Ansprache von Papst Benedikt XVI. vor dem Angelus am Hochfest Erscheinung des Herrn

Kirche bietet allen Menschen guten Willens das Licht des Evangeliums

| 896 klicks

VATIKANSTADT, 6. Januar 2012 (ZENIT.org). – Im Mittelpunkt des Festes Epiphanie steht das Geheimnis der Offenbarung Jesu Christi vor allen Völkern. Jenes Licht, das in der Weihnachtszeit angezündet wurde, beginne jetzt über der Welt aufzustrahlen. So Papst Benedikt in seiner Ansprache vor dem Angelus am heutigen Hochfest Epiphanie.

Wir dokumentieren die Ansprache in einer eigenen Übersetzung:

***

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir feiern heute das Hochfest der Erscheinung des Herrn. Es handelt sich um ein sehr altes Fest, das seinen Ursprung im christlichen Orient hat und besonders das Geheimnis der Offenbarung Jesu Christi vor allen Völkern hervorhebt. Sie werden durch die Magier repräsentiert, die kamen, um den gerade in Betlehem geborenen König der Juden anzubeten, wie das Matthäusevangelium berichtet (vgl. Mt 2,1-12). Jenes neue Licht, das in der Weihnachtsnacht entzündet wurde (vgl. Präfation von Weihnachten I), beginnt heute über der Welt aufzustrahlen, wie das Bild des Sterns vermittelt, ein himmlisches Zeichen, das die Aufmerksamkeit der Magier anzog und sie auf ihrer Reise nach Judäa führte.

Die ganze Zeit von Weihnachten und Epiphanie ist vom Thema des Lichtes geprägt, auch verbunden mit der Tatsache, dass in der nördlichen Hemisphäre nach der winterlichen Sonnenwende der Tag im Vergleich zur Nacht wieder beginnt länger zu werden. Aber jenseits der geographischen Lage gilt für alle Völker das Wort Christi: „Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wandelt nicht im Finsteren, sondern hat das Licht des Lebens“ (Joh 8,12). Jesus ist die Sonne, die am Horizont der Menschheit erschienen ist, um das persönliche Leben jedes Einzelnen von uns zu erleuchten und um uns alle gemeinsam zum Ziel unser Pilgerschaft zu führen, zum Land der Freiheit und des Friedens, in dem wir immer in voller Gemeinschaft mit Gott und untereinander leben werden.

Die Verkündigung dieses Heilsgeheimnisses wurde der Kirche von Christus anvertraut. Der heilige Paulus schreibt: „Es ist seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist offenbart worden: dass nämlich die Heiden Miterben sind, zu demselben Leib gehören und an derselben Verheißung in Christus Jesus teilhaben durch das Evangelium“ (Eph 3,5-6). Die Einladung, die der Prophet Jesaja an die heilige Stadt Jerusalem richtete, lässt sich auf die Kirche übertragen: „Auf, werde Licht, denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir. Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker; doch über dir geht leuchtend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir“ (Jes 60,1-2). Es ist so: Die Welt mit all ihrem Vermögen kann der Menschheit nicht das Licht zur Orientierung auf ihrem Weg geben. Das erleben wir auch in unseren Tagen. Die westliche Zivilisation scheint die Orientierung verloren zu haben und segelt ohne klaren Kurs. Aber die Kirche schaut dank des Wortes Gottes durch diese Nebel hindurch. Sie hat keine technischen Lösungen, aber sie hält den Blick auf das Ziel gerichtet und bietet allen Menschen guten Willens, jeder Nation und Kultur, das Licht des Evangeliums an.

Das ist auch die Sendung der päpstlichen Repräsentanten bei den Staaten und den internationalen Organisationen. Heute Morgen hatte ich die Freude, zwei neuen Apostolischen Nuntien die Bischofsweihe zu spenden. Vertrauen wir der Jungfrau Maria ihren Dienst und das Verkündigungswerk der ganzen Kirche an.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Dr. Edith Olk © Copyright 2011 - Libreria Editrice Vaticana]