Ansprache von Papst Benedikt XVI. bei der Begrüßungszeremonie in Benin

Herzlicher Empfang durch den Präsidenten und kirchliche und zivile Autoritäten

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ROM, 18. November 2011 (ZENIT.org). – Papst Benedikt XVI. wurde nach seiner Ankunft auf dem „Kardinal Bernardin Gantin“-Flughafen um 15.00 Uhr vom Präsidenten der Republik Benin, Thomas Boni Yayi, und anderen zivilen und kirchlichen Würdenträgern in Empfang genommen. Bei der Begrüßungszeremonie hielt der Heilige Vater folgende Ansprache:

[Wir dokumentieren die offizielle Übersetzung im Wortlaut:]

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Sehr geehrter Herr Präsident!

Meine Herren Kardinäle!

Herr Vorsitzender der Bischofskonferenz von Benin!

Sehr geehrte Vertreter des öffentlichen Lebens, der Kirche und der Religionsgemeinschaften!

Liebe Freunde!

Ich danke Ihnen, Herr Präsident, für Ihre herzlichen Worte zum Empfang. Sie kennen die Zuneigung, die ich für Ihren Kontinent und Ihr Land hege. Es war mein Wunsch, nach Afrika zurückzukehren, und es bot sich mir ein dreifacher Beweggrund, diese Apostolische Reise zu verwirklichen. Da ist zuallererst Ihre freundliche Einladung, Herr Präsident, Ihr Land zu besuchen. Ihre Initiative ging Hand in Hand mit jener der Bischofskonferenz von Benin. Es fügt sich glücklich, dass diese in das Jahr fallen, in dem Benin den vierzigsten Jahrestag der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl wie auch das 150-Jahr-Jubiläum seiner Evangelisierung begeht. Hier nun bei Ihnen werde ich die Gelegenheit zu zahlreichen Begegnungen haben, und ich freue mich darüber. Sie werden alle verschieden sein und ihren Höhepunkt in der Eucharistiefeier finden, die ich vor meiner Abreise zelebrieren werde.

Desgleichen geht mein Wunsch in Erfüllung, auf afrikanischem Boden das Nachsynodale Apostolische Schreiben Africae munus zu übergeben. Seine Ausführungen werden in den nächsten Jahren das pastorale Wirken zahlreicher christlicher Gemeinschaften leiten. Dieses Dokument wird bei Ihnen aufsprießen, wachsen und Frucht bringen können „hundertfach, sechzigfach, dreißigfach", wie Jesus Christus sagt (Mt 13,23).

Schließlich gibt es einen dritten, mehr persönlichen oder gefühlsmäßigen Grund. Stets habe ich einen Sohn dieses Landes sehr geschätzt, nämlich Kardinal Bernardin Gantin. Viele Jahre haben wir beide, jeder gemäß seiner eigenen Zuständigkeiten, Dienst im gleichen Weinberg verrichtet. So gut wie möglich haben wir meinem Vorgänger, dem seligen Johannes Paul II., geholfen, seinen Petrusdienst auszuüben. Wir hatten Gelegenheit, uns oftmals zu treffen, eingehende Gespräche zu führen und zusammen zu beten. Kardinal Gantin hatte sich die Achtung und die Zuneigung vieler erworben. So schien es mir richtig, in sein Geburtsland zu kommen, um an seinem Grab zu beten und Benin dafür Dank zu sagen, daß es der Kirche diesen herausragenden Sohn geschenkt hat.

Benin ist ein Land altehrwürdiger und vornehmer Traditionen. Es hat eine bedeutende Geschichte. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, die traditionellen Häuptlinge zu grüßen. Ihr Beitrag ist wichtig, um die Zukunft dieses Landes zu gestalten. Es ist mein Wunsch, sie zu ermutigen, mit ihrer Weisheit und ihrer Kenntnis der Gebräuche am schwierigen Übergang von der Tradition zur Moderne, der sich gegenwärtig vollzieht, mitzuwirken.

Die Moderne darf nicht Angst machen, aber sie kann sich auch nicht auf dem Vergessen der Vergangenheit aufbauen. Sie muss begleitet sein von Bedachtsamkeit auf das Wohl aller, indem sie die Klippen meidet, die auf dem afrikanischen Kontinent und anderswo bestehen, wie zum Beispiel die unbedingte Unterwerfung unter die Gesetze des Marktes oder der Finanzwelt, den Nationalismus oder den verbitterten und unfruchtbaren Tribalismus, die mörderisch werden können, die extreme Politisierung der interreligiösen Spannungen auf Kosten des Gemeinwohls oder schließlich die Auflösung der menschlichen, kulturellen, ethischen und religiösen Werte. Der Übergang zur Moderne muss von sicheren Kriterien geleitet sein, die auf anerkannten Tugenden gründen – auf denen, die der Wahlspruch Ihres Landes anführt, aber auch auf jenen, die in der Würde der Person, in der Größe der Familie und in der Achtung des Lebens verankert sind. Alle diese Werte richten sich auf das Gemeinwohl, das allein an erster Stelle stehen und die Hauptsorge eines jeden Verantwortlichen darstellen muss. Gott hat Vertrauen in den Menschen und will sein Wohl. Es liegt an uns, ihm mit Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit auf der Höhe seines Vertrauens zu antworten.

Die Kirche leistet ihrerseits ihren besonderen Beitrag. Durch ihre Anwesenheit, ihr Gebet und ihre verschiedenen Werke der Barmherzigkeit, besonders im Bildungs- und Gesundheitsbereich, möchte sie das Beste, was sie hat, anbieten. Sie will dem Notleidenden und dem Gottsuchenden ihre Nähe erweisen. Sie möchte zeigen, dass Gott nicht inexistent oder nutzlos ist, wie man glauben machen will, sondern dass er der Freund des Menschen ist. In diesem Geist der Freundschaft und Brüderlichkeit komme ich in Ihr Land, Herr Präsident.

Gott segne Benin!

[© - Libreria Editrice Vaticana]