Ansprache von Benedikt XVI. vor dem Angelus vom 30. September 2011

Spuren des Katholischen können auch außerhalb der Kirche sichtbar werden

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VATIKANSTADT, 30. September 2012 (ZENIT.org).-Im Innenhof des Apostolischen Palast von Castel Gandolfo betete Papst Benedikt XVI. gemeinsam mit den anwesenden Gläubigen und Pilgern den Angelus. In seiner traditionellen Ansprache zur Auslegung des Sonntagsevangeliums erklärte der Heilige Vater, Jesus habe seinen Jüngern die Lektion erteilt, dass sich Gottes gute und wunderbare Werke auch außerhalb ihres Kreises offenbaren könnten. „Daher müssen die Mitglieder der Kirche nicht eifersüchtig sein, sondern sich darüber freuen, wenn jemand von außen das Gute im Namen Christi vollbringt", so der Papst.

[Wir dokumentieren die Ansprache im Wortlaut in einer eigenen Übersetzung:]

Liebe Brüder und Schwestern!

Das Evangelium vom heutigen Sonntag enthält eines jener Ereignisse im Leben Christi, die einer Übergangsphase zugeordnet werden können, aber eine tiefe Bedeutung enthalten (vgl. Mk 9,38-41). Die Geschichte erzählt von einem Mann, der nicht zu den Anhängern Jesu zählte, aber in seinem Namen Dämonen ausgetrieben hatte. Der Apostel Johannes, jung und eifrig wie er war, wollte ihm dies verbieten, doch Jesus ließ es zu und nahm den Vorfall sogar zum Anlass, seinen Jüngern eine Lektion zu erteilen. So lehrte er sie, dass sich Gottes gute und wunderbare Werke auch außerhalb ihres Kreises offenbaren können, und dass der Beitrag für das Reich Gottes auf unterschiedliche Weise geleistet werden kann, beispielsweise indem einem Missionar ein Glas Wasser geboten wird. (Mk 9,41). Der Heilige Augustinus schrieb dazu folgendes: „Ebenso wie in der katholischen Kirche auch Nichtkatholisches vorhanden sein kann, so können die Spuren des Katholischen auch außerhalb der katholischen Kirche sichtbar werden (Augustinus, „Sul battesimo contro i donatisti“: PL 43, VII, 39, 77. Eigene Übersetzung)“ Daher müssen die Mitglieder der Kirche nicht eifersüchtig sein, sondern sich darüber freuen, wenn jemand von außen das Gute im Namen Christi vollbringt; vorausgesetzt, es geschieht mit der rechten Absicht und im Geiste des Respekts. Auch innerhalb der Kirche kann es manchmal schwierig sein, die guten Werke der verschiedenen kirchlichen Realitäten im Geiste eines tief empfundenen Miteinanders zu erschließen und zu schätzen. Wir alle sollen aber stets fähig sein, uns gegenseitig mit Achtung und Wertschätzung entgegen zu bringen und den Herrn für die unerschöpfliche „Fantasie“ bei seinem Wirken in der Kirche und in der Welt zu preisen.

In der heutigen Liturgie begegnen wir auch der Schmähung, die der Apostel Jakobus gegen die reichen und unehrlichen Menschen richtet; jene, die ihre Sicherheit in den durch Missbrauch angesammelten Schätzen gründen (vgl. Jak 5,1-6). In diesem Zusammenhang hat Cäsar von Arles in einer Rede folgendes betont: „Der Reichtum kann keinem guten Menschen etwas Schlechtes tun, denn er schenkt ihn mit Barmherzigkeit. Ebenso kann er keinem bösen Menschen nützen, solange er ihn geizig für sich behält oder ihn zur Zerstreuung verschwendet („Sermoni“, Predigten, 35,4. Eigene Übersetzung). Die Worte des Apostels Jakobus warnen von dem eitlen Streben nach materiellen Gütern und sind ein lauter Aufruf an uns, diese im Lichte der  Solidarität und des allgemeinen Wohls zu verwenden, und auf allen Ebenen unseres Handelns stets Gleichbehandlung und Moral walten zu lassen.

Liebe Freunde, auf die Fürsprache der hl. Maria erheben wir unser Gebet, auf dass wir keinen Neid und keine Eifersucht, sondern Freude über jede Geste und jede Initiative des Guten empfinden und die irdischen Güter auf der beständigen Suche nach den ewigen Gütern weise einsetzen mögen.

Nach dem Angelus richtete sich Benedikt XVI. an die italienischsprachigen Pilger und gab seiner Sorge über die aktuelle Situation im Kongo Ausdruck:

Liebe Brüder und Schwestern!

Mit Zuneigung und Sorge verfolge ich die Situation der Bevölkerung im Osten der Demokratischen Republik Kongo, die dieser Tage im Mittelpunkt  einer hochrangigen Versammlung der Vereinten Nationen steht. Meine Gedanken sind besonders bei den Flüchtlingen, bei den Frauen und Kindern, die aufgrund der andauernden bewaffneten Konflikte Leid, Gewalt und tiefes Unbehagen erfahren. Ich erhebe mein Gebet zu Gott, auf dass Wege des friedlichen Dialog und zum Schutz vieler Unschuldiger gefunden werden können und auf dem Grund der Gerechtigkeit der Friede bald wieder gedeihen könne und das brüderliche Zusammenleben in dieser geprüften Bevölkerung und in der gesamten Region wieder hergestellt werden könne.  

 [Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Papst mit folgenden Worten:]

Mit Freude grüße ich die deutschsprachigen Pilger hier in Castel Gandolfo und alle, die über Rundfunk und Fernsehen mit uns verbunden sind. Gottes Geist schafft Leben und lässt Gutes wachsen. Er ist auch dort am Werk, wo wir es vielleicht nicht erwarten. In der Taufe und in der Firmung haben wir den Heiligen Geist empfangen, der uns fähig macht, das Gute zu tun und das Böse zu meiden. Lassen wir nicht zu, dass diese Gabe durch Sünde und Nachlässigkeit verschüttet wird. Wenn wir sein Licht in uns aufnehmen, können wir Werkzeug des Heiligen Geistes sein und mithelfen, dass Gottes Kraft und Liebe die Welt verwandeln. Der Heilige Geist leite uns auf allen unsern Wegen

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner © 2012 - Libreria Editrice Vaticana]