Ansprache von Benedikt XVI. an junge Ordensfrauen

Radikalität der Christusnachfolge in Zeiten der Mittelmäßigkeit

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MADRID, 20. August 2011 (ZENIT.org). – 1600 junge Ordensfrauen traf Papst Benedikt XVI. am zweiten Tag seines Aufenthaltes beim Weltjugendtag 2011 in Madrid im Escorial.

Wir dokumentieren den Wortlaut seiner Ansprache in der offiziellen deutschen Übersetzung.

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Liebe junge Ordensfrauen!

Am Weltjugendtag, den wir in Madrid feiern, ist es mir eine große Freude, euch begegnen zu können, die ihr eure Jugend dem Herrn geweiht habt, und ich danke für den liebenswürdigen Gruß, den ihr an mich gerichtet habt. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass der Herr Kardinal, der Erzbischof von Madrid, diese Begegnung an einem so bedeutungsvollen Ort vorgesehen hat wie dem Kloster San Lorenzo de El Escorial. Wie in dessen berühmter Bibliothek wichtige Ausgaben der Heiligen Schrift und der monastischen Regeln verschiedener Ordensfamilien aufbewahrt werden, so ist auch euer Leben der Treue gegenüber der empfangenen Berufung eine wertvolle Weise, das Wort des Herrn zu bewahren, das in den euch eigenen Formen der Spiritualität widerhallt.

Liebe Schwestern, jedes Charisma ist ein Wort des Evangeliums, an das der Heilige Geist seine Kirche erinnert (vgl. Joh 14,26). Es ist nicht bedeutungslos, dass das geweihte Leben „»aus dem Hören auf das Wort Gottes hervorgeht und das Evangelium als seine Lebensnorm annimmt«. Das Leben in der Nachfolge des keuschen, armen und gehorsamen Christus ist daher eine »lebendige ,Exegese‘ des Wortes Gottes«. Der Heilige Geist, in dessen Kraft die Bibel geschrieben wurde, ist derselbe, der »die Gründer und Gründerinnen das Wort Gottes in einem neuen Licht sehen ließ. Diesem Wort entspringt jedes Charisma, und jede Ordensregel will sein Ausdruck sein«. So entstanden Wege christlichen Lebens, die von der Radikalität des Evangeliums geprägt sind" (Nachsynodales Apostolisches Schreiben Verbum Domini, 83).

Die evangelische Radikalität besteht darin, „in Christus verwurzelt und auf ihn gegründet, fest im Glauben" (Kol 2,7) zu bleiben. Im geweihten Leben bedeutet das, mit ungeteiltem Herzen an die Wurzel der Liebe Jesu Christi zu gehen und dieser Liebe nichts vorzuziehen (vgl. Benedikt, Regel, IV,21), mit einer bräutlichen Zugehörigkeit, wie sie die Heiligen gelebt haben, so wie Rosa von Lima und Raffael Arnáiz, die jungen Patrone dieses Weltjugendtags. Die persönliche Begegnung mit Christus, die eure Weihe nährt, muss mit aller ihrer verwandelnden Kraft in eurem Leben bezeugt werden; und heute kommt ihr eine besondere Bedeutung zu, insofern „eine Art »Gottesfinsternis« festzustellen ist, ein gewisser Gedächtnisschwund, wenn nicht sogar eine ausgesprochene Ablehnung des Christentums und eine Zurückweisung des empfangenen Glaubensguts, wobei die Gefahr besteht, die eigene tiefere Identität zu verlieren" (Botschaft zum 26. Weltjugendtag 2011, 1). Angesichts des Relativismus und der Mittelmäßigkeit erhebt sich die Notwendigkeit dieser Radikalität, die die Weihe als eine Zugehörigkeit zu dem über alles geliebten Gott bezeugt.

Diese evangelische Radikalität des geweihten Lebens findet ihren Ausdruck in der kindlichen Gemeinschaft mit der Kirche, der von Christus erbauten Heimstatt der Kinder Gottes; in der Gemeinschaft mit den Hirten, die im Namen des Herrn das Glaubensgut verkünden, das sie durch die Apostel, das Lehramt der Kirche und die christliche Überlieferung empfangen haben; in der Gemeinschaft mit eurer Ordensfamilie, indem ihr dankbar ihr geistliches Erbe bewahrt und auch die anderen Charismen schätzt; in der Gemeinschaft mit anderen Gliedern der Kirche, wie den Laien, die berufen sind, von der eigenen spezifischen Berufung her das gleiche Evangelium des Herrn zu bezeugen.

Schließlich drückt sich die evangelische Radikalität in der Sendung aus, die Gott euch anvertraut hat. Vom kontemplativen Leben, das in seinen Klöstern das Wort Gottes im beredten Schweigen aufnimmt und seine Schönheit in der von Ihm bewohnten Einsamkeit anbetet, bis zu den verschiedenen Wegen des apostolischen Lebens, in dessen Furchen der Same des Evangeliums aufgeht: in der Erziehung der Kinder und Jugendlichen, in der Pflege der Kranken und Alten, in der Begleitung der Familien, im Einsatz für das Leben, im Zeugnis für die Wahrheit, in der Verkündigung des Friedens und der Liebe, im missionarischen Einsatz und in der Neuevangelisierung, sowie in vielen anderen Bereichen des kirchlichen Apostolats.

Liebe Schwestern, dies ist das Zeugnis für die Heiligkeit, zu dem Gott euch ruft und das ihr entfaltet, indem ihr Jesus, dem Christus, in der Weihe, in der Gemeinschaft und in der Sendung eng und absolut bedingungslos nachfolgt. Die Kirche braucht eure junge Treue, die in Christus verwurzelt und auf ihn gegründet ist. Ich danke euch auch für euer großherziges, völliges und beständiges Ja zum Ruf des Geliebten. Möge die Jungfrau Maria eure geweihte Jugend stützen und begleiten. Zugleich habe ich den tiefen Wunsch, dass sie alle Jugendlichen innerlich anrühre, sie ermutige und sie erleuchte.

In diesem Sinne bitte ich Gott, den großherzigen Beitrag des geweihten Lebens zu diesem Weltjugendtag reichlich zu belohnen. In seinem Namen segne ich euch aus ganzem Herzen. Danke.

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