Ansprache von Benedikt XVI. bei der Begegnung mit dem Klerus der Diözese Aosta, Teil 2 (25. Juli 2005)

"Unser ganzes Bemühen trägt nur dann Frucht, wenn es Ausdruck dessen ist, was wir sind: Wenn in unserem Tun unser tiefes Einssein mit Christus durchscheint"

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ROM, 29. August 2005 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen Teil 2 der Ansprache, die Benedikt XVI. bei der Begegnung mit dem Klerus der italienischen Diözese Aosta am 25. Juli in der Pfarrkirche von Introd im Aosta-Tal gehalten hat. Nach einem Grußwort von Diözesanbischof Giuseppe Anfossi und dem Gesang der Terz ging der Heilige Vater auf die Fragen der Anwesenden ein und bestärkte sie in ihrem priesterlichen Dienst.



In Teil 1 (siehe ZENIT deutsch, Rubrik "Dokumente") seiner Ansprache verglich Benedikt XVI. die Lage des Glaubens in Afrika und Europa und wies darauf hin, wie notwendig es sei, die Grundwahrheiten des Glaubens durch eine vertiefte Reflexion zu verinnerlichen, ohne dabei die "täglich mit Christus gelebte persönliche Freundschaft" zu vernachlässigen.

Im nun folgenden zweiten Teil spricht der Papst über Fragen der Jugenderziehung, die Bedeutung der katholischen Schulen, die Berufung zum Ordensleben, das Problem der wiederverheirateten Geschiedenen, die Spendung des Taufsakraments und die Katechese. Von besonderer Bedeutung ist für ihn die "Personalisierung" und die "Sozialisierung" des Glaubens – der persönliche Umgang mit Jesus Christus, der in einer Gemeinschaft gefestigt wird. Und dieser Glaube ist "einfach und reichhaltig: Wir glauben, dass es Gott gibt, dass Gott etwas mit unserer Lebenswirklichkeit zu tun hat. Aber welcher Gott? Ein Gott mit einem Angesicht, einem menschlichen Angesicht, ein Gott, der versöhnt, der den Hass überwindet und die Kraft zum Frieden gibt, den kein anderer geben kann. Man muss verständlich machen, dass das Christentum in Wirklichkeit sehr einfach und folglich sehr reichhaltig ist."

Das priesterliche Bemühen "trägt nur dann Frucht, wenn es Ausdruck dessen ist, was wir sind: Wenn in unserem Tun unser tiefes Einssein mit Christus durchscheint: Werkzeug Christi sein; Mund, durch den Christus spricht; Hand, durch die Christus handelt. Das Sein überzeugt. Und das Tun überzeugt nur, so weit es wirklich Frucht und Ausdruck des Seins ist (…) Der zweite Punkt, den wir lehren und durch unser Leben glaubwürdig machen müssen, ist, dass das Leiden in verschiedenen Formen zwangsläufig zu unserem Leben gehört. Es ist ein edles Leiden, würde ich sagen. Wiederum muss man verständlich machen, dass das Vergnügen nicht alles ist; dass das Christentum uns Freude schenkt, wie die Liebe Freude schenkt. Aber die Liebe ist auch immer Selbstverzicht. Der Herr selbst hat uns die Formel dafür gegeben, was die Liebe ist: Wer sich selbst verliert, findet sich; wer sich selbst gewinnt und bewahrt, verliert sich."

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Ich möchte vor allem danken, dass unsere Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit gelenkt wurde, die Jugendlichen zur Kirche hinzuführen. Sie fühlen sich leicht von anderen Dingen angezogen, von einem Lebensstil, der ziemlich weit weg von unseren Überzeugungen ist. Die frühe Kirche wählte den Weg der Gemeinschaften des alternativen Lebens, ohne notwendige Brüche. Ich würde sagen, dass es wichtig ist, dass die Jugendlichen die Schönheit des Glaubens entdecken, und dass es schön ist, eine Orientierung zu haben; dass es schön ist, einen Gott zum Freund zu haben, der uns wirklich die wesentlichen Dinge des Lebens sagen kann.

Dieser geistige Faktor muss dann von einem affektiven und sozialen Faktor begleitet werden, das heißt von einer Sozialisierung im Glauben. Denn der Glaube kann sich nur verwirklichen, wenn er auch einen Leib hat, und das bezieht den Menschen in seinen Lebensvollzügen mit ein. Früher, als der Glaube für das Gemeinschaftsleben entscheidend war, mag es genügt haben, den Katechismus zu lehren, der auch heute wichtig ist. Aber weil sich das soziale Leben vom Glauben entfernt hat, müssen wir – im Hinblick darauf, dass auch die Familien oft keine Sozialisierung des Glaubens anbieten – Methoden für eine Sozialisierung des Glaubens vorschlagen, damit der Glaube Gemeinschaft, Ort des Lebens bildet und durch eine Verbundenheit im Denken, Fühlen und in der Freundschaft überzeugt.

Ich meine, dass diese Ebenen zusammengehen müssen, denn der Mensch hat einen Körper, er ist ein soziales Wesen. In diesem Sinn ist es zum Beispiel schön, hier so viele Pfarrer zu sehen, die mit Jugendgruppen die Ferien verbringen. Auf diese Weise teilen die Jugendlichen die Freude über die Ferien und leben sie mit Gott und mit der Kirche in der Person des Pfarrers oder des Kaplans. Mir scheint, dass die Kirche von heute, auch in Italien, Alternativen und Möglichkeiten für eine Sozialisierung anbietet, wo die Jugendlichen gemeinsam mit Christus auf dem Weg sein und Kirche bilden können. Und deshalb müssen sie von intelligenten Antworten auf die Fragen unserer Zeit begleitet werden: Brauchen wir Gott noch? Ist es noch vernünftig, an Gott zu glauben? Ist Christus nur eine Figur der Religionsgeschichte, oder ist er wirklich das Antlitz Gottes, das wir alle brauchen? Können wir gut leben, ohne Christus zu kennen?

Man muss einsehen, dass es auch Geduld und Leiden mit sich bringt, wenn man das Leben, die Zukunft aufbauen will. Auch im Leben der Jugendlichen wird das Kreuz nicht fehlen, aber es ist nicht leicht, das verständlich zu machen. Der Bergsteiger weiß, dass er Opfer bringen und trainieren muss, wenn er einen schönen Aufstieg machen will. So muss auch der junge Mensch erkennen, dass das Einüben in ein inneres Leben für den Aufstieg in das Leben, in die Zukunft, notwendig ist.

Personalisierung und Sozialisierung sind also die beiden Wegweiser, die die konkreten Situationen der Herausforderungen von heute durchdringen müssen: die Herausforderungen der Liebe und der Gemeinschaft. Denn diese beiden Dimensionen erlauben es, sich der Zukunft zu öffnen und auch zu lehren, dass – wenn es auch manchmal schwierig ist, an Gott zu glauben – es dennoch meinem zukünftigen Wohl dient.

In Bezug auf die katholische Schule kann ich sagen, dass viele Bischöfe bei ihrem "Ad-limina"-Besuch mehrmals deren große Bedeutung unterstrichen haben. Die katholische Schule, zum Beispiel in Afrika, wird ein unerlässliches Mittel für die kulturelle Förderung, für die ersten Schritte der Alphabetisierung und für eine Erhöhung der kulturellen Ebene, auf der sich eine neue Kultur herausbildet. Dank dieser ist es möglich, auch den Anforderungen der Technik zu begegnen, die an eine nicht technisch orientierte Kultur gestellt werden, indem sie althergebrachte Formen des Stammeslebens mit ihren moralischen Inhalten zerstören.

Bei uns ist die Situation anders, aber was mir hier wichtig zu sein scheint, ist die Gesamtheit einer geistigen Bildung, die klar zu verstehen gibt, dass auch heute das Christentum nicht von der Wirklichkeit zu trennen ist. Im ersten Teil sagten wir, dass auf den Spuren der Aufklärung und der "zweiten Aufklärung" von ’68 viele dachten, die geschichtliche Ära für die Kirche und den Glauben sei zu Ende und eine neue Ära habe begonnen, in der man diese Dinge wie die klassische Mythologie studieren könne. Hingegen ist es notwendig, verständlich zu machen, dass der Glaube immer aktuell und sehr vernünftig ist – also eine geistige Bejahung, in der man auch die Schönheit und die organische Struktur des Glaubens erfasst. Das war eine der grundlegenden Absichten des "Katechismus der Katholischen Kirche", der jetzt in einem Kompendium zusammengefasst ist. Wir dürfen nicht denken, es sei wie mit einem Paket von Vorschriften, das wir wie einen schweren Rucksack auf dem Rücken während unseres Lebensweges mitschleppen müssten. Am Ende ist der Glaube einfach und reichhaltig: Wir glauben, dass es Gott gibt, dass Gott etwas mit unserer Lebenswirklichkeit zu tun hat. Aber welcher Gott? Ein Gott mit einem Angesicht, einem menschlichen Angesicht, ein Gott, der versöhnt, der den Hass überwindet und die Kraft zum Frieden gibt, den kein anderer geben kann. Man muss verständlich machen, dass das Christentum in Wirklichkeit sehr einfach und folglich sehr reichhaltig ist.

Die Schule ist eine kulturelle Einrichtung zur geistigen und beruflichen Bildung. Es ist also notwendig, die Einheitlichkeit, die Logik des Glaubens, verständlich zu machen und damit die Grundbegriffe zu kennen: zu verstehen, was Eucharistie ist, was am Sonntag geschieht oder was die christliche Ehe bedeutet. Man muss auch verständlich machen, dass die religiöse Disziplin keine rein geistige und individualistische Ideologie ist, wie es vielleicht bei anderen Fächern der Fall ist: Ich weiß zum Beispiel, wie ich in Mathematik eine bestimmte Rechenaufgabe lösen muss. Auch andere Fächer haben am Ende eine praktische Ausrichtung, eine Ausrichtung zur Professionalität, zur Anwendung im Leben. So muss man verstehen, dass der Glaube hauptsächlich Gemeinschaft bildet, vereint.

Gerade dieser Wesenskern des Glaubens ist es, der uns von der Isolierung des Ichs befreit und uns zu einer großen Gemeinschaft vereint, einer vollständigen Gemeinschaft – in der Pfarrgemeinde, in der sonntäglichen Versammlung – und universalen Gemeinschaft, in der ich ein Verwandter aller Menschen in der Welt werde. Man muss diese katholische Dimension der Gemeinschaft verstehen, die sich jeden Sonntag in der Pfarrei versammelt. Einerseits ist die Kenntnis des Glaubens ein Ziel, anderseits bedeutet in der Kirche sozialisieren oder "ekklesialisieren", sich in die große Gemeinschaft der Kirche, den Ort des Lebens, einzugliedern, von dem ich weiß, dass ich auch in den kritischen Stunden meines Lebens – vor allem im Leiden und im Tod – nicht allein bin.

Seine Exzellenz sagte, dass viele Menschen uns scheinbar nicht brauchen, aber die Kranken und die Leidenden ja. Und das sollte man von Anfang an verstehen, dass man im Leben nicht mehr allein ist. Der Glaube rettet uns vor der Einsamkeit. Wir werden immer von einer Gemeinschaft getragen, aber zugleich muss jeder einzelne Träger der Gemeinschaft sein und von Anfang an auch die Verantwortung für die Kranken, die Isolierten, die Leidenden lehren, so dass das, was ich schenke, wieder zurück kommt. Man muss also im Menschen, in dem sich diese Bereitschaft zur Liebe und zum Sich-Schenken verbirgt, diese große Gabe wecken und so sicherstellen, dass ich auch Brüder und Schwestern haben werde, die mich in solchen schwierigen Situationen stützen, wo ich eine Gemeinschaft brauche, die mich nicht allein lässt.

Hinsichtlich der Bedeutung des Ordenslebens wissen wir, dass das monastische und kontemplative Leben angesichts dieser gestressten Welt attraktiv ist, weil es wie eine Oase erscheint, in der man wirklich leben kann. Auch hier handelt es sich um eine romantische Vorstellung, so dass es notwendig ist, die Berufungen gut auszuwählen. Die geschichtliche Situation verleiht vor allem dem kontemplativen, nicht so sehr dem aktiven Ordensleben eine gewisse Anziehungskraft. Das wird im männlichen Zweig besser deutlich, wo man Ordensmänner, auch Priester, antrifft, die im Bildungswesen, bei den Kranken usw. ein wichtiges Apostolat ausüben. Leider wird es bei den weiblichen Berufungen weniger sichtbar, wo die Professionalität scheinbar die Ordensberufung überflüssig macht. Es gibt diplomierte Krankenschwestern, es gibt diplomierte Lehrerinnen, so dass diese Tätigkeiten nicht mehr als Ordensberuf erscheinen, und es wird schwer sein, noch einmal anzufangen, wenn die Kette der Berufungen einmal unterbrochen ist.

Wir erkennen aber immer mehr, dass die Professionalität allein nicht ausreicht, um eine gute Krankenschwester zu sein. Man braucht das Herz. Man braucht die Liebe zur leidenden Person. Das hat eine tiefe religiöse Dimension. So ist es auch im Lehrberuf. Wir haben jetzt neue Formen wie die Säkularinstitute, deren Gemeinschaften durch ihr Leben zeigen, dass es eine Lebensweise gibt, die gut ist für die Person, aber vor allem notwendig für die Gemeinschaft, für den Glauben und für die menschliche Gemeinschaft. Ich denke also, dass die Kirche, auch wenn sie die Formen ändert – ein Großteil unserer aktiven Frauengemeinschaften stammen aus dem 19. Jahrhundert mit den genauen sozialen Aufgaben der damaligen Zeit, und heute sind die Aufgaben verschieden – uns zu verstehen gibt, dass der Dienst an den Leidenden und der Schutz des Lebens Berufungen sind, die eine tiefe religiöse Dimension haben, und dass es Lebensformen für solche Berufungen gibt. Es entwickeln sich neue Lebensformen, so dass zu hoffen ist, dass der Herr auch heute die notwendigen Berufungen für das Leben der Kirche und der Welt gewähren wird.

[Auf den Wortbeitrag des Seelsorgers der örtlichen Strafvollzugsanstalt, die 260 Personen aus 30 Nationen umfasst, antwortete Benedikt XVI. wie folgt:]

Danke für Ihre sehr bedeutsamen und bewegenden Worte. Vor meiner Abfahrt hatte ich Gelegenheit, mit dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Kardinal Martino, zu sprechen, der ein Dokument über das Problem unserer inhaftierten Brüder und Schwestern ausarbeitet, die leiden und sich manchmal in ihren Menschenrechten wenig geachtet fühlen. Sie fühlen sich mitunter sogar verachtet und leben in einer Situation, in der wirklich die Gegenwart Christi nötig ist. Im Evangelium nach Matthäus, 25, in der Vorwegnahme des jüngsten Gerichts, spricht Jesus ausdrücklich von dieser Situation: Ich war im Gefängnis, und du hast mich nicht besucht; ich war im Gefängnis, und du hast mich besucht.

Ich bin Ihnen also wirklich dankbar, dass Sie diese Bedrohungen der Menschenwürde, die unter solchen Umständen entstehen, angesprochen haben, damit auch wir als Priester lernen, Brüder dieser "Geringsten" zu sein, und dass es sehr wichtig ist, auch in ihnen den Herrn zu sehen, der auf uns wartet. Ich habe zusammen mit Kardinal Martino die Absicht, auch ein offizielles Wort über diese besonderen Situationen zu sagen, die ein Auftrag für die Kirche, für den Glauben, für ihre Liebe sind. Ich bin auch dankbar, dass Sie sagten, es sei nicht so wichtig, was man tut, sondern es sei wichtig, was wir in unserem priesterlichen Dienst sind. Zweifellos müssen wir viele Dinge tun und dürfen der Trägheit nicht nachgeben, aber unser ganzes Bemühen trägt nur dann Frucht, wenn es Ausdruck dessen ist, was wir sind: Wenn in unserem Tun unser tiefes Einssein mit Christus durchscheint: Werkzeug Christi sein; Mund, durch den Christus spricht; Hand, durch die Christus handelt. Das Sein überzeugt, und das Tun überzeugt nur, so weit es wirklich Frucht und Ausdruck des Seins ist.

[Ein anderer Priester schnitt das Thema der Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen an. Hier die Antwort des Heiligen Vaters:]

Wir alle wissen, dass das ein besonders schmerzliches Problem für die Personen ist, die in Situationen leben, in denen sie vom Empfang der eucharistischen Kommunion ausgeschlossen sind, und ein ebenso schmerzliches Problem für die Priester, die diesen Personen helfen wollen, die Kirche zu lieben, Christus zu lieben. Hier ergibt sich eine Schwierigkeit.

Keiner von uns besitzt ein Patentrezept, auch weil sich die Situationen immer unterscheiden. Besonders schmerzlich würde ich die Situation derer nennen, die kirchlich verheiratet, aber nicht wirklich gläubig waren und es aus Tradition taten, sich aber dann in einer neuen nichtgültigen Ehe bekehren, zum Glauben finden und sich vom Sakrament ausgeschlossen fühlen. Das ist wirklich ein großes Leid, und als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre lud ich verschiedene Bischofskonferenzen und Spezialisten ein, dieses Problem zu untersuchen: ein ohne Glauben gefeiertes Sakrament. Ich wage nicht zu sagen, ob man hier tatsächlich ein Moment der Ungültigkeit finden kann, weil dem Sakrament eine grundlegende Dimension gefehlt hat. Ich persönlich dachte es, aber aus den Debatten, die wir hatten, verstand ich, dass es ein sehr schwieriges Problem ist und dass es noch vertieft werden muss. Weil aber diese Personen in einer leidvollen Situation sind, muss es vertieft werden.

Ich wage jetzt nicht, eine Antwort zu geben, auf jeden Fall scheinen mir zwei Aspekte sehr wichtig. Der erste: Obwohl sie die sakramentale Kommunion nicht empfangen können, sind sie doch nicht von der Liebe der Kirche und der Liebe Christi ausgeschlossen. Eine Eucharistie ohne gleichzeitige sakramentale Kommunion ist zwar nicht vollständig, es fehlt etwas Wesentliches. Aber es stimmt auch, dass die Teilnahme an der Eucharistie ohne eucharistische Kommunion ihren Wert hat: Sie bedeutet immer, in das Geheimnis des Kreuzes und der Auferstehung Christi einbezogen zu sein. Sie ist immer Teilhabe am heiligen Sakrament in der spirituellen und pneumatischen Dimension; auch in der ekklesialen Dimension, wenn auch nicht direkt sakramentalen. Und weil es das Sakrament des Leidens Christi ist, umfängt der leidende Christus diese Personen in besonderer Weise und kommuniziert mit ihnen in anderer Weise, und sie dürfen sich also vom gekreuzigten Herrn umfangen fühlen, der zu Boden fällt und stirbt und für sie und mit ihnen leidet. Es ist deshalb notwendig, verständlich zu machen, dass sie, obwohl leider eine grundlegende Dimension fehlt, nicht vom tiefen Geheimnis der Eucharistie, von der Liebe des hier gegenwärtigen Christus ausgeschlossen sind. Das scheint mir wichtig. Ebenso wichtig ist es, dass der Pfarrer und die Pfarrgemeinde diesen Personen zu verstehen geben, dass wir einerseits die Untrennbarkeit des Sakraments respektieren müssen und anderseits, dass wir diese Personen lieben, die auch für uns leiden. Und wir müssen auch mit ihnen leiden, weil sie ein wichtiges Zeugnis geben, weil wir wissen, dass man in dem Augenblick, wo man aus Liebe nachgibt, dem Sakrament Unrecht tut, und die Unauflöslichkeit erscheint immer weniger wahr.

Wir kennen das Problem nicht nur der protestantischen Gemeinschaften, sondern auch der orthodoxen Kirchen, die oft als Vorbild dargestellt werden, in dem man die Möglichkeit hat, wieder zu heiraten. Aber nur die erste Ehe ist sakramental; auch sie erkennen an, dass die weiteren Eheschließungen kein Sakrament sind, sondern verkürzte, eingeschränkte Ehen in einer Situation der Buße; die Personen dürfen zur Kommunion gehen, aber sie wissen, dass es "in economia" – wie sie sagen – aus Barmherzigkeit erlaubt ist, dass sich aber die Tatsache nicht ändert, dass ihre zweite Ehe kein Sakrament ist. Ein weiterer Punkt in den orientalischen Kirchen besteht darin, dass für diese Ehen mit großer Leichtigkeit die Möglichkeit der Ehescheidung gewährt wurde und dass damit das Prinzip der Unauflöslichkeit, der wahren Sakramentalität der Ehe schwer verletzt wird. Auf der einen Seite gibt es das Wohl der Gemeinschaft und das Gut des Sakraments, das wir achten müssen, und auf der anderen Seite das Leiden der Personen, denen wir helfen sollen.

Der zweite Punkt, den wir lehren und durch unser Leben glaubwürdig machen müssen, ist, dass das Leiden in verschiedenen Formen zwangsläufig zu unserem Leben gehört. Es ist ein edles Leiden, würde ich sagen. Wiederum muss man verständlich machen, dass das Vergnügen nicht alles ist; dass das Christentum uns Freude schenkt, wie die Liebe Freude schenkt. Aber die Liebe ist auch immer Selbstverzicht. Der Herr selbst hat uns die Formel dafür gegeben, was die Liebe ist: Wer sich selbst verliert, findet sich; wer sich selbst gewinnt und bewahrt, verliert sich. Es ist immer ein Exodus und deshalb auch ein Leiden. Die wahre Freude unterscheidet sich vom Vergnügen; die Freude wächst und reift immer im Leiden in Gemeinschaft mit dem Kreuz Christi. Nur hier entsteht die wahre Freude des Glaubens, von der auch diese Personen nicht ausgeschlossen sind, wenn sie lernen, ihr Leiden in Gemeinschaft mit dem Leiden Christi anzunehmen.

[Den Priestern, die um eine Klärung hinsichtlich der Spendung des Taufsakraments in besonderen Situationen und über das "Kompendium des Katechismus" baten, gab der Heilige Vater folgende Antwort:]

Die erste Frage ist sehr schwierig, und ich hatte schon Gelegenheit, mich als Erzbischof von München damit zu befassen, denn wir hatten solche Fälle. Vor allem ist jeder Fall einzeln zu klären: Ob das Hindernis für die Taufe so ist, dass man sie nicht ohne Missbrauch des Sakraments spenden könnte, oder ob die Situation es erlaubt, auch in einem Kontext von Problemen zu sagen, dieser Mensch hat sich wirklich bekehrt, er hat den vollen Glauben, er will den Glauben der Kirche leben, er will getauft werden. Ich denke, wenn man jetzt eine allgemeine Formel angibt, dann entspricht sie nicht der Vielfalt der wirklichen Situationen. Wir versuchen natürlich, das Möglichste zu tun, um einer Person, die mit vollem Glauben darum bittet, die Taufe zu spenden, aber sagen wir, dass jeder Fall einzeln geprüft werden muss.

Der Wunsch der Kirche soll es sein, eine Person zu taufen, wenn sie sich wirklich bekehrt hat, die Taufe empfangen und sich in die Gemeinschaft Christi und der Kirche eingliedern will. Die Kirche sollte offen sein, wenn keine Hindernisse bestehen, die der Taufe widersprechen. Also eine Möglichkeit suchen, und wenn die Person wirklich überzeugt ist, wenn sie mit ganzem Herzen glaubt, befinden wir uns nicht im Relativismus.

Zweiter Punkt: Wir wissen alle, dass in der kulturellen und geistigen Situation, von der wir zu Beginn gesprochen haben, die Katechese sehr schwierig geworden ist. Einerseits benötigt sie neue Kontexte, um verstanden und in diese Kontexte eingefügt zu werden, damit ersichtlich wird, dass das wahr ist und das Heute und das Morgen betrifft; anderseits wurde also eine notwendige Einfügung in den Kontext der Katechismen der einzelnen Bischofskonferenzen vorgenommen.

Es sind jedoch klare Antworten notwendig, damit man sehen kann, dass das der Glaube ist und dass das Übrige Einfügungen in den Kontext sind – einfach zum besseren Verständnis. So ist eine "Querelle" in der katechistischen Welt entstanden zwischen Katechismus im klassischen Sinn und den neuen Instrumenten der Katechese. Es ist einerseits wahr – ich spreche jetzt nur von der deutschen Erfahrung –, dass viele dieser Bücher nicht das Ziel erreicht haben: Sie haben den Boden bereitet, aber sie waren so beschäftigt mit der Vorbereitung des Bodens durch den Weg, auf dem die Person vorangeht, dass sie am Ende keine Antwort gegeben haben. Anderseits erschienen die klassischen Katechismen so in sich selbst verschlossen, dass die wahre Antwort den Verstand des Katechumenen von heute nicht mehr berührt hat.

Am Ende haben wir die pluridimensionale Aufgabe übernommen: Wir haben den "Katechismus der Katholischen Kirche" erstellt, der einerseits die notwendigen kulturellen Einfügungen in den Kontext enthält, aber auch genaue Antworten gibt. Wir haben ihn mit der Erkenntnis geschrieben, dass von diesem Katechismus bis zur konkreten Katechese noch ein schwieriger Weg zu gehen ist. Aber wir haben auch verstanden, dass die sprachlichen, kulturellen und sozialen Situationen in den einzelnen Ländern und auch innerhalb eines Landes in den verschiedenen sozialen Gruppierungen unterschiedlich sind und dass es hier Aufgabe des Bischofs oder der Bischofskonferenz und des Katechisten selbst ist, dieses letzte Wegstück zu gehen. Unsere Position war: Das ist der Bezugspunkt für alle; hier sieht man, wie die Kirche glaubt. Dann mögen die Bischofskonferenzen die Instrumente schaffen, sie auf die kulturelle Situation anwenden und den Weg gehen, der noch zurückzulegen ist. Und am Ende muss der Katechist selbst die letzten Schritte gehen, und vielleicht werden auch für diese letzten Schritte die passenden Instrumente angeboten.

Nach einigen Jahren haben wir eine Versammlung abgehalten, in der uns die Katechisten aus aller Welt berichtet haben, dass der Katechismus gut gelungen ist und dass er als Buch notwendig war; dass er hilft, die Schönheit, die Einheitlichkeit und Vollkommenheit des Glaubens zu vermitteln, dass sie aber noch eine Zusammenfassung brauchen. Der Heilige Vater Johannes Paul II. nahm das Ergebnis dieser Versammlung zur Kenntnis. Er beauftragte eine Kommission, dieses Kompendium, das heißt, eine Zusammenfassung des großen Katechismus, zu erstellen, auf den es sich bezieht, indem es einen Auszug des Wesentlichen anbietet. Anfangs wollten wir in der Redaktion des Kompendiums noch knapper sein, aber am Ende haben wir erkannt, dass, um wirklich in unserer Zeit das für jeden Katechisten Wesentliche, das Notwendige zu sagen, das war, was wir gesagt haben. Wir haben auch Gebete hinzugefügt. Und ich denke, dass es wirklich ein sehr nützliches Buch ist, wo man die "Summa" dessen findet, was im großen Katechismus enthalten ist, und in diesem Sinn scheint mir, dass es dem Katechismus von Pius X. entspricht.

Zu erledigen ist noch die Aufgabe der einzelnen Bischöfe und der Bischofskonferenzen, dass sie den Priestern und allen Katechisten bei der Arbeit mit diesem Buch helfen und dabei, dass sie als Brücke zu einer bestimmten Gruppe dienen. Denn die Art zu sprechen, zu denken und zu verstehen ist sehr unterschiedlich, nicht nur zwischen Italien, Frankreich, Deutschland und Afrika, sondern auch innerhalb eines Landes ist die Aufnahmefähigkeit verschieden. Es bleiben also als Instrumente für die universale Kirche der "Katechismus der Katholischen Kirche" und das "Kompendium" mit dem Auszug des Wesentlichen des Katechismus. Wir brauchen immer auch die Mitarbeit der Bischöfe, die mit den Priestern und Katechisten Kontakt haben, damit wir alle notwendigen Werkzeuge finden, um in dieser Aussaat des Wortes gut zu arbeiten.

Ich möchte für eure Fragen danken, weil sie mir helfen, über die Zukunft nachzudenken, und vor allem für diese Erfahrung der Gemeinschaft mit einem großartigen Presbyterium einer wunderschönen Diözese. Danke.

[Die Begegnung endete mit dem Lied "Je te salue, Marie". Vom Heiligen Stuhl veröffentlichte deutsche Übersetzung des italienischen Originals]