Antonius von Padua, der beliebteste Heilige (Teil 1)

Ein Interview mit dem Rektor der Basilika des hl. Antonius von Padua anlässlich des 750. Jahrestages des Fundes der unverwesten Zunge des Heiligen

Rom, (ZENIT.org) Renzo Allegri | 682 klicks

Am 13. Juni jährte sich der liturgische Gedenktag des hl. Antonius von Padua, einem der bekanntesten und beliebtesten Heiligen aller Zeiten. Sein Grab befindet sich in der berühmten ihm geweihten Basilika in Padua. Diese wird jedes Jahr von etwa 5 Millionen von Verehrern aus allen Teilen der Welt besucht. Seinen Höhepunkt erreicht der Pilgerstrom im Monat Juni, insbesondere an seinem liturgischen Gedenktag, dem 13.

„In diesem Jahr kommt dem liturgischen Gedenktag eine besondere Bedeutung zu“, so der Rektor der Basilika Pater Enzo Poiana. Er führt aus: „Tatsächlich ereignete sich vor 750 Jahren der „Fund“ der unverwesten Zunge des hl. Antonius entschlief am 13. Juni 1231. Im Jahre 1263, 32 Jahre später, wurde im Zuge einer Exhumierung der Leiche der vollkommen unverweste Zustand der Zunge des hl. Antonius festgestellt. Seither sind 750 Jahre vergangen. Die von uns in einem kostbaren Heiligenschrein aufbewahrte Zunge ist nach wie vor unverwest. Dieses Faktum ist wundersam und außergewöhnlich. Die Zunge ist jener Teil des menschlichen Körpers, der die geringste Belastbarkeit aufweist und zuerst der Verwesung zum Opfer fällt. Im Falle von Bruder Antonius, der sein Leben der Predigt des Evangeliums verschrieben hatte und zur Verbreitung des Wortes Gottes seine Zunge benötigte, wurde diese Verwesung von Gott aufgehoben. Dies ist ein einzigartiges Wunder, vielleicht das einzige in der Geschichte. Aus diesem Grund hat die Kirche einen besonderen Festtag, den 15. Februar, für ihn eingerichtet. Von der Öffentlichkeit wird sein Gedenktag jedoch am 13. Juni begangen.“

Der 53-jährige Friulaner Pater Enzo Pioana ist insofern in besonderer Weise mit der St. Antonius Basilika verbunden, als er seit acht Jahren als deren Rektor wirkt. In dieser Basilika vernahm er im Jahre 1982 im Alter von 23 Jahren klar und deutlich den Gottes Ruf zum monastischen Leben.

In diesem Zusammenhang ergänzte Pater Enzo: „Alle übernatürlichen Geschehnisse rund um uns sind ‚geistliche Botschaften‘. Durch diese Ereignisse spricht Gott zu uns. Er erteilt uns eine Lehre und gibt uns ein Zeichen, einen Hinweis. Indem er die Zunge des hl. Antonius vor der Verwesung bewahrte, wollte er sicherlich seinen Wohlgefallen an dem großen Apostolat des Heiligen über dessen beharrliches und unermüdliches Predigen zum Ausdruck bringen. Kraft dieses wunderbaren Zeichens der unverwesten Zunge setzte Antonius seine Predigt im Laufe der Geschichte bis in unsere Zeit fort.“

In welchem Alter starb der hl. Antonius?

Pater Enzo: Er war zum Zeitpunkt seines Todes etwa 36 Jahre alt. Er starb gleichsam an Erschöpfung infolge seines ständigen Reisens im Bemühen, das Wort Gottes allerorts zu verbreiten. Der hl. Antonius wurde im Jahre 1195 in Lissabon als Kind einer wohlhabenden Adelsfamilie geboren. Bereits in seiner Jugend entschloss er sich dazu, sein Dasein Gott zu widmen, und wurde Augustiner-Chorherr. Im Jahre 1221, während einer Italienreise, begegnete er dem hl. Franziskus und fühlte sich zu dessen Geistlichkeit hingezogen. Von seinen Oberen erhielt er die Erlaubnis, dem Franziskanerorden beizutreten. Antonius war sehr gebildet und wurde vom hl. Franziskus dazu ermutigt, sich dem Predigen zu widmen. Aufgrund seiner vor große Scharen von Zuhörern dargebotenen Predigten erlangte er große Berühmtheit. Sein restliches Leben verbrachte er mit Reisen quer durch Europa, um mit seinen Vorträgen die Kenntnis des Evangeliums zu verbreiten. Die Mühen dieser an heißen Sommertagen und bei winterlicher Kälte stets zu Fuß unternommenen Reisen zusätzlich zum Einsatz für die ebenso anstrengenden Predigten, die körperlichen Bußübungen und das Fasten, das Antonio sich selbst auferlegte, führten zu einer unaufhaltsamen Verschlechterung seiner körperlichen Verfassung. Er erkrankte mehrmals; unter anderem an einer Form von Wassersucht. Dabei kam es aufgrund einer Ansammlung von Körperflüssigkeiten zu einer Aufschwellung seines Körpers, die zu Herz- und Nierenproblemen führte. In den letzten Jahren seines Lebens war seine Erschöpfung so groß, dass er sich nicht mehr auf seinen eigenen Beinen halten konnte. Dennoch wollte er seine Sendung fortführen und ließ sich auf die Kanzel in der Kirche tragen, um von dort aus weiterhin seine Predigten zu halten.

Am 13. Juni 1231 befand er sich in Camposampieri, einer etwa 20 Kilometer von Padua entfernten norditalienischen Gemeinde. Ein Freund hatte ihn für einige Tage zur Erholung aufgenommen. Antonius spürte das nahende Ende seiner irdischen Existenz und bat darum, nach Padua gebracht zu werden, um im Kloster bei der Kirche „Santa Maria Mater Domini“ im Kreise seiner Mitbrüder zu sterben. Für den Transport wurde ein von Ochsen gezogener Wagen bereitgestellt. Die Einwohner jener Orte, über die die Reise führte, eilten bewegt herbei, um sich von ihm zu verabschieden. Bei der Ankunft des Wagens am Rande von Padua befand sich Antonius in einem sehr schlechten Zustand. Die Fahrt konnte unmöglich fortgesetzt werden. Man beschloss, die Nacht in einem Hospiz in Arcella, einem im Norden der Stadt gelegenen Vorort, zu verbringen. Dort befand sich ein Klarissenkloster. In diesem Hospiz starb Antonius am frühen Abend des 13. Juni.

Sein Geist war von leuchtender Klarheit. Er bat seine Mitbrüder darum, ihn wie den hl. Franziskus auf die nackte Erde zu legen, und den von ihm so geliebten Marienhymnus „O gloriosa domina“ (O glorreiche Herrin) für ihn zu singen. Einen Psalm rezitierend, hauchte er seinen Geist aus.

(Der zweite Teil folgt am Mittwoch, den 10. Juli 2013)