Ansprache von Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, bei der 13. Generalkongregation

Märtyrer aller christlichen Bekenner Same der Neuevangelisierung

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VATIKANSTADT, 24. Oktober 2012 (ZENIT.org). – Bei der 13. Generalkongregation der Bischofssynode hat der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, als ökumenische Dimension der Neuevangelisierung die Einheit der Christen hervorgehoben. Hier sei das Blut der Märtyrer, wie es der selige Johannes Paul II. bereits betont hatte, der Märtyrer aller christlichen Glaubenszeugen, Same für die Evangelisierung.

[Wir dokumentieren die Ansprache im Wortlaut:]
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„Die Herausforderung der Neuevangelisierung ruft die universale Kirche auf den Plan und macht es auch erforderlich, dass wir mit aller Kraft fortfahren, nach der vollen Einheit unter den Christen zu suchen.” (Benedikt XVI., La Chiesa è un immensa forza rinnovatrice. La celebrazione dei primi vespri della solennità dei Santi Pietro e Paolo il 28 giugno 2010, in: Insegnamenti di Benedetto XVI., VI, 1 2010 (Città del Vaticano 2011), 984-987, hier S. 987).

Mit diesen Worten hat Papst Benedikt XVI. die Gründung des Päpstlichen Rats zur Förderung der Neuevangelisierung angekündigt. Die Universalkirche wird ganz besonders von der hier versammelten Bischofssynode auf den Plan gerufen. Die Präsenz der Bruderdelegierten und ihr Beitrag zur Synode, für den ich zutiefst dankbar bin, erinnert uns an die zweite Aufforderung, nämlich die Erfordernis, dass die Neuevangelisierung eine ökumenische Dimension haben sollte.

Die unauflösliche Verbindung zwischen der Evangelisierung und den Bemühungen um die Einheit der Christen war bereits dem 2. Vatikanischen Konzil bekannt. Das Konzilsdekret über die Ökumene geht von der Überzeugung aus, dass die Spaltung der Christenheit „ein Ärgernis für die Welt” sei und „ein Schaden für die heilige Sache der Verkündigung des Evangeliums vor allen Geschöpfen” (Unitatis Redintegratio, Nr. 1). Von seinem ersten Satz an bekräftigt das Dekret folglich, dass „die Einheit aller Christen wiederherstellen zu helfen eine der Hauptaufgaben des Heiligen Ökumenischen Zweiten Vatikanischen Konzils (ist).” Ökumene und Evangelisierung werden immer zusammen gesehen. Es würde ein schönes Zeichen setzen, wenn von dieser Bischofssynode eine Einladung an andere Kirchen und christlichen Gemeinschaften geschickt würde, die Neuevangelisierung als gemeinsame Aufgabe zu verstehen und gemeinsam und noch entschiedener Zeugnis für Jesus Christus abzulegen.

Die glaubwürdigsten Glaubenszeugen sind die Märtyrer, die ihr Leben für Christus gegeben haben. Deshalb möchte ich auch an jene tiefe Dimension der Ökumene erinnern, die dem seligen Papst Johannes Paul II. so sehr am Herzen lag, nämlich die Ökumene der Märtyrer. Im Bewusstsein der Tatsache, dass heutzutage alle Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften ihre Märtyrer haben, hat Papst Johannes Paul II. in den Märtyrern „den bedeutendsten Beweis dafür (gesehen), dass in der Ganzhingabe seiner selbst an die Sache des Evangeliums jedes Element der Spaltung bewältigt und überwunden werden kann” (Johannes Paul II., Ut unum sint, Nr. 1).

Solange wir Christen immer noch in einer unvollkommenen Gemeinschaft auf dieser Erde leben, leben die Märtyrer in der himmlischen Seligkeit bereits in vollkommener Gemeinschaft. Deshalb können wir uns mit der Hoffnung trösten, dass das Blut der Märtyrer unserer Zeit eines Tages zum Samen der vollen Einheit im Leib Christi werden möge. Und diese Hoffnung wollen wir gemeinsam durch eine glaubwürdige, neue Evangelisierung bezeugen.