Antwort auf den Neuen Atheismus

Neues Buch von Scott Hahn erschienen

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Von Jan Bentz

ROM, 18. September 2012 (ZENIT.org). – Eine neue „Antwort auf den modernen Atheismus“ des Bestsellerautors und Konvertiten Scott Hahn und Co-Autor Bejamin Wiker ist im Media Maria Verlag erschienen.

Scott Hahn ist ein bekannter Bibelforscher und hat den Lehrstuhl für Theologie und Bibelwissenschaft an der Franziskanischen Universität „Steubenville“ in Ohio/USA inne. Vor seiner Konversion zum römisch-katholischen Glauben war er bis 1986 presbyterianischer Pastor und Theologieprofessor. Seine Bekehrungsgeschichte und Auseinandersetzung mit evangelischer Theologie und Schriftauslegung wurden Gegenstand mehrerer Bestseller, die auch ins Deutsche übersetzt wurden [z. B.: Unser Weg nach Rom].

In seinem neuen Buch widerspricht Scott Hahn systematisch den Argumenten des Glaubens- und Gottesgegners Richard Dawkins. Dawkins avancierte seit einigen Jahres zum Führer einer modernen atheistischen Denkströmung, in der vornehmlich naturwissenschaftliche Aussagen gegen einen Gottesglauben ausgespielt werden.

Grund für das Verfassen dieses Buches ist nach Angaben Hahns die Notwendigkeit, gegen den militanten Atheismus vorzugehen, der „von einer Kerntruppe militanter Ungläubiger, die sich selbst ‚Die vier Reiter‘ nennen – Richard Dawkins, Sam Harris, Christopher Hitchens und Daniel Dennett‘“, angeführt wird. Diese und andere Autoren setzen das Christentum einem offenen Angriff in den Medien aus. Hahn möchte vor allem die geschickte und subtile Rhetorik von Dawkins aufdecken, dem es merkwürdigerweise gelingt, mit wenig stichhaltigen und äußerst schwachen Argumenten ganze Massen für seine Meinung zu gewinnen.

Hahn zeigt zahlreiche Beispiele von Dawkins gehässiger und unsachlicher Vorgehensweise auf. Ähnlich wie der berühmte Jesuit Frederick Copleston in einem öffentlichen Gespräch mit dem Positivisten Bertrand Russell, nimmt sich auch Hahn mit gelassener Geduld ein Argument Dawkins nach dem anderen vor.

Zunächst wird dessen Argumentation von der wissenschaftlichen Seite aus untersucht. Dawkins' verbissener Glaube an den Zufall wird ebenso erläutert wie seine Taktik, das Unmögliche krampfhaft als etwas Mögliches zu behandeln, nur um die Möglichkeit des Wundersamen ausschließen zu können. Auf diesen übertriebenen Zufallsglauben bezüglich der Wunder antwortet Hahn mit einer eigenen Maxime: „Kein Ereignis, das wundersamer ist als das Wunder, das es anzuzweifeln versucht, kann als Erklärung dazu verwendet werden, zu bestreiten, dass das Wunder tatsächlich geschehen ist“.

Scott Hahn geht ebenfalls auf die philosophische Sichtweise ein und versucht, Thomas von Aquin und andere Philosophen gegen die Argumente von Dawkins ins Blickfeld zu nehmen. Auch hier argumentiert Hahn überzeugend und mit einer Fülle von einleuchtenden Beispielen, zudem zitiert er aus Forschungswerken von Einzeldisziplinen (wie beispielsweise der Kunstgeschichte), um Argumente aufzuzeigen, deren bloße Existenz Dawkins, ganz offensichtlich aus Unwissenheit, leugnet. „Man stelle sich jemanden vor, der große Reden über die Biologie schwingt und dessen Wissen darüber allein auf dem ‚Book of British Birds‘ beruht, und schon hat man eine ungefähre Idee davon, wie es sich anfühlt, bei Richard Dawkins etwas über die Theologie zu lesen. Überzeugte Rationalisten wie Dawkins, der übrigens einem Berufsatheisten, wie wir ihn seit Bertrand Russel kennen, am nächsten kommt, sind in einem gewissen Sinne am schlechtesten gerüstet, wenn es darum geht, zu verstehen, was sie überhaupt so heftig geißeln, denn sie glauben gar nicht daran, dass es da etwas zu verstehen gibt oder wert ist, verstanden zu werden. Dies ist der Grund, weshalb sie ausnahmslos mit geschmacklosen Karikaturen über den religiösen Glauben herziehen […]“.

Nach viel „negativem“ Widerlegen macht sich Hahn schließlich an eine „positive“ Argumentation, nämlich die Vernünftigkeit des Glaubens und die Beweisbarkeit Gottes. Ob Gottes Existenz bewiesen werden könne, beantwortet Hahn mit Ja und Nein und führt folgende Maxime an: „Jeder Beweis für die Existenz oder Nichtexistenz Gottes muss so beschaffen sein, dass er sowohl die Existenz desjenigen, der den Beweis führt, als auch die Möglichkeit des Beweises mit einkalkuliert.“

Scott Hahn argumentiert gegen die marxistische Ideologie, die besagt, dass der Mensch samt all seiner Vorstellungen und Begriffe wie auch seiner Weltanschauung nur ein Spiegelbild dessen sei, wie eine bestimmte Gesellschaft [in der er sich befindet] alle grundlegenden Güter zur Erhaltung dieses Menschen produziere: „Du bist, was du isst, oder genauer, du bist, wodurch du das herstellst, was du isst“, mit folgendem Gegenargument: „Jede philosophische Beschreibung, die den Philosophen oder seine Philosophie unmöglich macht, ist als Philosophie unmöglich“. „Wenn Marx Recht hätte, würde seine Philosophie auch nur das Spiegelbild der Produktionsverhältnisse seiner eigenen Gesellschaft sein.“

Dawkins lehne mit dem Akzeptieren der Evolution die Grundlage für eine Moralität im Universum ab. Auf die Probleme, die damit einhergingen, gebe er aber keine zufriedenstellende Antwort. So sei beispielsweise die Rassenlehre der Nationalsozialisten, deren Verbrechen er verurteilt, mit einer Theorie des „Stärkeren“ und der „natürlichen Auslese“ durchaus kompatibel. Er sei auch blind dafür, dass die Version des „Nettseins“, die er anstelle einer Moralität mit objektiven Maßstäben vertritt, „tatsächlich nur eine durch den Liberalismus des 19. Jahrhunderts gefilterte Persiflage des Christentums (mehr oder weniger das, was wir in John Stuart Mills „Utilitarismus“ finden würden) und deren radikale Ausbreitung, […] ist.“

Schlussfolgernd erklärt Hahn: „Dies bedeutet, dass Dawkins genau die Prinzipien des Liberalismus, die dazu bestimmt waren, ihn davor zu bewahren, zu einer neuen Form des Totalitarismus zu werden, einfach beiseitegeschoben hat. Mangels solcher Prinzipien der Selbstbeschränkung kann uns daher nur eines vor dieser neuen Art der Tyrannei bewahren, nämlich dafür zu sorgen, dass Leute wie Richard Dawkins […] niemals irgendeine Macht bekommen. Aber wir erinnern uns, politische Macht ist genau das, wonach sie jetzt streben.“

Das Buch bietet schlüssig und gut nachvollziehbar eine fundierte Widerlegung der Positionen von Dawkins. Es enthält keine hochtrabenden philosophischen Spekulationen, sondern ist mit seinen anschaulichen Beispielen und Erklärungen, die auch Nicht-Wissenschaftlern eingänglich sind, auch als Argumentationshilfe für jeden Leserkreis geeignet. Jeder, der Interesse an der Auseinandersetzung mit dem Atheismus hat, bietet dieses Werk ein kompaktes „Handbuch“ und eignet sich auch als Zwischendurch-Lektüre. Sehr lesenswert!

Buchtipp:
HAHN, Scott; WIKER, Benjamin
Antwort auf den neuen Atheismus

Media Maria Verlag 2012, 208 Seiten, 15,95€