständlich den Weg des Friedens einschlägt\".

Diesbezüglich formulierte der Bischof von Rom vier Schlüsselsätze:

1.) \"Die Verpflichtung zur Wahrheit ist die Seele der Gerechtigkeit.\"

Wer sich der Wahrheit verpflichte, \"muss das Recht des Stärkeren ablehnen, das in der Lüge gründet und auf nationaler wie auf internationaler Ebene so oft in der Menschheitsgeschichte Tragödien heraufbeschworen hat\". Diese Lüge gebe sich oft \"den Anschein der Wahrheit\" und könne der Nährboden für \"die Gefahr eines Aufeinanderpralls der Kultur\" werden, die aufgrund des organisierten Terrorismus, \"der sich schon weltweit ausgebreitet hat\", immer bedrohlichere Züge annehme.

2.) \"Die Verpflichtung zur Wahrheit ist das Fundament für das Recht auf Freiheit und verleiht diesem Recht Durchsetzungskraft.\"

Dieser zweite Schlüsselsatz basiere auf der Tatsache, dass der Mensch für die Wahrheit offen sei: \"Der Mensch kann die Wahrheit erkennen. Und der Mensch will sie kennen. Aber zur Wahrheit kann man gelangen, wenn man frei ist.\"

In diesem Zusammenhang übte Benedikt XVI. scharfe Kritik an all jenen Staaten, die die Freiheit ihrer Bürger einschränken. \"Vor allem die Rechte der Minderheiten\" würden in manchen Teilen der Welt mit Füßen getreten. Diese bedauerliche Tatsache veranlasste den Heiligen Vater, den politischen Verantwortlichen zuzurufen: \"Fürchtet ihr die Wahrheit nicht, dann braucht ihr euch auch nicht vor der Freiheit zu fürchten!\"

3.) \"Die Verpflichtung zur Wahrheit ebnet den Weg zur Vergebung und Aussöhnung.\"

Die \"Bitte um Vergebung\" sowie die \"Gabe des Verzeihens\" bezeichnete der Heilige Vater als vollkommen \"unerlässliche Elemente\", um den Frieden herbeizuführen. Die Aussöhnung sei nämlich der Weg, um einen Großteil der heutigen Konflikte zu schlichten: im Libanon, im Mittleren Osten, vor allem im Irak, sowie in Afrika, und dort ganz besonders in der südsudanesischen Region Darfur. \"Dass vergossene Blut verlangt nicht nach Rache. Vielmehr ruft es dazu auf, das Leben und den Frieden zu achten.\"

4.) \"Die Verpflichtung zum Frieden macht den Weg für neue Hoffnungen.\"

Im Bewusstsein, dass der Mensch tatsächlich imstande sei, die Wahrheit zu erkennen, rief der Heilige Vater abschließend alle Menschen dazu auf, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken und darauf zu vertrauen, dass es möglich sei, den großen Problemen der Menschheit in angemessener Weise zu begegnen. Allerdings \"darf man dort nicht von Frieden sprechen, wo der Mensch nicht einmal das Nötigste hat, um würdevoll leben zu können\", kritisierte er und bezog sich dabei auf \"die ungeheure Anzahl von Völkern, die hungern müssen\".

Zusammenfassend stellte Papst Benedikt XVI. vor den beim Heiligen Stuihl akkreditierten Botschaftern fest: \"Unsere gemeinsame Verpflichtung zur Wahrheit kann und muss den Völkern neue Hoffnung geben, die in Armut leben müssen. Das tun sie nämlich aufgrund von Situationen, die viel eher von politischen, wirtschaftlichen und kulturellen internationalen Beziehungen verursacht worden sind als von unkontrollierbaren Umständen.\"