Ansprache von Benedikt XVI. an Priester und Eheleute in Ancona

Priestertum und Ehe werden aus der eucharistischen Quelle gespeist

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ANCONA, 13. September 2011 (ZENIT.org).  – Priestertum und Ehe seien zu einer gemeinsamen Sendung berufen: Die Liebe Christi  im Dienst der Gemeinschaft zu bezeugen und für die Erbauung des Volkes Gottes gegenwärtig zu machen. Die Familie sei ein Reichtum für die Eheleute,  unersetzbar für die Kinder, das unentbehrliche Fundament der Gesellschaft, die lebendige Gemeinschaft für den Weg der Kirche. Die Priester seien dazu berufen, der kirchlichen Gemeinschaft, die die „Familie der Familien“ sei, als Hirten zu dienen und somit alle zu lieben - mit väterlichen Herzen, mit einer authentischen Loslösung von sich selbst, mit voller, beständiger und treuer Hingabe: Sie seien das lebendige Zeichen, das auf Christus Jesus, den einzigen Guten Hirten, verweise. Dies betonte Papst Benedikt in seiner Ansprache an Priester und Eheleute anlässlich seines Besuchs des 25. Nationalen Eucharistischen Kongresses in Ancona am vergangenen Sonntag.

Wir dokumentieren den Wortlaut der Ansprache in einer eigenen deutschen Übersetzung.

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Liebe Priester und Eheleute!

Der Hügel, auf dem diese Kathedrale erbaut wurde, gewährt uns einen wunderschönen Blick auf die Stadt und das Meer. Beim Überschreiten des majestätischen Portals jedoch bleibt die Seele von der Harmonie des romanischen Stils fasziniert, der von einer Mischung aus byzantinischen und gotischen Einflüssen bereichert wird. Auch in eurer Gegenwart – als Priester und Eheleute aus den verschiedenen Diözesen Italiens – erkennt man die Schönheit der Harmonie und der gegenseitigen Ergänzung eurer verschiedenen Berufungen. Die gegenseitige Kenntnis und Wertschätzung füreinander – im Teilen desselben Glaubens – führen dazu, das Charisma des anderen zu würdigen und sich anzuerkennen innerhalb des einzigen „geistigen Hauses“ (1 Petr 2,5), das, weil es denselben Christus Jesus als Eckstein hat,  wohl geordnet wächst, um der heilige Tempel des Herrn zu sein (Eph 2,20-21). Mein Dank also für dieses Treffen an den lieben Erzbischof, Msgr. Edoardo Menichelli – auch für seine einführenden Worte – und an jeden von euch.

Ich möchte kurz über die Notwendigkeit nachdenken, das Priestertum und die Ehe auf die eine, eucharistische Quelle zurückzuführen. Beide Lebensstände haben tatsächlich in der Liebe Christi, der sich für das Heil der Menschheit hingibt, dieselbe Wurzel. Sie sind zu einer gemeinsamen Sendung berufen: Diese Liebe im Dienst der Gemeinschaft zu bezeugen und für die Erbauung des Volkes Gottes gegenwärtig zu machen (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1534). Diese Perspektive ermöglicht es vor allem, eine verkürzte Sicht der Familie zu überwinden, die sie als reine Empfänger des pastoralen Handelns betrachtet. In Wahrheit bedarf sie in dieser schwierigen Zeit einer besonderen Aufmerksamkeit. Aber dadurch wird ihre Identität nicht vermindert und ihre spezifische Verantwortung nicht herabgesetzt. Die Familie ist ein Reichtum für die Eheleute, sie ist unersetzbar für die Kinder, das unentbehrliche Fundament der Gesellschaft, die lebendige Gemeinschaft für den Weg der Kirche.

Im kirchlichen Bereich bedeutet die Wertschätzung der Familie, ihre Bedeutung in der Seelsorgetätigkeit anzuerkennen. Der Dienst, der aus dem Ehesakrament entsteht, ist für das Leben der Kirche wichtig: Die Familie ist der bevorzugte Ort der menschlichen und christlichen Erziehung und bleibt zu diesem Zweck der beste Verbündete des Priestertums. Sie ist ein kostbares Geschenk für den Aufbau der Gemeinde. Die Nähe des Priesters zur Familie hilft ihm seinerseits, sich der eigenen tiefen Wirklichkeit und der eigenen Sendung bewusst zu werden und fördert die Entwicklung eines besonderen Feingefühls der Kirche. Keine Berufung ist eine Privatsache, auch nicht die der Familie, weil ihr Horizont die Kirche als Ganze ist. Es geht also darum, in der Seelsorgetätigkeit das Priestertum mit dem „authentischen Evangelium der Ehe und Familie“ (Enzyklika „Familiaris consortio“, 8) durch eine tatkräftige und geschwisterliche Gemeinschaft zu verbinden und zu harmonisieren. Die Eucharistie ist der Mittelpunkt und die Quelle dieser Einheit, die das ganze Handeln der Kirche belebt.

Liebe Priester, ihr seid durch das Geschenk, das ihr in der Weihe empfangen habt, dazu berufen, der kirchlichen Gemeinschaft, die die „Familie der Familien“ ist, als Hirten zu dienen und somit alle zu lieben - mit väterlichen Herzen, mit einer authentischen Loslösung von euch selbst, mit voller, beständiger und treuer Hingabe: Ihr seid das lebendige Zeichen, das auf Christus Jesus, den einzigen Guten Hirten, verweist. Gleicht euch ihm und seinem Lebensstil an, mit jener totalen und ausschließlichen Dienstbereitschaft, für die der Zölibat ein Ausdruck ist. Auch das Priestertum hat eine bräutliche Dimension: Sie besteht darin, eins zu werden mit dem Herzen Christi, des Bräutigams, der sein Leben für die Braut Kirche hingibt (vgl. Nachsynodales Apostolisches Schreiben „Sacramentum caritatis“, 24). Pflegt eine tiefe Vertrautheit mit dem Wort Gottes, dem Licht auf eurem Weg. Die tägliche, treue Feier der Eucharistie möge der Ort zum Kraftschöpfen sein, um euch selbst jeden Tag im Dienst hinzugeben und beständig in der Gegenwart Gottes zu leben: Er ist eure Wohnung und euer Erbe. Davon müsst ihr Zeugen sein für die Familie und für jede Person, die der Herr auf euren Weg stellt, auch in schwierigen Verhältnissen (vgl. ebd., 80). Ermutigt die Eheleute; teilt mit ihnen die erzieherische Verantwortung; helft ihnen, beständig die Gnade ihrer Ehe zu erneuern. Macht die Familie zum Protagonisten in der Seelsorgetätigkeit. Seid gastfreundlich und barmherzig, auch denen gegenüber, denen es schwer fällt, die durch das Eheband angenommenen Pflichten zu erfüllen, und denen gegenüber, die darin leider versagt haben.

Liebe Eheleute, eure Ehe ist verwurzelt in dem Glauben, dass Gott die Liebe ist (vgl. 1 Joh 4,8) und dass ihm nachzufolgen bedeutet, „in der Liebe zu bleiben“ (Joh 15,9-10). Eure Einheit ist, wie der heilige Paulus lehrt, ein sakramentales Zeichen der Liebe Christi zur Kirche (vgl. Eph 5,32), einer Liebe, die im Kreuz gipfelt und die „in der Eucharistie bezeichnet und verwirklicht“ wird (Apostolisches Schreiben „Sacramentum caritatis“, 29). Das Geheimnis der Eucharistie präge sich immer tiefer in euer Alltagsleben ein: Holt euch aus diesem Sakrament Inspiration und Kraft für eure eheliche Beziehung und für eure Erziehungsaufgabe, zu der ihr berufen seid. Baut eure Familien in der Einheit auf, der Gabe aus der Höhe, die euer Engagement in der Kirche und beim Aufbau einer gerechten und brüderlichen Welt nährt. Liebt eure Priester und zeigt ihnen eure Wertschätzung für den großmütigen Dienst, den sie ausüben. Bemüht euch, auch ihre Grenzen zu ertragen, ohne jemals darauf zu verzichten, von ihnen einzufordern, dass sie unter euch beispielhafte Amtsträger seien, die zu euch von Gott sprechen und euch zu Gott führen. Eure Geschwisterlichkeit ist für sie eine wertvolle geistliche Hilfe und eine Unterstützung in den Prüfungen des Lebens.

Liebe Priester und liebe Eheleute, möget ihr immer in der heiligen Messe die Kraft finden, um die Zugehörigkeit zu Christus und seiner Kirche zu leben, durch die Vergebung, die Selbsthingabe und die Unentgeltlichkeit. Euer tägliches Handeln möge in der sakramentalen Gemeinschaft seinen Ursprung und Mittelpunkt haben, damit alles zur Ehre Gottes geschehe. Auf diese Weise wird das Liebesopfer Christi euch verwandeln, bis ihr in ihm „ein Leib und ein Geist“ seid (vgl. Eph 4,4-6). Die Erziehung der neuen Generationen zum Glauben geschieht auch durch eure Glaubwürdigkeit. Bezeugt ihnen die anspruchsvolle Schönheit des christlichen Lebens, mit dem Vertrauen und der Geduld dessen, der die Kraft des in die Erde geworfenen Samens kennt. Wie in der Begebenheit des Evangeliums, die wir gehört haben (vgl. Mt 5,21-24.35-43), so seid für diejenigen, die eurer Verantwortung anvertraut sind, Zeichen des Wohlwollens und der Zärtlichkeit Jesu: In ihm wird sichtbar, wie Gott, der das Leben liebt, nicht fremd und fern gegenüber den menschlichen Ereignissen lebt, sondern ein Freund ist, der uns niemals verlässt. Schöpft in den Augenblicken der  Versuchung, dass das ganze erzieherische Bemühen umsonst ist, aus der Eucharistie das Licht, um den Glauben zu stärken, mit der Sicherheit, dass die Gnade und die Macht Jesu Christi den Menschen in jeder Situation, auch in der schwierigsten, erreichen können.

Liebe Freunde, ich vertraue euch alle dem Schutz Mariens an, die in dieser Kathedrale mit der Anrufung „Königin aller Heiligen“ verehrt wird. Die Tradition verbindet ihr Bild mit dem „ex voto“ (Gelübde) eines Seefahrers zum Dank für die Rettung seines Sohnes, der unversehrt einem Seesturm entgangen ist. Der mütterliche Blick der Mutter begleite auch eure Schritte auf dem Weg der Heiligkeit hin zur Oase des Friedens. Danke. 

[ZENIT-Übersetzung aus dem Italienischen]