Ansprache des Papstes nach dem Bartolucci-Konzert in Castel-Gandolfo

Hommage an den Künstler

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CASTEL-GANDOLFO, 1. September (ZENIT.org). – Musik sei in besonderer Weise fähig, den Glauben auszudrücken und mitzuteilen. Dieser Glaube habe den Meister Bartolucci befähigt, große Werke zu schaffen, die ihn in die großen Komponisten geistlicher Musik einreihen. So ehrte Papst Benedikt Kardinal Domenico Bartolucci, den emeritierten Leiter der „Capella sistina“ bei einem Konzert im Innenhof des Palastes von Castel Gandolfo, das Bartolucci organisiert hatte und bei dem vier seiner geistliche Werke zur Aufführung kamen.

Wir dokumentieren die Ansprache im Wortlaut in einer eigenen Übersetzung.

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Meine Herren Kardinäle,

verehrte Brüder im Bischofsamt und im Priestertum,

liebe Freunde,

heute Abend haben wir uns in die geistliche Musik versenkt, die Musik, die in ganz besonderer Weise aus dem Glauben entsteht und fähig ist, den Glauben auszudrücken und mitzuteilen. Ich danke daher den wunderbaren Interpreten: den beiden Sopranisten, dem Bariton, dem Dirigenten Baiocchi, dem „Rossini Chamber Chor“ aus Pesaro und dem Philharmonieorchester aus den Marken sowie den Organisatoren und den Behörden, die dieses Ereignis ermöglicht haben. Ihr habt uns mitten in den Tätigkeiten des Alltags einen Moment der Meditation und des Gebetes dargeboten, indem ihr uns die Harmonie des Himmels habt erahnen lassen. Ein herzlicher und besonderer Dank gilt dem Komponisten der Stücke, die wir gehört haben, dem Meister Kardinal Domenico Bartolucci. Danke, Eminenz, dass Sie mir dieses Konzert geschenkt und zu diesem Anlass das Stück „Benedictus“ komponiert haben, mir gewidmet als Gebet und als Dank an den Herrn für meinen Dienst.

Der Meister Kardinal Bartolucci muss nicht vorgestellt werden. Ich möchte nur auf drei Aspekte seines Lebens hinweisen, die ihn – neben seinem stolzen Florentiner Geist - in eindeutiger Weise charakterisieren. Das sind: der Glaube, das Priestertum und die Musik.

Lieber Kardinal Bartolucci, der Glaube ist das Licht, das Ihr Leben immer ausgerichtet und gelenkt hat; es hat Ihr Herz geöffnet, um großmütig auf den Ruf des Herrn zu antworten. Und aus ihm ist auch Ihre Art des Komponierens hervorgegangen. Gewiss, Sie haben eine solide musikalische Ausbildung am Dom von Florenz, im Konservatorium von Florenz und im Päpstlichen Institut für geistliche Musik erhalten, durch große Lehrer, unter anderem Vito Frazzi, Raffaele Casimiri und Ildebrando Pizzetti. Aber die Musik ist für Sie die bevorzugte Sprache, um den Glauben der Kirche mitzuteilen und um dem, der Ihre Werke hört, auf dem Weg des Glaubens zu helfen. Sie haben auch durch die Musik Ihren priesterlichen Dienst ausgeübt. Ihre Art des Komponierens fügt sich in die Spur der großen Komponisten geistlicher Musik ein, besonders der Sixtinischen Kapelle, deren Leiter Sie lange Jahre waren. Sie schätzen den kostbaren Wert des Gregorianischen Chorals und gebrauchen mit Weisheit die Polyphonie, in Treue zur Tradition, sind aber auch offen für neue Klänge.

Lieber Meister, an diesem Abend haben Sie unsere Seele mit dem wertvollsten Gebet der christlichen Tradition Maria zugewandt. Sie haben uns aber auch zurückgehen lassen zum Beginn unseres Glaubensweges, zur Taufliturgie, zu dem Augenblick, in dem wir Christen wurden. Eine Einladung, unseren Durst immer an der einzigen Quelle zu stillen, die den Durst löscht, der lebendige Gott, und uns jeden Tag zu bemühen, das Böse zurückzuweisen und unseren Glauben zu erneuern, indem wir bekräftigen „Credo“ („ich glaube“)!

„Christus circumdedit me“, Christus hat mich umhüllt und umhüllt mich: Diese Motette fasst Ihr Leben, Ihren Dienst und Ihre Musik zusammen, lieber Herr Kardinal. Ich erneuere daher meinen Dank an Sie, die beiden Sopranisten, den Bariton, den Dirigenten, die gesamten Chöre und Orchester. Gern erteile ich meinen Apostolischen Segen. Danke.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals - © Copyright 2011 - Libreria Editrice Vaticana]