Ansprache von Papst Benedikt XVI. an die ehrenamtlichen Helfer

„Wieviel Opfer, wieviel Liebe!“

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MADRID, 21. August 2011 (ZENIT.org). – Am Nachmittag seines letzten Tages in Madrid traf der Papst mit einigen der ehrenamtlichen Helfer zusammen, die sich in den Dienst des Weltjugendtages gestellt hatten.

Wir veröffentlichen den gesamten Wortlaut seiner Ansprache in der offiziellen deutschen Übersetzung.

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Liebe ehrenamtliche Helfer!

Zum Abschluss dieses unvergesslichen Weltjugendtags wollte ich vor meiner Rückkehr nach Rom hier Halt machen, um euch von Herzen für euren wertvollen Dienst zu danken. Das ist ein Gebot der Gerechtigkeit und ein Herzensanliegen. Ein Gebot der Gerechtigkeit, weil dank eurer Mitarbeit die jungen Pilger einen herzlichen Empfang und Hilfe in all ihren Bedürfnissen erhalten konnten. Mit eurem Dienst habt ihr dem Weltjugendtag das Gesicht der Liebenswürdigkeit, des Wohlwollens und der Sorge für die anderen gegeben.

Meine Dankbarkeit ist auch ein Herzensanliegen, denn eure Aufmerksamkeit galt nicht nur den Pilgern, sondern auch dem Papst. Bei allen Veranstaltungen, an denen ich teilgenommen habe, wart ihr da – einige sichtbar, andere im Hintergrund – und habt die notwendige Ordnung ermöglicht, damit alles gut verlaufen konnte. Auch die Anstrengung der Vorbereitung dieser Tage darf ich nicht vergessen. Wie viele Opfer, wieviel Liebe! Alle, jeder nach seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten, habt ihr jeweils mit eurer Arbeit und mit dem Gebet das wunderschöne, vielfarbige Bild dieses Weltjugendtags gewebt. Danke für euren Einsatz! Ich bin euch dankbar für diese tiefe Geste der Liebe.

Viele von euch mussten darauf verzichten, unmittelbar an den verschiedenen Veranstaltungen teilzunehmen, weil sie mit anderen organisatorischen Aufgaben beschäftigt waren. Doch dieser Verzicht war eine sehr schöne und dem Evangelium gemäße Weise der Teilnahme am Weltjugendtag: die der Aufmerksamkeit für die anderen, von der Jesus spricht. In gewisser Weise habt ihr das Wort des Herrn verwirklicht: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein" (Mk 9,35). Ich bin sicher, dass diese Erfahrung als Freiwillige euch alle bereichert hat in eurem christlichen Leben, das grundsätzlich ein Dienst der Liebe ist. Der Herr wird eure angesammelte Müdigkeit, die Sorgen und die Last vieler Augenblicke in Früchte christlicher Tugenden verwandeln: in Geduld, Milde, Freude in der Hingabe an die anderen, Bereitschaft, den Willen Gottes zu tun. Lieben ist dienen, und der Dienst steigert die Liebe. Ich denke, das ist eine der schönsten Früchte eures Beitrags zum Weltjugendtag. Diese Frucht aber erntet nicht nur ihr, sondern die ganze Kirche, die, insofern sie Geheimnis der Gemeinschaft ist, durch den Beitrag eines jeden ihrer Glieder bereichert wird.

Wenn ihr nun in euer gewöhnliches Leben zurückkehrt, ermutige ich euch, diese frohe Erfahrung in eurem Herzen zu bewahren und jeden Tag in eurer Selbsthingabe an Gott und an die Menschen weiter zu wachsen. Möglicherweise ist in vielen von euch zaghaft oder mit Kraft eine ganz einfache Frage deutlich geworden: Was will Gott von mir? Was ist sein Plan für mein Leben? Ruft Christus mich in die engere Nachfolge? Könnte ich nicht mein ganzes Leben der Aufgabe widmen, im Priestertum, im geweihten Leben oder in der Ehe der Welt die Größe seiner Liebe zu verkünden? Wenn diese Unruhe aufgekommen ist, lasst euch vom Herrn führen und gebt euch freiwillig in den Dienst dessen, der „nicht gekommen [ist], um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele" (Mk 10,45).

Euer Leben wird eine unerwartete Fülle erreichen. Vielleicht denkt jetzt jemand: Der Papst ist gekommen, um uns zu danken, und jetzt verlangt er etwas. Ja, so ist es. Das ist die Sendung des Papstes, des Nachfolgers Petri. Und vergesst nicht, dass Petrus in seinem ersten Brief die Christen an den Preis erinnert, mit dem sie losgekauft worden sind: mit dem Blut Christi (vgl. 1 Petr 1,18-19). Wer sein Leben aus dieser Perspektive bewertet, weiß, dass man auf die Liebe Christi nur mit Liebe antworten kann, und das ist es, was der Papst in diesem Abschied von euch erbittet: dass ihr mit Liebe dem antwortet, der sich aus Liebe für euch hingegeben hat. Danke noch einmal, und möge Gott immer mit euch sein!

[© Copyright 2011 – Libreria Editrice Vaticana]