Ansprache von Papst Benedikt XVI. vor dem Angelus am 13. Januar 2013

Fest der Taufe des Herrn

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 1163 klicks

In seiner Ansprache vor dem Angelusgebet sprach der Heilige Vater heute über die Taufe Jesu, durch die uns der Herr das Sakrament der Taufe schenkte, das uns ein neues Leben erschließt. Ein Gruß und ein besonderes Gebet widmete der Papst auch den Migranten der Stadt Rom und der ganzen Welt anlässlich des Welttags der Migranten und Flüchtlinge.

[Wir dokumentieren die Ansprache in einer eigenen Übersetzung:]

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Liebe Brüder und Schwestern!

Mit diesem Sonntag nach dem Fest der Erscheinung des Herrn endet in der Liturgie die Weihnachtszeit: eine Zeit des Lichts, in der Christus wie eine neue Sonne am Horizont der Menschheit erscheint, um die Finsternis des Bösen und der Unwissenheit zu zerstreuen. Heute feiern wir das Fest der Taufe Jesu: Das Kind, das von der Jungfrau geboren ist, das wir im Mysterium seiner Geburt betrachtet haben, sehen wir nun als Erwachsenen in die Fluten des Jordan steigen und durch diesen Schritt alle Gewässer der Welt und die Welt selbst heiligen, wie in der orientalischen Tradition betont wird. Doch warum ging Jesus, der frei von jeder Sünde war, zu Johannes, um sich taufen zu lassen? Warum tat er jene Geste der Buße und der Umkehr, zusammen mit den vielen Menschen, die sich dadurch auf die Ankunft des Messias vorbereiten wollten? Jene Geste, die den Beginn des öffentlichen Lebens Jesu markiert, folgt derselben Logik wie die Menschwerdung, durch die Gott vom höchsten Himmel bis in die Abgründe der Unterwelt hinabstieg. Den Sinn dieses freiwilligen Abstiegs Gottes kann man in einem einzigen Wort zusammenfassen, das der Name Gottes selbst ist: Liebe. Der Apostel Johannes schreibt: „Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben“; und er hat ihn „als Sühne für unsere Sünden“ gesandt (1 Joh 4,9-10). Deshalb wählte Jesus als ersten Schritt seines öffentlichen Lebens die Taufe durch Johannes, der, als er ihn kommen sah, rief: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“ (Joh 1,29).

Der Evangelist Lukas berichtet, dass während Jesus, nachdem er die Taufe empfangen hatte, betete, der Himmel sich öffnete, „und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“ (Lk 3,21-22). Jesus ist der Sohn Gottes, der ganz in den Willen und die Liebe des Vaters getaucht ist. Jesus ist derjenige, der am Kreuz sterben und durch die Kraft desselben Geistes, der jetzt auf ihn herabschwebt, auferstehen wird. Jesus ist der neue Mensch, der als Sohn Gottes leben will, das heißt in der Liebe; der Mensch, der angesichts des Bösen in der Welt den Weg der Demut und der Verantwortung wählt, der, statt sich selbst zu retten, es vorzieht, sein Leben für die Wahrheit und die Gerechtigkeit hinzugeben. Christ sein bedeutet, diese Art zu leben zu wählen. Das aber setzt eine Wiedergeburt voraus: eine Wiedergeburt von oben, von der Gnade, von Gott her. Diese Wiedergeburt erfolgt durch die Taufe, die Christus der Kirche geschenkt hat, um den Menschen ein neues Leben zu eröffnen. Ein alter, dem heiligen Hippolyt zugeschriebener Text sagt: „Wer im Glauben in dieses Becken der Reinigung und Erneuerung steigt, verzichtet auf den Teufel und stellt sich zu Christus, lehnt den Feind ab und bekennt, dass Christus Gott ist, streift seine Unfreiheit ab und wird zum Adoptivkind Gottes“ (Über die Erscheinung des Herrn, 10: PG 10, 862).

Wie es der Brauch will, wurde mir heute Vormittag die Freude zuteil, eine kleine Schar von Kindern zu taufen, die in den letzten drei oder vier Monaten geboren wurden. Ich will jetzt mein Gebet und meinen Segen auf alle Neugeborenen ausweiten; vor allem aber will ich alle Christen auffordern, ihrer Taufe zu gedenken, jener geistigen Wiedergeburt, die uns den Weg zum ewigen Leben eröffnet hat. Möge jeder Christ in diesem „Jahr des Glaubens“ die Freude wiederentdecken, von oben, durch die Liebe Gottes wiedergeboren zu sein und nun als Kind Gottes leben zu dürfen.

[Nach dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern!

Heute feiern wir den Welttag der Migranten und Flüchtlinge. In meiner diesjährigen Botschaft habe ich die Auswanderungswellen unserer Zeit eine „Pilgerfahrt der Hoffnung“ genannt. Wer sein Land verlässt, tut dies in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, aber auch im Vertrauen auf Gott, der die Schritte der Menschen führt, wie bei Abraham. Deshalb tragen Migranten Glauben und Hoffnung in die Welt. Ihnen allen gilt heute mein Gruß, mein besonderer Segen und mein Gebet. Ganz besonders geht mein Gruß an die katholischen Migranten, die in der Stadt Rom leben. Ich vertraue sie dem Schutz der heiligen Franziska Xaviera Cabrini und des seligen Giovanni Battista Scalabrini an.

[Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Papst mit folgenden Worten:]

Ein herzliches Grüß Gott sage ich allen Pilgern und Besuchern deutscher Sprache. Heute morgen hatte ich die Freude, in der Sixtinischen Kapelle 20 Kinder zu taufen. Taufe bedeutet Neuschöpfung: Christus schenkt uns ein neues Menschsein. Er nimmt uns hinein in seine Beziehung zum Vater im Himmel. So sind wir in Christus wahrhaft Kinder Gottes und zugleich Brüder und Schwestern in der Gemeinschaft der Kirche. Tag für Tag  sollen und wollen wir die Gnade der Taufe in uns wirksam werden lassen und unseren Mitmenschen bezeugen, dass Gott uns als seine Kinder liebt. Der Heilige Geist mache euch stark im Glauben und in der Liebe.

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