Ansprache des Papstes beim Treffen mit Vertretern der katholischen Universitäten

„Den Wunsch nach dem Glaubensakt wecken“

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WASHINGTON/WÜRZBURG, 19. April 2008 (Die-Tagespost.de/ ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die der Heilige Vater am 17. April bei seiner Begegnung mit Vertretern der katholischen Universitäten im Konferenzsaal der Catholic University of America in Washington gehalten hat.

 

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Eminenzen,

liebe Mitbrüder im Bischofsamt,

sehr geehrte Professoren, Lehrer und Erzieher,

„Wie sind die Freudenboten willkommen, die Gutes verkündigen!“ (Röm 10, 15–17). Mit diesen Worten des Propheten Jesaja, die der heilige Paulus zitiert, grüße ich sehr herzlich jeden von euch – die Träger der Weisheit – und durch euch die Mitarbeiter, Schüler, Studenten und Familien der vielen verschiedenen Bildungseinrichtungen, die ihr vertretet. Ich freue mich sehr, euch zu begegnen und euch einige Gedanken zu vermitteln, die das Wesen und die Identität der katholischen Erziehung in der heutigen Zeit betreffen. Ich möchte besonders Pater David OConnell, dem Präsidenten und Rektor der Katholischen Universität von Amerika, danken. Bitte gebt meinen herzlichen Dank an die ganze Gemeinschaft weiter, an den Lehrkörper, das Personal und die Studenten.

Erziehung und Bildung gehören wesentlich zur Sendung der Kirche, die gute Nachricht zu verkündigen. In erster Linie ist jede katholische Bildungseinrichtung ein Ort der Begegnung mit dem lebendigen Gott, der in Jesus Christus seine umwandelnde Liebe und Wahrheit zeigt (vgl. Spe salvi, 4). Diese Beziehung weckt den Wunsch, in der Erkenntnis und im Verstehen Christi und seiner Lehre zu wachsen. Auf diese Weise werden jene, die ihm begegnen, durch die Kraft des Evangeliums dazu gebracht, ein neues Leben zu führen, das gekennzeichnet ist von allem, was schön, gut und wahr ist, ein Leben des christlichen Zeugnisses, genährt und gestärkt in der Gemeinschaft der Jünger des Herrn, der Kirche.

Die objektive Wahrheit verweist auf das Absolute

Die Dynamik zwischen der persönlichen Begegnung, dem Wissen und dem christlichen Zeugnis gehört wesentlich zur Diakonie der Liebe, die die Kirche inmitten der Menschheit erfüllt. Gottes Offenbarung bietet jeder Generation die Gelegenheit, die endgültige Wahrheit über ihr eigenes Leben und das Ziel der Geschichte zu entdecken. Diese Aufgabe ist niemals einfach; sie bezieht die gesamte christliche Gemeinschaft ein und veranlasst jede Generation christlicher Lehrer und Erzieher sicherzustellen, dass die Kraft der Wahrheit Gottes in alle Dimensionen der Institute eindringt, denen sie dienen. Auf diese Weise beginnt die gute Nachricht Christi zu wirken und führt sowohl den Lehrer als auch den Studenten zur objektiven Wahrheit, die das Besondere und das Subjektive übersteigt und so auf das Allgemeine und das Absolute verweist, das uns befähigt, mit Zuversicht die Hoffnung zu verkünden, die nicht zugrunde gehen lässt (vgl. Röm 5, 5). Wenn sie persönlichen Kämpfen, sittlicher Verwirrung und der Zersplitterung des Wissens entgegengestellt werden, werden die edlen Ziele des Lernens und der Erziehung, die auf der Einheit der Wahrheit gründen und im Dienst der Person und der Gemeinschaft stehen, zu einem besonders kraftvollen Werkzeug der Hoffnung.

Liebe Freunde, in der Geschichte dieser Nation gibt es viele Beispiele für ein solches Bemühen der Kirche. Die hiesige katholische Gemeinschaft hat nämlich die Erziehung und Bildung zu einer ihrer höchsten Prioritäten gemacht. Das ist nicht ohne große Opfer geschehen. Herausragende Gestalten wie die heilige Elizabeth Ann Seton und andere Gründer und Gründerinnen haben mit großer Ausdauer und Weitsicht die Grundlagen dessen geschaffen, was heute ein beachtenswertes Netzwerk von Konfessionsschulen ist, die zum geistlichen Wohlergehen der Kirche und der Nation beitragen. Einige, wie die heilige Katharine Drexel, haben ihr Leben der Erziehung und Bildung derer gewidmet, die von anderen vernachlässigt wurden – in ihrem Fall die Afroamerikaner und die nativen Amerikaner. Zahllose hingebungsvolle Ordensschwestern, Ordensbrüder und Priester haben zusammen mit selbstlosen Eltern durch die katholischen Schulen Generationen von Einwanderern geholfen, aus der Armut aufzusteigen und einen Platz innerhalb der Gesellschaft einzunehmen.

Dieses Opfer wird heute weitergeführt. Es ist ein außerordentliches Apostolat der Hoffnung, das danach strebt, den materiellen, intellektuellen und geistlichen Bedürfnissen von über drei Millionen Schülern und Studenten entgegenzukommen. Es gibt auch der ganzen katholischen Gemeinschaft eine sehr gute Gelegenheit, großherzig zu den finanziellen Bedürfnissen unserer Institute beizutragen. Sie müssen langfristig gedeckt sein. In der Tat muss alles getan werden, was möglich ist, um in Zusammenarbeit mit der größeren Gemeinschaft sicherzustellen, dass sie für Menschen aller sozialen und wirtschaftlichen Schichten zugänglich sind. Keinem Kind sollte das Recht auf eine Erziehung im Glauben verweigert werden, und diese nährt ihrerseits die Seele einer Nation.

Einige Menschen stellen heute den Einsatz der Kirche in Erziehung und Bildung in Frage. Sie fragen sich, ob ihre Mittel nicht besser an anderer Stelle eingesetzt werden sollten. Gewiss stellt in einer Nation wie dieser der Staat viele Möglichkeiten der Erziehung und Bildung zur Verfügung und zieht engagierte und großherzige Männer und Frauen an, diesen ehrenwerten Beruf zu ergreifen. Es ist also an der Zeit, darüber nachzudenken, welche Besonderheit unsere katholischen Einrichtungen besitzen. Wie tragen sie zum Wohl der Gesellschaft bei durch den vorrangigen Evangelisierungsauftrag der Kirche?

Alle Aktivitäten der Kirche entspringen ihrem Bewusstsein, dass sie Trägerin einer Botschaft ist, die ihren Ursprung in Gott hat: In seiner Güte und Weisheit hat Gott beschlossen, sich selbst zu offenbaren und das Geheimnis seines Willens kundzutun (vgl. Eph 1, 9; Dei Verbum, 2). Gottes Wunsch, sich zu offenbaren und der in allen Menschen eingeschriebene Wunsch, die Wahrheit zu erkennen, stellen den Kontext für die menschliche Suche nach dem Sinn des Lebens. Diese einzigartige Begegnung wird aufrechterhalten in unserer christlichen Gemeinschaft: Derjenige, der nach der Wahrheit sucht, ist auch derjenige, der vom Glauben lebt (vgl. Fides et ratio, 31). Man kann es beschreiben als einen Schritt vom „Ich“ zum „Wir“, der das Individuum zum Teil des Gottesvolkes werden lässt.

Katholische Identität – eine Frage der Überzeugung

Dieselbe Dynamik der gemeinschaftlichen Identität – zu wem gehöre ich? – beseelt das Ethos unserer katholischen Institutionen. Die katholische Identität einer Universität oder einer Schule ist nicht einfach nur eine Frage der Anzahl der katholischen Schüler und Studenten. Es ist eine Frage der Überzeugung – glauben wir wirklich, dass sich nur im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das Geheimnis des Menschen wahrhaft aufklärt (vgl. Gaudium et spes, 22)? Sind wir bereit, unser ganzes Selbst – Intellekt und Willen, Verstand und Herz – Gott anzuvertrauen? Nehmen wir die Wahrheit an, die Christus offenbart? Ist der Glaube deutlich sichtbar in unseren Universitäten und Schulen? Wird er zum Ausdruck gebracht in der Liturgie, in den Sakramenten, durch das Gebet, durch tätige Nächstenliebe, durch das Sorgetragen um die Gerechtigkeit und die Achtung für Gottes Schöpfung? Nur auf diese Weise geben wir wirklich Zeugnis davon, wer wir sind und was wir glauben.

Aus dieser Perspektive heraus kann man erkennen, dass die gegenwärtige „Krise der Wahrheit“ in einer „Krise des Glaubens“ wurzelt. Nur durch den Glauben können wir dem Zeugnis Gottes frei zustimmen und ihn als den transzendenten Garanten der Wahrheit erkennen, die er offenbart. Noch einmal sehen wir also, warum die Förderung der persönlichen Verbundenheit mit Jesus Christus und das gemeinschaftliche Zeugnis seiner Wahrheit in der Liebe unverzichtbar ist für katholische Bildungseinrichtungen. Dennoch kennen wir alle und beobachten wir mit Besorgnis die Schwierigkeiten oder die Abneigung vieler Menschen von heute, sich Gott anzuvertrauen. Es ist ein komplexes Phänomen, über das ich ständig nachdenke. Während wir sorgfältig darauf geachtet haben, den Intellekt unserer jungen Menschen zu beanspruchen, haben wir vielleicht den Willen vernachlässigt. Infolgedessen beobachten wir mit Besorgnis, dass der Freiheitsbegriff verzerrt wird. Freiheit ist kein Heraustreten. Sie ist ein Hineintreten – eine Teilhabe am Sein selbst. Daher kann echte Freiheit niemals dadurch erlangt werden, dass man sich von Gott abwendet. Eine solche Entscheidung würde letztlich die Wahrheit selbst missachten, die wir brauchen, um uns selbst zu verstehen. Eine besondere Verantwortung eines jeden von euch und eurer Kollegen liegt also darin, bei den jungen Menschen den Wunsch nach dem Glaubensakt zu wecken, indem ihr sie ermutigt, sich im kirchlichen Leben zu engagieren, das aus diesem Glauben folgt. An diesem Punkt gelangt die Freiheit zur Gewissheit der Wahrheit. Durch die Entscheidung, in dieser Wahrheit zu leben, nehmen wir die Fülle des Glaubenslebens an, das uns in der Kirche geschenkt wird.

So wird deutlich, dass die katholische Identität nicht von Statistiken abhängt, und sie kann auch nicht einfach mit der Rechtgläubigkeit der Lehrinhalte gleichgesetzt werden. Sie verlangt und vermittelt viel mehr – nämlich dass jeder Aspekt eurer Bildungsgemeinschaften sich im kirchlichen Glaubensleben widerspiegelt. Nur im Glauben kann die Wahrheit Mensch werden und wird die Vernunft wahrhaft menschliche Vernunft, die dem Willen in der Freiheit den Weg zeigen kann (vgl. Spe salvi, 23). Auf diese Weise leisten unsere Institutionen einen lebenswichtigen Beitrag zur Sendung der Kirche und dienen sie wirklich der Gesellschaft. Sie werden zu Stätten, in denen die tätige Gegenwart Gottes im Leben der Menschen erkannt wird und in denen jeder junge Mensch die Freude entdeckt, sich an Christi „Sein für“ beteiligen zu lassen (vgl. ebd., 28).

Glaube und Vernunft widersprechen sich nicht

Der vorrangige Evangelisierungsauftrag der Kirche, in der die Erziehungs- und Bildungseinrichtungen eine entscheidende Rolle spielen, steht im Einklang mit dem grundlegenden Streben einer Nation, eine Gesellschaft zu entwickeln, die der Würde der menschlichen Person wirklich entspricht. Manchmal jedoch wird der Wert des Beitrags der Kirche zum öffentlichen Leben in Frage gestellt. Es ist daher wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, dass die Wahrheiten des Glaubens und der Vernunft einander niemals widersprechen (vgl. Erstes Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über den katholischen Glauben Dei Filius, IV: DS 3017; Augustinus, Contra Academicos, III, 20, 43). Die Sendung der Kirche stellt diese nämlich hinein in das Bestreben der Menschheit, zu dieser Wahrheit zu gelangen. Indem sie die offenbarte Wahrheit formuliert, dient sie allen Mitgliedern der Gesellschaft dadurch, dass sie die Vernunft reinigt und sicherstellt, dass sie offen bleibt für das Nachdenken über die letzten Wahrheiten. Indem sie aus der göttlichen Weisheit schöpft, wirft sie Licht auf die Grundlagen der menschlichen Moral und Ethik und erinnert alle Gruppen in der Gesellschaft daran, dass nicht das Handeln die Wahrheit schafft, sondern die Wahrheit als Grundlage für das Handeln dienen sollte. Dieser Beitrag, der die Toleranz für rechtmäßige Unterschiede durchaus nicht untergräbt, erleuchtet die Wahrheit selbst, die den Konsens möglich macht und dabei hilft, die öffentliche Diskussion rational, aufrichtig und verantwortungsvoll zu halten. Ebenso wird die Kirche nicht müde, die grundlegenden moralischen Kategorien von richtig und falsch aufrechtzuerhalten, ohne die die Hoffnung nur dahinschwinden kann und so den Weg ebnet für kalte pragmatische Berechnungen des Nutzens, durch die die Person wenig mehr wird als nur eine Figur auf irgendeinem ideologischen Schachbrett.

Was Erziehung und Bildung betrifft, so wächst die Bedeutung der Diakonie der Wahrheit in Gesellschaften, in denen säkularistische Ideologien einen Keil zwischen Wahrheit und Glauben treiben. Dies führte zu der Tendenz, Wahrheit mit Wissen gleichzusetzen und eine positivistische Mentalität anzunehmen, die – durch die Ablehnung der Metaphysik – die Grundlagen des Glaubens und die Notwendigkeit einer moralischen Vision leugnet. Wahrheit bedeutet mehr als Wissen: Über die Kenntnis der Wahrheit gelangen wir zur Entdeckung des Guten. Wahrheit spricht den Einzelnen in seiner Gesamtheit an und fordert uns auf, mit unserem gesamten Sein zu antworten. Diese optimistische Vision begründet sich in unserem christlichen Glauben, denn dieser Glaube enthält die Vision des Logos, Gottes schöpferischer Vernunft, die sich in der Inkarnation als Güte selbst offenbart. Die christliche Botschaft ist nicht nur eine Mitteilung sachlicher Informationen, sie ist also nicht nur informativ, vielmehr ist die liebende Güte des Evangeliums schöpferisch und das Leben verändernd, also „performativ“ (vgl. Spe Salvi, 2). Mit Vertrauen und Zuversicht können christliche Erzieher die jungen Menschen aus den Grenzen des Positivismus befreien und deren Empfänglichkeit für die Wahrheit, für Gott und für dessen Güte erwecken. Auf diese Weise werden Sie auch dazu beitragen, deren Gewissen zu formen, das – bereichert durch den Glauben – einen sicheren Weg zum inneren Frieden und zum Respekt vor den Anderen ebnet.

Es überrascht daher wenig, dass nicht nur unsere eigenen kirchlichen Gemeinden sondern auch die Gesellschaft im Allgemeinen große Erwartungen an die katholischen Erzieher haben. Dies legt Ihnen große Verantwortung auf, stellt aber zugleich eine große Chance dar. Immer mehr Menschen, insbesondere Eltern, werden sich der Notwendigkeit bewusst, ihren Kindern eine exzellente menschliche Bildung zukommen zu lassen. Als Mater et Magistra teilt die Kirche dieses Anliegen. Wenn jenseits des Individuums nichts als bestimmend anerkannt wird, so werden das Selbst und die Befriedigung der unmittelbaren Wünsche des Individuums zum einzigen Kriterium. Auf diese Weise können Objektivität und Perspektive, die sich nur aus einer Anerkennung der grundlegenden transzendenten Dimension des Menschen ergeben können, verloren gehen. Mit solch einem relativistischen Horizont werden die Ziele der Erziehung unweigerlich stark eingeschränkt. Dann kommt es langsam zu einer Herabsenkung der Anforderungen. Wir beobachten heute eine gewisse Scheu gegenüber der Kategorie des Guten und ein zielloses Streben nach Neuem, das als Erfüllung der Freiheit betrachtet wird. Es herrscht die Annahme vor, dass jede Erfahrung von gleicher Bedeutung ist, dabei besteht immer weniger Bereitschaft, Unvollkommenheit und Fehler zuzulassen. Und, was besonders beunruhigend ist, wir beobachten die Reduzierung eines so kostbaren und delikaten Bereichs wie der Sexualerziehung auf ein reines „Risikomanagement“, bar jeden Bezugs zur Schönheit der ehelichen Liebe.

Wie können christliche Erzieher darauf reagieren? Diese schädlichen Entwicklungen zeigen die besondere Dringlichkeit dessen, was wir als „intellektuelle Nächstenliebe“ bezeichnen könnten. Dieser Aspekt der Nächstenliebe fordert den Erzieher dazu auf zu erkennen, dass die große Verantwortung, junge Menschen zur Wahrheit zu führen, nicht weniger ist als ein Akt der Liebe. Gewiss, die Erhabenheit der Erziehung liegt darin, die wahre Perfektion und das Glück derer zu fördern, die erzogen werden sollen. In der Praxis schützt die „intellektuelle Nächstenliebe“ die unerlässliche Einheit des Wissens vor einer Fragmentierung, die durch eine Loslösung der Vernunft von der Suche nach Wahrheit entsteht. Sie führt die jungen Menschen zu der tiefen Erfüllung, Freiheit in Verbindung mit Wahrheit auszuüben, und bemüht sich darum, die Beziehung zwischen Glauben und allen Aspekten von Familie und gesellschaftlichem Leben herauszustellen.

Junge Menschen dazu anregen, einen Beitrag zu leisten

Wurde ihre Leidenschaft für die Vollständigkeit und Einheit der Wahrheit einmal erweckt, so werden die jungen Menschen sicherlich mit Freude entdecken, dass die Frage nach dem, was sie wissen können, ihnen eine ganz andere wichtige Frage eröffnet, nämlich die Frage nach dem, was sie tun sollten. Hier werden sie erfahren, „in was“ und „in wen“ sie ihre Hoffnung setzen können, und werden dazu angeregt werden, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten, der Hoffnung für andere eröffnet.

Liebe Freunde, zum Abschluss möchte ich unsere Aufmerksamkeit insbesondere auf die überragende Bedeutung Ihrer eigenen Professionalität und Ihres Zeugnisses innerhalb unserer katholischen Kirchen und Schulen richten. Zunächst möchte ich Ihnen für Ihr Engagement und Ihre Großzügigkeit danken. Aus meiner eigenen Zeit als Professor und aus den Berichten Ihrer Bischöfe und den Mitgliedern der Kongregation für das katholische Bildungswesen weiß ich, dass das Ansehen, das die katholischen Bildungseinrichtungen in diesem Land genießen, weitgehend Ihnen und Ihren Vorgängern zu verdanken ist. Ihr selbstloser Beitrag – von der herausragenden Forschungsarbeit bis hin zur Arbeit derer, die an den Schulen in den Armenvierteln der Großstädte tätig sind – dienen sowohl Ihrem Land als auch der Kirche. Hierfür spreche ich Ihnen meinen tiefsten Dank aus.

Was die Mitglieder des Lehrkörpers an den Katholischen Universitäten betrifft, so möchte ich erneut die große Bedeutung der akademischen Freiheit unterstreichen. Kraft dieser Freiheit sind Sie dazu aufgerufen, die Wahrheit zu suchen, wohin auch immer eine sorgfältige Analyse der Indizien Sie führen mag. Dennoch, jegliche Berufung auf das Prinzip der akademischen Freiheit mit dem Ziel, Positionen zu rechtfertigen, die dem Glauben und der Lehre der Kirche widersprechen, würde die Identität und den Auftrag der Universität behindern oder sogar verraten; ein Auftrag, der das Kernstück des „munus docendi“ der Kirche darstellt und nicht irgendetwas Autonomes oder Unabhängiges von diesem ist. Das Lehr- und Verwaltungspersonal in Universitäten oder Schulen hat die Aufgabe und das Privileg sicherzustellen, dass die Schüler bzw. Studenten eine Erziehung in Doktrin und Praxis des katholischen Glaubens erhalten. Dies heißt, dass das öffentliche Zeugnis über den Weg Jesu, so wie dies im Evangelium begründet und vom Lehramt der Kirche geschützt wird, alle Aspekte des Lebens der jeweiligen Einrichtung festlegt, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Klassenräume. Eine Abweichung von dieser Vision würde die katholische Identität schwächen und würde – weit davon entfernt, die Freiheit zu fördern – unweigerlich Verwirrung stiften, ob auf moralischer, intellektueller oder spiritueller Ebene.

Das Zeugnis der Ordensleute ist von überragender Bedeutung

Ich möchte auch einige Worte der Ermutigung an alle Priester, Ordensleute und Laien richten, die die Katechese lehren. Sie tragen dazu bei, dass die Wertschätzung der jungen Menschen für das Geschenk des Glaubens täglich wächst. Religiöse Erziehung ist ein herausforderndes Apostolat, aber unter den jungen Menschen gibt es viele Zeichen für deren Wunsch, vom Glauben zu erfahren und diesen mit aller Kraft zu praktizieren. Um diesen neu erweckten Wunsch zu stärken, müssen die Lehrer ein klares und präzises Verständnis der besonderen Natur und Rolle der katholischen Erziehung besitzen. Außerdem müssen sie bereit sein, die von der ganzen Schulgemeinde eingegangene Verpflichtung umzusetzen, die jungen Menschen und deren Familien darin zu unterstützen, die Eintracht zwischen Glaube, Leben und Kultur zu erfahren. Hier möchte ich einen besonderen Appell an die Ordensbrüder und Ordensschwestern sowie an die Priester richten: Geben Sie das Schulapostolat nicht auf; erneuern Sie vielmehr Ihr Engagement in den Schulen, insbesondere denen in armen Gegenden. An Orten, an denen es viele leere Versprechungen gibt, die die jungen Menschen vom Pfad der Wahrheit und der echten Freiheit weglocken, stellen die Lehren des Evangeliums, dessen Zeugnis Sie geben, ein unersetzliches Geschenk dar. Ich möchte die Ordensleute und Priester dazu ermutigen, die Berufungen mit neuem Enthusiasmus zu fördern. Machen Sie sich bewusst, dass Sie durch Ihr Zeugnis und Ihre Unterweisung der jungen Menschen für diese und ihre Familien eine Quelle großer Glaubensinspiration darstellen.

Sie alle fordere ich auf: Gebt ein Zeugnis der Hoffnung. Untermauert dieses Zeugnis durch das Gebet. „Seid aber jederzeit bereit zur Verantwortung jedem gegenüber, der Rechenschaft von euch über die Hoffnung in euch fordert.“. (vgl. 1 Petrus 3, 15), indem Ihr die Wahrheit lebt, die Ihr Euren Studenten anbietet. Helft Ihnen, den Einen, dem Ihr begegnet seid, dessen Wahrheit und Güte Ihr mit Freude erfahren habt, kennenzulernen und zu lieben. Lasst uns mit den Worten des Heiligen Augustinus sprechen: „Wir, die wir sprechen, und ihr, die ihr zuhört, erkennen uns als Jünger eines einzigen Lehrers“ (Predigten, 23, 2). Mit diesen Worten der Gemeinschaft gewähre ich Ihnen, Ihren Kollegen und Studenten sowie Ihren Familien meinen Apostolischen Segen.

[Übersetzung aus dem Amerikanischen von Claudia Kock und Heike Augustiniok; © Die Tagespost vom 19. April 2008]