Ansprache von Papst Benedikt XVI. vor dem Angelus am 10. Februar 2013

Die menschliche Schwäche darf nicht ängstigen, wenn Gott ruft

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 1230 klicks

Der Heilige Vater Benedikt XVI. zeigte sich heute um 12.00 Uhr am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern den Angelus zu beten.

Der Papst sprach folgende Worte zur Einführung in das marianische Gebet:

[Wir dokumentieren die Ansprache in einer eigenen Übersetzung:]

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Liebe Brüder und Schwestern!

In der heutigen Liturgie begegnen wir der Erzählung von der Berufung der ersten Jünger aus dem Evangelium nach Lukas. Diese Version enthält im Vergleich zu jenen der anderen beiden Synoptiker Matthäus und Markus (vgl. Mt 4,18-22; Mk 1,16-20) eine Besonderheit. So vollziehen sich vor der Berufung die Lehre Jesu vor dem Volk und der wunderbare, durch den Willen des Herrn vollbrachte Fischfang (Lk 5,1-6).  Während das Volk sich an dem Ufer des Sees Gennesareth drängt, um seine Worte zu vernehmen, sieht Jesus, dass Simon entmutigt ist, weil er die ganze Nacht nichts gefangen hat. Zunächst bittet er Simon darum, ihn in sein Boot steigen zu lassen, damit er ein Stück weit vom Ufer entfernt vor den Menschen predigen könne. Nach Beendigung seiner Predigt erteilt er ihm den Auftrag, mit seinen Gefährten auf den See hinauszufahren und die Netze auszuwerfen (vgl. V. 5). Simon gehorcht und sie fangen eine unglaublich große Menge Fische. Auf diese Weise führt uns der Evangelist vor Augen, wie die ersten Jünger Jesu ihm vertrauensvoll nachfolgten und sich nach seinem von wundersamen Zeichen begleiteten Wort ausrichteten. Bei der Betrachtung der Erzählung erkennen wir, dass Simon sich vor diesem Zeichen mit „Meister“ an Jesus wendet (V. 5) und ihn danach mit „Herr“ anspricht (V. 7). Dabei handelt es sich um die Pädagogik der Berufung Gottes, der seinen Blick weniger auf die Fähigkeiten der Erwählten als auf deren Glauben richtet; wie auf jenen des Simon, der zu Jesus sagt: „Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen“ (V. 5).

Das Bild des Fischfangs verweist auf die Sendung der Kirche. In diesem Zusammenhang sei an folgenden Kommentar des hl. Augustinus erinnert: „Zwei Mal sind die Jünger nach dem Auftrag des Herrn zum Fischfang ausgefahren: das erste Mal vor der Passion, das zweite Mal nach der Auferstehung. In diesen beiden Ausfahrten zum Fischfang ist das Bild der gesamten Kirche enthalten: die Kirche so, wie sie jetzt ist, und so, wie sie nach der Auferstehung der Toten sein wird. Jetzt nimmt sie eine unzählige Schar auf, die Gute und Böse vereint; nach der Auferstehung wird sie nur noch aus Guten bestehen“ (Discorso 248,1; eigene Übersetzung). Die gewiss einzigartige Erfahrung des Petrus steht ebenso für die Berufung eines jeden Apostels des Evangeliums. Dieser darf bei der Verkündigung Christi an alle Menschen bis an die Grenzen der Welt nicht den Mut verlieren. Der heutige Text lässt jedoch auch über die Berufung zum Priestertum und zum geweihten Leben nachdenken. Diese Berufung ist das Werk Gottes. Der Mensch ist nicht der Urheber seiner Berufung, sondern antwortet auf den göttlichen Vorschlag; die menschliche Schwäche darf nicht ängstigen, wenn Gott ruft. Wir müssen Vertrauen in seine Stärke haben, die gerade in unserer Armut wirkt; wir müssen immer mehr auf die Macht seiner Barmherzigkeit vertrauen, die verwandelt und erneuert.  

Liebe Brüder und Schwestern, möge dieses Wort Gottes auch in uns und in unseren christlichen Gemeinden den Mut, das Vertrauen und die Kraft für die Verkündigung und für das Zeugnis des Evangeliums lebendig machen. Mögen uns Misserfolge und Schwierigkeiten nicht entmutigen: es liegt an uns, die Netze im Glauben auszuwerfen; alles andere vollbringt der Herr. Vertrauen wir auf die Fürsprache der Jungfrau Maria, der Königin der Apostel. Im Bewusstsein ihrer menschlichen Begrenztheit beantwortete sie den Ruf des Herrn durch ihr vollkommenes Sich-Anvertrauen: „Hier bin ich“. Lasset uns mit ihrer mütterlichen Hilfe unsere Bereitschaft erneuern, Jesus, dem Meister und Herrn nachzufolgen.

[Nach dem Angelus:]

Heute, am 10. Februar 2013, begehen verschiedene Völker des Fernen Ostens das Mond-Neujahrsfest. Im Mittelpunkt dieser frohen Begebenheit stehen die universellen Werte Friede, Harmonie und der Dank an den Himmel, die von allen für die Gründung der Familie und den Aufbau der Gesellschaft und des Landes erbeten werden. Es ist mein Wunsch, dass sich die  Hoffnung auf ein glückliches und reiches Leben dieser Völker erfüllen möge. Einen besonderen Gruß richte ich an die Katholiken in diesen Ländern, auf dass sie sich in diesem „Jahr des Glaubens“ von der Weisheit Christi führen lassen.

Morgen, am 11. Februar 2013, dem liturgischen Gedenktag Unserer Lieben Frau von Lourdes, wird der Weltkrankentag begangen. Das Hochfest wird in der Marienwallfahrtskirche von Altötting in Bayern begangen. Mit meinem Gebet und im Herzen erweise ich allen Kranken meine Nähe und verbinde mich im Geiste mit all jenen, die sich an diesem mir besonders lieben Wallfahrtsort versammeln werden

[Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Papst mit folgenden Worten:]

Ganz herzlich grüße ich alle Brüder und Schwestern deutscher Sprache, und mein besonderer Gruß geht von hier aus auch zu allen Kranken und zu jenen, die sich morgen zum Weltkrankentag in Altötting im Gebet versammeln. Den Weltkrankentag begeht die Kirche jedes Jahr am 11. Februar, dem Gedenktag Unserer Lieben Frau zu Lourdes. In Lourdes zeigte sich die Muttergottes dem armen Mädchen Bernadette Soubirous und wies auf eine Quelle hin, an der viele Kranke geheilt wurden. Maria will den Armen, Kranken und Bedürftigen aller Zeiten nahe sein und mit ihnen den Weg zu Christus, der Quelle des Lebens, gehen. Euch und eure Lieben, besonders die Kranken, empfehle ich der Fürsprache Mariens, Heil der Kranken und der Mutter allen Trostes. Gott segne euch alle