Antidiskriminierungsgesetze fördern Homosexuelle

Den anderen zu achten bedeutet nicht, mit allem einverstanden zu sein

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STOCKHOLM, 19. Dezember 2005 (ZENIT.org).- Wer homosexuelles Verhalten in der Öffentlichkeit kritisiert, muss damit rechnen, gerichtlich zur Verantwortung gezogen zu werden – wegen Diskriminierung. Die Gesetze, die in einem solchen Fall angewandt werden, sind dazu bestimmt, so genannte \"Hassverbrechen\" zu bestrafen.



Jeder Christ ist dazu verpflichtet, Männern und Frauen, die homosexuelle Neigungen haben, \"mit Achtung, Mitleid und Takt\" zu begegnen. \"Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen\", mahnt der Katechismus der Katholischen Kirche. Jedoch bedeutet das nicht, dass man der Überzeugung sein müsse, jedes Verhalten ist gut. Denn im Katechismus wird auch eindeutig festgestellt, dass \"die homosexuellen Akte in sich nicht in Ordnung sind\" und \"in keinem Fall zu billigen\" seien (KKK, 2357 und 2358).

Die Unterscheidung zwischen der Achtung vor dem anderen Menschen und der Beurteilung einer Tat wird häufig nicht verstanden, und Kritik vielleicht vorschnell persönlich genommen. Ein typisches Beispiel dafür sind die Reaktionen auf die neue Instruktion über Priesteramtskandidaten mit homosexuellen Neigungen. Auch in diesem Dokument der Kongregation für das Katholische Bildungswesen wird mit dem oben genannten Abschnitt des Katechismus erneut festgehalten, dass man Personen mit homosexuellen Neigungen \"mit Achtung und Takt\" begegnen müsse.

Langwieriger Prozess in Schweden

Ake Green, schwedischer Pastor einer Pfingstgemeinde hatte in einer Predigt Homosexualität scharf kritisiert. Er soll erklärt haben, Homosexualität sei wie ein \"sich ausbreitendes Krebsgeschwür, das die gesamte Gesellschaft in Mitleidenschaft zieht\". Im Jahr 2003 wurde er deshalb gerichtlich angezeigt. Es wurde ihm vorgeworfen, ein \"Hassrede\" geschwungen zu haben. Im vergangenen Jahr wurde Pastor Green für schuldig gesprochen und zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Später wurde dann der Gerichtsentscheid von einem Appellationsgericht aufgehoben, aber Schwedens Hauptanklagevertreter legte gegen diesen Freispruch Berufung beim Obersten Gerichtshof ein.

Ende November 2005 entschied nun der schwedische Oberste Gerichtshof, dass die Äußerungen des Pastors gemäß der europäischen Menschenrechtskonvention durch das Recht auf Rede- und Religionsfreiheit geschützt würden, er wurde freigesprochen.

In den USA gab es ähnliche Gerichtsprozesse, und in Kanada wurde gerichtlich festgestellt, dass die katholische Organisation der \"Kolumbus-Ritter\" durchaus dazu berechtigt seien, ihre Räumlichkeiten nicht für eine \"Hochzeitsfeier\" eines gleichgeschlechtlichen Paares zur Verfügung zu stellen, allerdings wurde in diesem Urteil auch eingeräumt, das die Kolumbus-Ritter mit ihrer Entscheidung \"die Würde, die Gefühle und die Selbstachtung\" des Paares verletzt hätten. Sie mussten jeder der beiden Frauen 1.000 Dollar Schmerzensgeld auszahlen.

Antidiskriminierungsgesetze in Europa und den USA

Auch in einigen anderen Ländern herrscht Besorgnis über so genannte Antidiskriminierungsgesetze. In Frankreich wurde am Ende des vergangenen Jahres ein Gesetz zum Schutz der Homosexuellen vor Beschimpfungen verabschiedet. Es stellt gegen Homosexualität gerichtete oder sexistische Äußerungen auf die gleiche Stufe wie rassistische oder antisemitische Äußerrungen. Der britische \"Guardian\" berichtete darüber am 24. Dezember 2004. Theoretisch könnten Gerichte unter Berufung auf dieses Gesetz Delinquenten zu Geldstrafen bis zu 45.000 Euro und zu Gefängnisstrafen von bis zu 12 Monaten verurteilen.

Kritiker des Gesetzes hätten damals davor gewarnt, dass Christen, die Homosexualität als \"Abweichung vom normalen Verhalten\" betrachten, verfolgt werden könnten. Und die katholische Kirche in Frankreich hatte diedie Besorgnis geäußert, \"dass das Gesetz sie daran hindern könnte, Widerstand gegen die \'Ehe\' für gleichgeschlechtliche Paare zu leisten\".

In Großbritannien zwang, laut BBC vom 24. Juni die Genossenschaftsbank in Manchester die evangelische Organisation \"Christian Voice\" dazu, ihr Bankkonto wegen ihrer Opposition gegen homosexuelles Verhalten aufzulösen, da diese mit der Politik der Bank, für Meinungsvielfalt einzutreten, nicht verträglich sei. Ein Sprecher der Bank betonte gegenüber BBC: \"Es sind der Bank diskriminierende Äußerungen über sexuelle Orientierung von \'Christian Voice\' zu Ohren gekommen.\"

In den Vereinigten Staaten von Amerika kosteten antihomosexuelle Ansichten einem Christen seinen Job bei der Versicherungsgesellschaft \"Allstate Corporation\" in Northbrook, Illinois. Die \"Chigago Tribune\" berichtete ausführlich davon am 18. August. J. M. Barber hatte demnach einen von ihm verfassten Aufsatz ins Internet stellen lassen, in dem er eine \"Ehe\" für Homosexuelle verurteilt. Daraufhin habe ihm sein Arbeitgeber seine sofortige Suspendierung ohne Bezahlung mitgeteilt und ihn aus dem Grundstück der Firma eskortieren lassen. Nach drei Tagen habe er sein Entlassungsschreiben erhalten. Der Entlassene ging vor Gericht, der Fall ist zurzeit noch im Gang.

Barber sagte gegenüber der \"Chicago Tribune\", dass er bei den biographischen Angaben, die seinen Artikel im Internet begleiteten, an keiner Stelle seine Zugehörigkeit zu \"Allstate\" erwähnt habe. Die Betreiber der Internetseite hätten diese Informationen preisgegeben, ohne zuvor seine Genehmigung einzuholen.

Am 23. November veröffentlichte Bostons Erzbischof Sean O\'Malley einen Hirtenbrief über das Thema Homosexualität, in dem er unter anderem schrieb: \"Der Einsatz der Kirche für die Institution Ehe ist von einigen als ein Zeichen der Feindseligkeit gegenüber homosexuellen Personen interpretiert worden.\" Dem sei nicht so. Der Kirche liege eine solche Feindseligkeit völlig fern. Sie betrachte alle Menschen als gleichwertig, denn genauso sehe sie Gott. Der Bischof bekräftigte auch, dass die Kirche sich darum bemühen müsse, existierende Vorurteile gegen Homosexuelle abzubauen. \"Gleichzeitig muss die Kirche allen Menschen dienen. Sie tut das, indem sie sie dazu aufruft, die Gebote Gottes zu erfüllen.\" Deshalb sei es von entscheidender Bedeutung, \"die Morallehre der Kirche mit Klarheit und in Treue zu verkünden\" sowie \"mit Mitgefühl und in Demut\".