Apokryphes Evangelium in England entdeckt

Das Fragment ist Teil der Sammlung der Oxyrhynchus Papyri

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ROM, 2. März 2012 (ZENIT.org) - Der Dekan der Theologischen Fakultät der Universität von Navarra (Pamplona) und Professor für Neues Testament an derselben Universität, Juan Chapa, hat in England ein neues apokryphes Evangelium entdeckt einen Text, der in Inhalt und Form den vier Evangelien des Neuen Testaments ähnelt: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.

Das Fragment gehört zur berühmten Sammlung der Oxyrhynchus Papyri (benannt nach dem Fundort in Mittelägypten), die von der Universität Oxford unter der Schirmherrschaft der Egypt Exploration Society Londons und der British Academy aufbewahrt und veröffentlicht wird.

Das Fragment, das kürzlich entdeckt und veröffentlicht wurde, misst 7x7 cm, ist beidseitig beschrieben und umfasst Reste von 22 Zeilen. Auf einer Seite enthält das Dokument einige Worte, die Jesus an seine Jünger richtet und die laut Prof. Chapa „ein Aufruf zur radikalen Nachfolge sind und auf Jerusalem und das Königreich anspielen.“

Auf der Rückseite wird ein Bruchstück eines von Jesus durchgeführten „Exorzismus" wieder gegeben, der gemäß Aussage des Prof. Chapa keine genaue Entsprechung in den vier kanonischen Evangelien besitzt und der keinen neuen Exorzismus umschreibt, sondern der vielmehr eine Zusammenfassung der bereits aus den anderen Evangelien bekannten  Exorzismen zu sein scheint. Dies „beweist die Bedeutsamkeit jener Handlung unter den ersten Christen."

Dem Papyrologen zufolge, der seit Jahren am Projekt zur Veröffentlichung der englischen Papyrussammlung arbeitet, ignoriere man noch immer die Bedeutung dieser Entdeckung. Jedoch er versicherte, dass „sie neue Klarheit und ein besseres Verständnis bringen wird hinsichtlich des frühen Christentums der ersten zwei Jahrhunderte nach Christus und im Hinblick auf das, was jene frühen Christen in Ägypten lasen und dachten. Zudem wird sie dazu beitragen, die Gestaltung der Evangelien nachzuvollziehen.“

Chapa erkärte: „Das Fragment sticht vor allem aufgrund seines Alters hervor, denn es wurde um das Jahr 200 verfasst. Aus jener Epoche sind nur sehr wenige Handschriften erhalten und umso weniger Zeugnise apokrypher Evangelien.“

Der Dekan wies darauf hin, dass besonders aus der Periode der beiden ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung „wenig mehr als ein Dutzend Handschriften" der vier kanonischen Evangelien und lediglich vier der apokryphen Evangelien bekannte sind: das Thomas-Evangelium, das sogenannte Evangelium nach Egerton (auch bekannt als Papyrus Egerton, das einzige Zeugnis eines unbekannten Evangeliums) und zwei weitere, die einige Experten dem Evangelium nach Petrus zuschreiben.

Die vier im Neuen Testament enthaltenen Evangelien sind jene, die die Kirche als authentisches Zeugnis aus der Zeit der Apostel überliefert hat. Die übrigen Texte dieser Art sind in Vergssenheit geraten, weil sie den Erzählungen der kanonischen Evangelien nichts Neues hinzufügten oder weil sie eine bestimmte Glaubenslehre beinhalteen, die häufig in Konflikt oder Widerspruch mit den kanonischen Evangelien stehen.

[Übersetzung des italienischen Originals von Sabrina Toto]