Ansprache von Papst Benedikt XVI. vor dem Angelus am 30. Dezember 2012

Die Heilige Familie: ein Vorbild für die Familien von heute

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 1676 klicks

In seiner Ansprache vor dem Angelusgebet sprach der Heilige Vater über die Familie von Nazareth, aber auch über die Aktualität der Heiligen Familie als Vorbild für die Familien von heute. Ganz besonders betonte der Papst, dass Kinder nicht das Eigentum ihrer Eltern sind, sondern ein Geschenk Gottes, das die Eltern dankbar annehmen und in Liebe hüten müssen, damit aus den Kindern verantwortungsbewusste Erwachsene werden können.

[Wir dokumentieren die Ansprache in einer eigenen Übersetzung:]

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Liebe Brüder und Schwestern!

Heute feiert die Kirche das Fest der Heiligen Familie von Nazareth. Das Evangelium dieses Sonntags zeigt uns die Jungfrau Maria und Josef, wie sie dem Brauch entsprechend nach Jerusalem reisen, um mit dem zwölfjährigen Jesus das Paschafest zu begehen. Jesus war zum ersten Mal in den Tempel gebracht worden, als er vierzig Tage alt war. Damals hatten seine Eltern „ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben“ (Lk 2,24) geopfert: das Opfer der armen Leute. „Lukas, dessen gesamtes Evangelium von einer Theologie der Armen und der Armut durchdrungen ist, will uns sagen […], dass die Familie Jesu zu den Armen Israels gehörte, und dass gerade unter ihnen die Erfüllung der Verheißung reifen konnte“ (Jesus von Nazareth, Die Kindheitsgeschichten, 96). Im Alter von zwölf Jahren ist Jesus also wieder im Tempel; aber diesmal hat er eine andere Rolle, die ihn persönlich in Aktion treten lässt. Mit Maria und Josef begibt er sich auf die vom Gesetz vorgeschriebene Wallfahrt nach Jerusalem (vgl. Ex 23,17; 34,23 ff), obwohl er sein dreizehntes Lebensjahr noch nicht erreicht hat: ein Zeichen der tiefen Frömmigkeit der Heiligen Familie. Als aber seine Eltern wieder nach Nazareth abreisen, geschieht etwas Unerwartetes: ohne etwas zu sagen, bleibt er in der Stadt zurück. Drei Tage lang suchen Maria und Josef, ehe sie ihn im Tempel wiederfinden, wo er mit den Lehrern im Gespräch zusammensitzt (vgl. Lk 2,46-47). Als sie ihn zur Rechenschaft ziehen, antwortet Jesus, sie sollen sich nicht wundern, denn der Tempel sei sein Haus, der Ort, wo er hingehöre: beim Vater, bei Gott (vgl. Jesus von Nazareth, Die Kindheitsgeschichten, 143). Origenes schreibt: „Er bekennt, dass er sich im Tempel seines Vaters befindet; jenes Vaters, den er uns geoffenbart hat“ (Homilie zum Lukasevangelium, 18, 5).

Maria und Josef machen sich dieselben Sorgen wie alle Eltern, die ein Kind erziehen und es ins Leben und in das Verständnis der Wirklichkeit einführen. Daher ist heute ein besonderes Gebet zum Herrn für alle Familien der Welt angebracht. Mögen alle Eltern sich die Heilige Familie von Nazareth zum Vorbild nehmen und sich ernsthaft um die Erziehung ihrer Kinder kümmern, damit sie zu verantwortungsbewussten Erwachsenen und ehrlichen Bürgern heranreifen mögen, ohne dabei zu vergessen, dass der Glaube ein kostbares Geschenk ist, das man in seinen Kindern auch durch das Beispiel des eigenen Lebens stärken muss. Zugleich wollen wir dafür beten, dass jedes Kind als ein Geschenk Gottes angenommen werde und die Liebe seines Vaters und seiner Mutter erfahre, um wie unser Herr Jesus in Weisheit heranzuwachsen und bei Gott und den Menschen Gefallen zu finden (vgl. Lk 2,52). Mögen die Liebe, Treue und Hingabebereitschaft von Maria und Josef ein Vorbild für alle christlichen Ehepaare sein, die weder die Freunde noch die Eigentümer des Lebens ihrer Kinder sind, sondern die Hüter dieses unschätzbaren Geschenks Gottes.

Das Schweigen Josefs, „der gerecht war“ (Mt 1,19), und das Beispiel Marias, die „alles, was geschehen war, in ihrem Herzen bewahrte“ (vgl. Lk 2,51), mögen uns in das große Mysterium des Glaubens und der Menschlichkeit der Heiligen Familie einführen. Ich wünsche allen christlichen Familien, dass sie vor Gott mit derselben Liebe und derselben Freude leben mögen, wie die Familie Jesu, Marias und Josefs.

[Nach dem Angelus grüßte der Papst die deutschsprachigen Pilger mit folgenden Worten:]

Einen weihnachtlichen Gruß richte ich an alle deutschsprachigen Pilger und Besucher. Die Kirche feiert heute das Fest der Heiligen Familie. Dem Ratschluss des himmlischen Vaters entsprechend hat Gottes Sohn viele Jahre lang verborgen in einer irdischen Familie gelebt. Die Familie von Nazareth ist Urbild und Modell jeder christlichen Familie. Sie regt uns an zur echten Frömmigkeit und wahren Liebe zu denen, die um uns sind. Sie lehrt uns auch, in den alltäglichen Dingen mit unserem Herrn Jesus Christus zu leben. Er schenke allen Familien seinen Segen. Von Herzen wünsche ich euch eine gnadenreiche Weihnachtszeit.

[© 2012 - Libreria Editrice Vaticana]