Anti-Bekehrungsgesetze in Indien: Kardinal Toppo sieht keine Gefahr für die kirchliche Missionstätigkeit

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JAIPUR, 11. April 2006 (ZENIT.org).- Ende März hat die Regierung von Rajasthan als sechster indischer Bundesstaat ein Anti-Bekehrungsgesetz erlassen: Der erzwungene Übertritt vom Hinduismus zu einer anderen Religion, etwa dem Christentum, wird damit unter Strafe gestellt.



Seit der Bekanntgabe der Einführung dieses Gesetzes haben die gewaltsamen Übergriffe gegen die Christen, die nur 0,11 Prozent der Bevölkerung von Rajasthan ausmachen, zugenommen. Öffentlich wird dazu aufgerufen, ihnen feindselig zu begegnen. In Rajasthan leben rund 60 Millionen Menschen. Von ihnen sind 89 Prozent Hindus und 8 Prozent Muslime.

Die indische Bischofskonferenz (CBCI) hat erklärt, dass sich die neue gesetzliche Regelung eindeutig "gegen Minderheiten" gerichtet sei und in diesem Zusammenhang von landesweiten und sogar internationalen Protesten gesprochen.

Schon seit Monaten hatten indische Christen im westlichen Bundesstaat Gujarat darüber geklagt, dass sie überwacht würden. Allein im Herbst vergangenen Jahres protestierten in Südindien Hunderttausende gegen die Einführung des Anti-Konversionsgesetztes. Mehr als 6.000 kirchliche Bildungseinrichtungen schlossen vorübergehend, und über eine Million Christen verschiedener Konfessionen nahmen am 24. Oktober an einem gemeinsamen Fast- und Gebetstag teil, um gegen das neue Gesetz zu protestieren. Muslime und Dalits – die "Unberührbaren" – hatten sich damals den Christen angeschlossen.

Das so genannte Gesetz "Rajasthan Dharma Swatantraya 2006" gegen erzwungene Konversion, das am 31. Oktober 2005 im indischen Bundesstaat Tamil Nadu in Kraft trat und nach und nach auch in anderen Bundesstaaten eingeführt wurde, bestraft jeden, der einen anderen zum Übertritt in eine andere Religion zwingt, mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Rupien (1.034 Dollar) sowie drei Jahren Gefängnis. Wenn die Konversion Frauen, Minderjährige, Mitglieder der niederen Kasten oder Stammesvölker betrifft, erhöht sich die Geldstrafe auf 100.000 Rupien und die Haftstrafe auf vier Jahre.

Die Einführung des Anti-Konversionsgesetzes nahmen radikale Hindus zum Anlass, einen Rück-Konversions-Feldzug zu unternehmen: Teilweise unter Gewaltanwendung bemühten sie sich darum, Landsleute, die sich zum Christentum bekehrt hatten, "nach Hause" zurückzuführen.

Der indische Kardinal Telesphore Toppo, Erzbischof von Ranchi im Bundesstaat Bihar, zeigte sich gegenüber "AsiaNews" von der Einführung des neuen Gesetzes unbeeindruckt. Die Evangelisierung Indiens würde unerschrocken fortgesetzt. Schließlich "gibt es bei uns keine Zwangsbekehrungen mit betrügerischen Absichten", unterstrich der Vorsitzende der indischen Bischofskonferenz.

"Rajasthan ist der sechste Bundesstaat, der nun ein solches Gesetz einführt. In den anderen fünf – Madhya Pradesh, Orissa, Tamil Nadu, Gujarat und Chhattisgarh – wurde unsere Missionstätigkeit deshalb nicht eingestellt. Unser Zeugnis ging weder zurück, noch hat es sich wesentlich verändert. Warum sollte das jetzt in Rajasthan anders sein?" Die Regierung könne noch "Hunderte von Gesetzen verabschieden, aber das wird unsere Sendung und unsere Berufung nur noch verstärken", bekräftigte der Kardinal.

Er sei stolz darauf, Inder zu sein, und auch auf die indische Verfassung, "die uns das Recht gibt, unseren Glauben und unsere Freiheit als Christen zu praktizieren. Wir sind Bürger eines großen Landes. Warum sollte ich mir da Sorgen machen? Die freie Wahl [der eigenen Religion, Anm. d. Red.] ist in unserer Verfassung grundgelegt", fuhr er fort. "Das sichert uns den Sieg der Wahrheit."