Ansprache Papst Benedikts XVI. an die Jüdische Delegation von B

Gemeinsame religiöse Pflichten

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VATIKANSTADT, Freitag, 13. Mai 2011 (ZENIT.org). – Die Gemeinsamkeiten bei den Aufgaben in der heutigen Welt betonte Papst Benedikt bei seiner Ansprache an eine Delegation von B'nai B'rith International, die er in Audienz empfangen hat.

Wir dokumentieren den Wortlaut in einer eigenen deutschen Übersetzung:

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Liebe Freunde,

ich freue mich, diese Delegation von B'nai B'rith International begrüßen zu dürfen. Gerne erinnere ich mich an meine frühere Begegnung mit einer Delegation dieser Organisation vor rund fünf Jahren.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen meine Wertschätzung für Ihr Engagement im katholisch-jüdischen Dialog und vor allem Ihre aktive Teilnahme an der Tagung des Internationalen Komitees für die Beziehungen zwischen Katholiken und Juden, die Ende Februar in Paris stattfand, ausdrücken. Dieses Treffen, das gemeinsam von der Kommission des Heiligen Stuhls für die religiösen Beziehungen zum Judentum und des jüdischen Komitees für interreligiöse Konsultationen (IJCIC) organisiert wurde, wurde zu Ehren des vierzigsten Jahrestags dieses Dialogs begangen. Was in diesen vierzig Jahren geschehen ist, muss als ein großes Geschenk des Herrn und Grund für herzliche Dankbarkeit gegenüber dem Einen betrachtet werden, der  unsere Schritte mit seiner unendlichen und ewigen Weisheit lenkt.

Das Treffen in Paris bekräftigte den Wunsch von Katholiken und Juden, zusammenzustehen, um sich in einer sich rasch verändernden Welt den immensen Herausforderungen unserer Gemeinden und bezeichnenderweise unserer gemeinsamen religiösen Pflicht zu stellen, nämlich dem Kampf gegen die Armut, Ungerechtigkeit, Diskriminierung und Verweigerung der allgemeinen Menschenrechte. Es gibt viele Möglichkeiten, in denen Juden und Christen nach dem Willen des Allmächtigen für eine Verbesserung der Welt und das Wohl der Menschheit zusammenarbeiten können. Unsere Gedanken richten sich sofort auf praktischen Werke der Nächstenliebe und auf den Dienst an den Armen und den Bedürftigen; doch eines der wichtigsten Dinge, die wir gemeinsam tun können, besteht darin, gemeinschaftlich Zeugnis zu geben für unseren tief verwurzelten Glauben daran, dass jeder Mann und jede Frau nach göttlichem Abbild erschaffen wurde (vgl. Gen 1,26-27) und dadurch eine unantastbare Würde besitzt. Diese Überzeugung bleibt die sicherste Grundlage für alle Bemühungen rteidigung und Förderung der unveräußerlichen Rechte eines jeden Menschen.

In einem kürzlich geführten Gespräch zwischen den Delegationen des Oberrabbinats von Israel und der Kommission des Heiligen Stuhls für die religiösen Beziehungen zum Judentum, das Ende März in Jerusalem stattfand, lag der Schwerpunkt auf der Förderung eines soliden Verständnisses für die Rolle der Religion im Leben unserer heutigen Gesellschaft, als Korrektiv einer rein horizontalen und folglich unzureichenden Sicht der menschlichen Person und des sozialen Zusammenlebens. Das Leben und Werk aller Gläubigen sollte ständig Zeugnis für das Transzendente ablegen, auf die unsichtbaren Wirklichkeiten des Jenseits verweisen und die Überzeugung verkörpern, dass eine liebevolle, mitfühlende Vorsehung den endgültigen Ausgang der Geschichte begleitet, egal wie schwierig und bedrohlich die Reise auf diesem Weg manchmal scheinen vermag. Durch den Propheten haben wir die Gewissheit: „Denn ich, ich kenne meine Pläne, die ich für euch habe - Spruch des Herrn -, Pläne des Heils und nicht des Unheils; denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben“ (Jer 29,11).

Mit dieser Gesinnung rufe ich auf Sie und Ihre Familien den göttlichen Segen der Weisheit, der Barmherzigkeit und des Friedens herab.

[Übersetzung aus dem Englischen von Susanne Czupy]