Ansprache von Papst Benedikt XVI. an die Mitarbeiter der Flughafenseelsorge

Eröffnung des 15. Weltseminars der Flughafenseelsorge

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VATIKANSTADT, 12. Juni 2012 (ZENIT.org). – Papst Benedikt XVI. hat am Montag die Teilnehmer am 15. Weltseminar der Flughafenseelsorge, organisiert vom Päpstlichen Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs, in einer Audienz empfangen. Unter ihnen war auch der Präsident des Dikasteriums, Kardinal Antonio Maria Vegliò. Das Treffen hat das Ziel, über neue Methoden und Ausdrucksformen der Evangelisierungstätigkeit zu beraten. Der Heilige Vater rief die Teilnehmer auf, ihren besonderen kirchlichen Dienst an den Flughäfen - Orten, die immer mehr die globalisierte Wirklichkeit unserer Zeit widerspiegelten -, mit frischem Eifer und Enthusiasmus voranzubringen.

[Wir dokumentieren die Ansprache in der offiziellen deutschen Übersetzung:]

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Sehr geehrter Herr Kardinal,
liebe Seelsorger und Mitarbeiter in der Flughafenseelsorge,
liebe Brüder und Schwestern,

ich freue mich, Sie zur Eröffnung des 15. Weltseminars der katholischen Seelsorger und Mitarbeiter in der Flughafenpastoral zu empfangen, das vom Päpstlichen Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs organisiert worden ist und unter dem Thema „Die Neuevangelisierung in der Welt der zivilen Luftfahrt" steht. Herzlich begrüße ich den Präsidenten des Dikasteriums, Kardinal Antonio Maria Vegliò, und danke ihm für die Worte, die er an mich gerichtet hat. Von Herzen grüße ich Sie alle, die Sie an diesen Tagen des Gebetes, des Studiums und des Austauschs teilnehmen, um die geistlichen Beweggründe erneut zu bekräftigen und zu vertiefen, die Sie dazu anregen, Ihren besonderen kirchlichen Dienst an den Flughäfen, die immer mehr die globalisierte Wirklichkeit unserer Zeit widerspiegeln, mit frischem Eifer und Enthusiasmus voranzubringen.

Mit Freude habe ich erfahren, dass Sie – auch dank der Hilfe angesehener Referenten – in diesem Seminar über neue Methoden und neue Ausdrucksformen der Evangelisierungstätigkeit in dem Bereich, in dem Sie Ihren Dienst ausüben, nachdenken wollen. Liebe Freunde, seien Sie sich immer deutlich bewusst, dass Sie berufen sind, auf den Flughäfen der Welt die eigentliche Sendung der Kirche zu vergegenwärtigen, nämlich Gott zum Menschen zu tragen und den Menschen zur Begegnung mit Gott zu führen. Und die Flughäfen sind Orte, die immer mehr die globalisierte Wirklichkeit unserer Zeit widerspiegeln. In ihnen begegnet man Menschen verschiedener Nationalität, Kultur, Religion, Gesellschaftsschicht und Altersgruppe, aber man begegnet auch unterschiedlichen und nicht einfachen menschlichen Situationen, die immer größere Aufmerksamkeit erfordern. Ich denke dabei zum Beispiel an diejenigen, die als Migranten oder Asylbewerber eine angstvolle Wartezeit erleben in dem Versuch, ohne die nötigen Dokumente eine Grenze zu überschreiten; ich denke an die Unannehmlichkeiten, die durch die Maßnahmen zur Verhinderung terroristischer Handlungen verursacht werden. Und dann spiegelt sich auch in der Welt des Flughafens die Glaubenskrise wider, die viele Menschen ergreift; die Inhalte der christlichen Lehre und die Werte, die sie vermittelt, werden selbst in Ländern mit einer langen Tradition kirchlichen Lebens nicht mehr als Bezugspunkte angesehen. In diesem menschlichen und spirituellen Kontext sind Sie berufen, mit neuer Kraft die Frohe Botschaft zu verkünden, mit dem Wort, mit Ihrer Anwesenheit, mit Ihrem Beispiel und mit Ihrem Zeugnis, in dem Bewusstsein, dass die Menschen trotz der Zufälligkeit der Begegnung in ihrem Gegenüber dessen Verbindung mit Gott zu erkennen vermögen und dass oft auch ein kleiner Same in einem aufnahmebereiten Erdreich aufgehen und reiche Frucht bringen kann.

Auf den Flughäfen haben Sie außerdem die Möglichkeit, täglich mit vielen Menschen – Männern und Frauen – in Berührung zu kommen, die in einem Bereich arbeiten, in dem sowohl die fortdauernde Mobilität als auch die ständig fortschreitende Technologie die Vorrangstellung zu verdunkeln droht, die dem Menschen zusteht; oft wird der Effizienz und der Produktivität die größere Aufmerksamkeit geschenkt auf Kosten der Nächstenliebe und der Solidarität, die jedoch stets die menschlichen Beziehungen kennzeichnen müssen. Auch darin ist Ihre Anwesenheit wichtig und wertvoll: Sie ist ein lebendiges Zeugnis eines Gottes, der dem Menschen nahe ist; und sie ist ein Aufruf, gegenüber demjenigen, dem man begegnet, niemals gleichgültig zu sein, sondern ihn hilfsbereit und liebevoll zu behandeln. Ich ermutige Sie, ein leuchtendes Zeichen dieser Liebe Christi zu sein, die frohe Gelassenheit und Frieden bringt.

Liebe Freunde, sorgen Sie dafür, dass jeder Mensch, gleich welcher Nationalität oder sozialen Lage, in Ihnen ein aufnahmebereites Herz findet, das fähig ist zuzuhören und zu verstehen. Mögen alle durch Ihr Leben als Christen und Seelsorger die Liebe spüren können, die von Gott kommt, damit jeder zu einer neuen und vertieften Beziehung zu Christus geführt werde, der es nicht versäumt, zu denen zu sprechen, die sich ihm vertrauensvoll öffnen, besonders im Gebet. Darauf beruht die Bedeutung der Flughafenkapellen als Orte der Stille und der geistlichen Stärkung.

In diesem Ihrem pastoralen Dienst haben Sie als Vorbild und Beschützerin die heilige Jungfrau, die Sie als Madonna von Loreto, die Patronin aller Flugreisenden, verehren, und das aufgrund der Überlieferung, nach der die Engel das Haus Marias von Nazareth nach Loreto transportiert haben. Es gibt aber noch einen anderen „Flug", den jenes heilige Haus bezeugt und der für die gesamte Menschheit von weit größerer Bedeutung ist, nämlich der des Erzengels Gabriel, der Maria die frohe Botschaft brachte, dass sie die Mutter des Sohnes des Höchsten werden sollte (vgl. Lk 1,26-32). So ist der Ewige in die Zeit eingetreten, Gott ist Mensch geworden und hat unter uns gewohnt (vgl. Joh 1,14). Es ist die Offenbarung der unendlichen Liebe Gottes zu seinem Geschöpf. Als wir noch Sünder waren, hat Gott seinen Sohn Jesus Christus gesandt, um uns durch seinen Tod und seine Auferstehung zu erlösen. Er ist nicht „in der Höhe" geblieben, sondern hat sich in die Freuden und in die Ängste der Menschen seiner Zeit und aller Zeiten hineinbegeben, indem er ihr Schicksal teilt und ihnen die Hoffnung zurückgibt.

Das ist die Sendung der Kirche: Jesus Christus, den einzigen Retter der Welt zu verkünden, „eine Aufgabe und Sendung", die nach den Worten des Dieners Gottes Pauls VI. durch „die umfassenden und tiefgreifenden Veränderungen der augenblicklichen Gesellschaft nur noch dringender" wird (Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi, 14). „Heute spüren wir sogar die dringende Notwendigkeit, mit neuer Kraft und in erneuerter Weise die Evangelisierungstätigkeit zu fördern, in einer Welt, in der die Aufhebung von Grenzen und die neuen Prozesse der Globalisierung die Personen und Völker einander noch stärker annähern, sowohl durch die Entwicklung der Kommunikationsmittel als auch durch die Häufigkeit und Leichtigkeit, mit denen einzelnen und Gruppen ein Ortwechsel ermöglicht wird" (Botschaft zum Welttag des Migranten und des Flüchtlings 2012).

Liebe Brüder und Schwestern, die tägliche Begegnung mit Jesus, dem Herrn, in der Feier der Eucharistie und im persönlichen Gebet gebe Ihnen die Begeisterung und die Kraft, Verkünder der Neuheit des Evangeliums zu sein, die die Herzen verwandelt und alles neu macht. Ich versichere Sie meines Gebetsgedenkens, damit sie wirksame Werkzeuge sein können, um den Ihrer Seelsorge anvertrauten Menschen zu helfen, die Schwelle der » Tür des Glaubens « zu überschreiten, indem Sie sie hinein begleiten in die Begegnung mit Christus, der in unserer Mitte lebt und wirkt. Mit diesen Wünschen erteile ich Ihnen gerne den Apostolischen Segen, den ich auf alle ausdehne, die an Ihrem Dienst teilhaben, wie auch auf alle, die zur weiten Welt der zivilen Luftfahrt gehören.

[© 2012 - Libreria Editrice Vaticana]