Anwendung des neuen französischen Abtreibungsgesetzes schafft Schwierigkeiten

Kündigungen ganzer Ärztebelegschaften

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PARIS, 8. November 2001 (ZENIT.org).- Das in Frankreich in Kraft getretene neue Abtreibungsgesetz hat unvorhergesehene Schwierigkeiten mit sich gebracht.



"Gesetz ist Gesetz, aber der Bauch rebelliert", so ein Arzt der Zeitung "Libération" gegenüber. Ein anderer Arzt hob den Widerspruch hervor zwischen den medizinischen Errungenschaften der letzten Jahre zur Behandlung von Frühgeburten und Risikoschwangerschaften, bei denen der Fötus in bereits fortgeschrittenem Alter abgetrieben wird.

Am 7. Juli trat das neue Gesetz in Kraft. Neu ist die Anhebung des legalen Abtreibungsfrist von 10 auf 12 Wochen der Schwangerschaft sowie die Aufhebung der elterlichen Zustimmung für minderjährige Mädchen, die abtreiben wollen.

Die Stiftung Jérôme Lejeune [genethique.org] hat über die Anwendung der Gesetzesreform in Lyon eine Studie erstellt, aus der deutlich der Widerwille und die Vorbehalte der Ärzte gegen die späte Abtreibung hervorgehen.

Im Edouard Herriot-Krankenhaus zum Beispiel erging die Order der Direktion an die Gynäkologieabteilung, das neue Gesetz anzuwenden, worauf alle Ärzte ihre Demission einreichten.

Das Croix Rousse-Krankenhaus leidet unter akutem Ärztemangel, da kein Arzt einer Abtreibung im fortgeschrittenen Alter des Fötus zustimmen würde. Prof. René Charles Rudigoz sagte, es bestehe "ein gewisser Widerspruch zwischen dem Gesetz und unserer Sorge um die Rettung der Babys beziehungsweise der Behandlung von Risikoschwangerschaften".

Im Hôtel Dieu-Krankenhaus wird dieses Gesetz schrittweise in die Praxis übernommen. Ein ansonsten der Abtreibung positiv gesonnener Arzt meinte, "Gesetz ist Gesetz, aber der Bauch rebelliert". Er bezog sich dabei auf den unter hohem Blutverlust durchzuführenden chirurgischen Eingriff bei einer Schwangerschaft im fortgeschrittenem Stadium.

Die Stiftung Jérôme Lejeune sagte, man habe in einigen Krankenhäusern erst einmal gewartet, ob überhaupt Anwendungszwang dieses Gesetzes bestünde, solange von der Regierung keine konkreten Anweisungen erfolgten.

Die Abtreibungsfristverlängerung führt nach Aussagen der Stiftung bei den Frauen dazu, ihre Entscheidung, abzutreiben, herauszuzögern.