Ansprache des Osnabrücker Bischofs, Dr. Franz-Josef Bode, bei der 12. Generalkongregation der Bischofssynode im Vatikan

Pastoraleinheiten zu Biotopen des Glaubens machen

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VATIKANSTADT, 16. Oktober 2012 (ZENIT.org). - Über die Herausforderungen der neuen Pastoraleinheiten und die Unterschiedlichkeit in der Pastoral sprach der Osnabrücker Bischof Dr. Franz-Josef Bode, Osnabrück (Deutschland), zu Nr. 80 des Instrumentum laboris bei der heutigen 12. Generalkongregation der Bischofssynode im Vatikan.

[Wir veröffentlichen die Ansprache in der offiziellen Version:]

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Das „Instrumentum laboris“ spricht in Nr. 80 ff. von der Umwandlung der Pfarrei und
über die neue Evangelisierung. In Deutschland sind wir bei der deutlich zurückgehenden
Zahl der Priester darauf angewiesen, größere Pastoraleinheiten zu bilden.

Nach einer strukturellen Einteilung dieser pastoralen Landkarte, die fast überall geschehen
ist, geht es jetzt dringend darum, über die Weite in der Fläche die Nähe zu
den Menschen und die Tiefe des Glaubens nicht zu verlieren und dem Geist Gottes
in diesen Einheiten wirklich neuen Raum zu geben. Solche Pastoraleinheiten unter
der Leitung eines Pfarrers mit einer Gruppe von hauptberuflichen und ehrenamtlichen
(freiwilligen pastoralen und sozialen) Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind wie
Netzwerke mit verschiedenen Knotenpunkten. So behält Kirche ein Gesicht vor Ort
und verliert nicht strukturbedingt an persönlicher Tiefe des Glaubens.

Deshalb bemühen wir uns in Deutschland, die Pastoral an vielen Orten unterschiedlich
zu gestalten. Die territoriale, parochiale Struktur bleibt bedeutsam, weil zunächst
alle, die dort wohnen, dazu gehören. Hinzu kommen die kategorialen Dienste (etwa
in Krankenhäusern, Gefängnissen, Schulen, im Jugendbereich und der Notfallseelsorge).
Auch lokale Formen sind wichtig (Klöster, Geistliche Zentren, Bildungseinrichtungen).

Nicht wenige Menschen finden sich temporal ein, etwa zu Glaubenskursen,
Gebetsschulen und Exerzitien im Alltag. Es wird immer mehr darauf ankommen, personale
Beziehungen in Gruppen, Verbänden, Bibelkreisen, kleinen christlichen Gemeinschaften
zu bilden – ,Biotope des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe' –, damit
sich die Einzelnen in ihrem Taufglauben gegenseitig stärken können. Viele finden
Kontakt über die sich rasant ausbreitenden sozialen Kommunikationsmittel, also einen
medialen Kontakt, was für die Glaubenskommunikation immer bedeutender wird.

Auch die Großereignisse (Events wie der Weltjugendtag, Kirchentage, kontinentale und nationale Treffen) sollten nicht unterschätzt werden in ihrer Bedeutung für die
Vergewisserung im Glauben; hier ist die globale Ebene angesprochen. Die diakonale
Seite der Verkündigung spielt ebenfalls eine große Rolle, da das gelebte Zeugnis in
der Zuwendung zum Menschen heute besonders gut verstanden wird. Ebenso sind
Kultur, Ästhetik, Musik und Literatur wichtig in einer vitalen Pastoral der neuen Evangelisierung.

Wir halten uns bei all dem eng an die Dimensionen der Evangelisierung, die Papst
Paul VI. in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii nuntiandi“ aufgezeigt hat:
LEBEN / WORT / HERZ / GEMEINSCHAFT / ZEICHEN / AUFBRUCH.

Die größeren pastoralen Räume bieten für diese vielgestaltige Pastoral mehr Möglichkeiten,
als kleine Gemeinden sie bieten können. Dabei ist die Entdeckung, Befähigung
und Begleitung der Getauften und Gefirmten eine herausragende Aufgabe,
um sie vor Ort zeugnisfähig zu machen und bereit, Rechenschaft zu geben über die
Hoffnung, die sie erfüllt (vgl. 1 Petr 3,15). Deshalb kräftigen wir in Deutschland besonders
die Erwachsenenkatechese, die Qualifizierung der freiwilligen ehrenamtlichen
Katechetinnen und Katecheten und das Zusammenspiel aller Dienste von Getauften,
Gefirmten, Beauftragten, Gesendeten und Geweihten, um so die Vollgestalt
Christi in der Welt darzustellen (vgl. Eph 4,13). Dazu wäre es wünschenswert, die
Möglichkeiten zur kirchlichen Beauftragung von Verantwortlichen in Liturgie, Katechese
und Diakonie für Männer und Frauen zu erweitern. So bleiben wir Kirche im
Volk, Kirche unter den Menschen und in den Häusern und Familien.

Bei allen Rückgängen der Zahlen und Abbrüchen in den Glaubensvollzügen wachsen
hier doch Keimzellen neuen Lebens für eine neue Art, missionarische Kirche zu sein.