Antworten mit der Liebe und mit der Kraft der Wahrheit

Die Worte des Papstes beim heutigen Regina-Caeli-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 621 klicks

Heute um 12.00 Uhr zeigte sich der Heilige Vater Franziskus am Fenster seines Arbeitszimmers im apostolischen Palast des Vatikans, um mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern das “Regina Caeli” zu beten.

Zur Einführung in das österliche Mariengebet sprach der Papst folgende Worte, die wir in einer eigenen Übersetzung dokumentieren:

***

[Vor dem Regina Caeli]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Ich möchte eine kurze Betrachtung der von der Liturgie für den heutigen dritten Sonntag nach Ostern vorgesehenen Perikope der „Apostelgeschichte“ vornehmen. Der Text berichtet von der ersten Predigt der Apostel in Jerusalem, durch die sich in der gesamten Stadt die Nachricht von der wahrhaft nach der Schrift erfolgten Auferstehung Jesu verbreitete und bekannt wurde, dass es sich bei Jesus tatsächlich um den von den Propheten verheißenen Messias handelte. Die hohen Priester und Stadthalter versuchten die Gemeinde der an Jesus Glaubenden im Keim zu ersticken. Sie ließen die Apostel gefangen nehmen und untersagten ihnen eine Fortsetzung der Lehre im Namen Jesu. Doch Petrus und die anderen elf Jünger begegneten dem Verbot mit folgender Aussage: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt … Ihn hat Gott als Herrscher und Retter an seine rechte Seite erhoben … Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist“ (Apg 5, 29-32). Daraufhin ließen sie die Apostel auspeitschen und befahlen ihnen erneut, nicht mehr im Namen Jesu zu sprechen. Sie aber gingen weg und „freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden“ (V. 41).

In diesem Zusammenhang stelle ich mir folgende Frage: Woraus schöpften die ersten Apostel die Kraft, um dieses Zeugnis zu vollbringen? Woher stammten vor allem die Freude und der Mut für die Verkündigung trotz der Hindernisse und Gewaltakte? Wir dürfen nicht vergessen, dass die Apostel einfache Menschen waren, keine Schriftgelehrten oder Angehörige der Priesterklasse. Wie konnten sie also angesichts ihrer Grenzen und des Widerstandes der Obrigkeit ihre Lehre in Jerusalem verbreiten (vgl. Apg 5,28)? Es besteht kein Zweifel daran, dass allein die Gegenwart des auferstandenen Herrn und das Wirken des Heiligen Geistes diesen Umstand bewirken konnten. Der Herr, der unter ihnen war, und der Geist, der sie zur Predigt drängte, sind die Urheber dieses außergewöhnlichen Ereignisses. Ihr Glaube war in einer so starken und persönlichen Erfahrung mit dem gestorbenen und auferstandenen Christus verwurzelt, dass sie von nichts und niemandem Angst hatten. Sie fanden in den Verfolgungen sogar einen Grund für die Würde, die es ihnen erlaubte, mit dem Zeugnis ihres Lebens den Spuren Jesu zu folgen und ihm ähnlich zu werden.

Dieser Erzählung von der ersten christlichen Gemeinde enthält eine äußerst wichtige Botschaft für uns, die für die Kirche aller Zeiten und auch für uns Gültigkeit hat: Wenn ein Mensch Jesus Christus wahrhaft kennt und an ihn glaubt, so werden Jesu Gegenwart in seinem Leben und die Kraft seiner Auferstehung für ihn erfahrbar, und er ist erfüllt von einem unbezwingbaren Drang, diese Erfahrung mitzuteilen. Wenn dieser Mensch auf Unverständnis oder Widerstand stößt, verhält er sich wie Jesus auf seinem Leidensweg: Er antwortet mit der Liebe und mit der Kraft der Wahrheit.

Erbitten wir in unserem gemeinsamen Gebet des „Regina Caeli“ die Hilfe der hl. Jungfrau Maria, auf dass die Kirche auf der ganzen Welt aufrichtig und mutig die Auferstehung des Herrn verkündigt und mit Zeichen brüderlicher Liebe ein gültiges Zeugnis dafür ablegt. Die brüderliche Liebe ist unser unmittelbarstes Zeugnis für die lebendige Präsenz Jesu unter uns, für die Auferstehung Jesu. Lasst uns besonders für jene Christen beten, die Verfolgung erleiden; in dieser Zeit sind viele Christen von Verfolgung betroffen, sehr, sehr viele, in vielen Ländern: Beten wir mit der Liebe unseres Herzens für sie. Mögen sie die lebendige und tröstliche Gegenwart des auferstandenen Herrn spüren.

[Nach dem Regina Caeli]

Gestern fand in Venedig die Seligsprechung von Don Luca Passi statt. Der Selige, dessen Leben und Wirken in das 19. Jahrhundert fällt, war ein aus Bergamo stammender Priester und Gründer des Laienwerkes „Santa Dorotea“ und des „Istituto delle Suore Maestre di Santa Dorotea“. Danken wir Gott für das Zeugnis dieses Seligen!

Heute wird in Italien der Gedenktag der Mailänder „Università Cattolica del Sacro Cuore“ unter dem Motto „Le nuove generazioni oltre la crisi“ (Die neuen Generationen jenseits der Krise) begangen. Die dem Herzen und dem Geist Pater Agostino Gemellis entsprungene und mit großer Unterstützung des Volkes geschaffene Universität hat unzählige Studenten zu fähigen und verantwortungsbewussten Bürgern und Erbauern des Allgemeinwohls herangebildet. Ich lade dazu ein, diese Bildungsstätte stets zu unterstützen, auf dass sie den neuen Generationen weiterhin eine vorzügliche Bildung zuteilwerden lasse, die sie zur Bewältigung der Herausforderungen der Gegenwart befähigt.

Mit Zuneigung begrüße die aus vielen Ländern angereisten Pilger! Die Familien, die Gruppen aus den Pfarrgemeinden, Bewegungen, jungen Menschen. Einen besonderen Gruß richte ich an die mit dem Erzbischof Msgr. Buoncristiani gekommene Pilgergruppe aus den Diözesen “Siena-Colle Val d’Elsa-Montalcino“. Im Geiste erweise ich auch den Jungen und Mädchen, die sich auf die Firmung vorbereiten, meine Nähe. Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag und gesegnetes Mittagessen!