Apostolische Konstitution Anglicanorum Coetibus veröffentlicht

Angebot von Papst Benedikt für Anglikaner, die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche wünschen

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ROM, 9. November 2009 (ZENIT.org).-„Anglicanorum Coetibus“, die angekündigte Apostolische Konstitution zur Regelung der Aufnahme von Christen der anglikanischen Tradition in die volle Gemeinschaft der katholischen Kirche, wurde mit Datum vom 4. November, dem Fest des hl. Karl Borromäus, von Papst Benedikt XVI. offiziell in Kraft gesetzt. Das Dokument, das heute im Vatikan der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, ist jetzt in einer englischen und italienischen Original-Fassung auf den Seiten des Vatikans abrufbar.

Am 20. Oktober hatte der Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal Joseph Levada, die bevorstehende Veröffentlichung einer Apostolischen Konstitution angekündigt, mit der Papst Benedikt XVI. die Aufnahme von Gruppen zu regeln beabsichtige, die in die volle Einheit mit der katholischen Kirche treten wollten.

Das Internetportal Kath.net stellte inzwischen eine inoffizielle deutsche Übersetzung der Apostolischen Konstitution „Anglicanorum Coetibus“ zu Verfügung. Zusätzlich hat die Kongregation für die Glaubenslehre mit selbem Datum einige Bestimmungen erlassen, aus denen hervorgeht, dass die, Diözesen ähnlichen, Personalordinariate direkt der Glaubenskongrgation unterstellt sind.

Es handelt sich dabei im ein Dokument, „das einen neuen Weg zur Förderung der Einheit der Christen eröffnet, indem es gleichzeitig die berechtigte Unterschiedlichkeit in den Ausdrucksformen unseren gemeinsamen Glaubens anerkennt“, so die Zusammenfassung der Konstitution. Mit seiner Entscheidung antwortet der Papst auf die zahlreichen Anfragen von Anglikanern aus verschiedenen Teilen der Welt, die in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche aufgenommen werden möchten.

Der Text der Konstitution umfasst 13 Artikel und wird von einer Reihe von Zusatznormen begleitet, die von der Kongregation für die Glaubenslehre ausgeführt wurden.

In dem von Kardinal Levada, dem zuständige Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, und seinem Sekretär, Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer, unterzeichnetem Dokument wird auch die Möglichkeit offengehalten, dass ein verheirateter anglikanischer Bischof, der voll in die Gemeinschaft der katholischen Kirche aufgenommen worden ist, und die entsprechenden Weihen empfangen hat, Ordinarius seiner Ortskirche werden kann, das Bischofsamt der römisch-katholischen Kirche selbst aber bleibt ihm verwehrt.

„Anglicanorum Coetibus“ antwortet nach einer Verlautbarung des vatikanischen Presseamtes durch die Einrichtung von Personal-Ordinariaten auf die zahlreichen, an den Heiligen Stuhl gerichteten Anfragen nach einer vollen und sichtbaren Gemeinschaft mit der katholischen Kirche. Es handle sich dabei nicht um eine Initiative, die vom Heiligen Stuhl ergriffen worden sei, sondern um eine „großherzige Antwort“ des Papstes auf „die berechtigen Wünsche dieser anglikanischen Gruppen“.

Die Einrichtung der neuen Struktur der Personal-Ordinariate, so die Mitteilung weiter, komme in voller Harmonie mit dem Einsatz für den ökumenischen Dialog zustande, der eine Priorität für die katholische Kirche bleibe.

Die Personal-Ordinariate würden es Gruppen von Anglikanern ermöglichen, in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche zu treten und dabei Elemente des spezifischen anglikanischen geistlichen und liturgischen Erbes zu bewahren.

Die Mitteilung unterstreicht weiter, dass die von „Anglicanorum Coetibus“ vorgesehene Möglichkeit der Präsenz einiger verheirateter Kleriker in den Person-Ordinariaten „in keinster Weise eine Änderung der Disziplin der Kirche hinsichtlich des priesterlichen Zölibats bedeutet“. Der Zölibat bleibe, wie dies das Zweite Vatikanische Konzil formuliert habe, „Zeichen und Ansporn der pastoralen Liebe und verkündigt in strahlender Weise das Reich Gottes."

Die durch die apostolische Konstitution ermöglichten Personal-Ordinariate, so der Einführungsartikel von „Anglicanorum Coetibus“, „werden innerhalb der territorialen Grenzen einer bestimmten Bischofskonferenz von der Kongregation für die Glaubenslehre errichtet“ und sind Rechtskörper, die sich aus Laien, Klerikern und Ordensleuten zusammensetzen (Art. 1).

Das Ordinariat hat die Möglichkeit, die Eucharistie sowie die anderen Sakramente nach den liturgischen Büchern zu feiern, die zur anglikanischen Tradition gehören und vom Heiligen Stuhl approbiert sind. (Art. 3). Das Personal-Ordinariat wird der pastoralen Sorge eines Ordinarius anvertraut, der vom Papst ernannt wird und ordentliche, stellvertretende und persönliche Amtsbefugnis besitzt (Art. 4-5).

Die Konstitution legt fest, dass diejenigen, die bisher das Diakonen-, Priester- oder Bischofsamt in der anglikanischen Kirche ausgeübt haben, vom Ordinarius als Kandidaten für die heiligen Weihen in der katholischen Kirche angenommen werden können.

Hinsichtlich der verheirateten Kleriker müssen die Normen beachtet werden, die in der Enzyklika „Sacerdotatlis coelibatus“ sowie in der Erklärung „In June“ festgelegt sind. Die nichtverheirateten Kleriker müssen hingegen die Norm des Zölibats befolgen.

Der Ordinarius wird desweiteren „zum Priesterstand nur unverheiratete Männer zulassen“, während er an den Papst die Petition richten kann, „Fall für Fall auch verheiratete Männer für der Priesterstand zuzulassen, entsprechend objektiver Normen, die vom Heiligen Stuhl approbiert worden sind“.

Die Priesteramtskandidaten eines Ordinariats erhalten ihre Ausbildung zusammen mit den anderen Seminaristen, dies besonders im doktrinellen und pastoralen Bereich. Der Ordinarius kann mit Billigung des Heiligen Stuhles neue Institute des geweihten Lebens und Gesellschaften des apostolischen Lebens errichten. (Art. 6-7).

Die Konstitution sieht vor, dass für die zum Ordinariat gehörenden Gläubigen nach Billigung des Heiligen Stuhles und Anhörung der Stellungnahme des Diözesanbischofs Personalpfarreien errichtet werden können. Die Pfarrer sind im Besitz aller Rechte und an die vom CIC vorgesehen Pflichten gebunden (Art. 8). Die Gläubigen, die zum Personal-Ordinariat gehören wollen, müssen diesen Willen schriftlich äußern (Art. 9).

Dem Ordinarius steht ein Regierungsrat zu Seite, der von den vom Ordinariat approbierten Statuten reguliert und vom Heiligen Stuhl bestätigt wird. Vorsitzender des Rates ist der Ordinarius, der unter anderem die vom CIC für den Priesterrat festgelegten Funktionen erfüllt (Art. 10).

Der Ordinarius muss sich alle fünf Jahre nach Rom zum Ad-limina-Besuch begeben und dem Papst einen Bericht über den Zustand seines Ordinariats vorlegen (Art. 11).

Artikel 12 und 13 der Konstitution beschäftigen sich der Gerichtsbarkeit der Personal-Ordinariate sowie mit dem festzulegenden Sitz der Ordinariate.

Der Konstitution sind dann Zusatznormen beigefügt, die sich mit einzelnen Fragen beschäftigen. Dabei wird vor allem hervorgehoben, dass der Ordinarius, der ein vom Papst ernannter Bischof oder Priester sein kann, Mitglied der Bischofskonferenz ist. Der Ordinarius ist zu engen Banden der Gemeinschaft mit dem Diözesanbischof verpflichtet. Er hat die Möglichkeit, Territorialdekanate zu errichten und anglikanische Kleriker im Ordinariat zu inkardinieren, die in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche getreten sind. Die Laien müssen nach dem Bekenntnis des Glaubens und der Initiationssakramente in ein eigenes Register des Ordinariats eingetragen werden.

Artikel 6 der Normen konzentriert sich auf den Klerikerstand. Der Ordinarius kann an den Papst den Antrag zur Aufnahme verheirateter Männer zur Priesterweihe im Ordinariat stellen, „nach einem Unterscheidungsprozess, der auf objektiven Gründen und den Bedrüfnissen des Ordinariats basiert“.

Diejenigen, die in der katholische Kirche zu Priestern geweiht worden waren und dann der Anglikanischen Gemeinschaft beigetreten sind, können nicht zur Ausübung des Priesteramtes im Ordinariat zugelassen werden. Auch diejenigen anglikanischen Kleriker, die sich in einer irregulären ehelichen Situation befinden, können nicht zur Priesterweihe zugelassen werden.

Artikel 10 der Zusatznormen legt die Regeln für die Priesterausbildung des Ordinariats fest. Diese muss in voller Harmonie mit der katholischen Tradition sowie in den Aspekten des anglikanischen Erbes geschehen, die besonders wertvoll sind.

Der Ordinarius kann als Seminaristen nur Gläubige aufnehmen, die Mitglieder einer Pfarrei des Personal-Ordinariats sind oder aus dem Anglikanismus übertreten und wieder zur vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche gefunden haben.

Die Priesteramtskandidaten werden ihre theologische Ausbildung zusammen mit den anderen Seminaristen auf der Grundlage einer Vereinbarung zwischen dem Ordinarius und dem Diözesanbischof oder den betroffenen Bischöfen erhalten.

Artikel 11 ist den anglikanischen Bischöfen gewidmet. Ein bereits verheirateter anglikanischer Bischof kann erwählt werden, um dann zum Ordinarius ernannt zu werden. In diesem Fall wird er zum Priester in der katholischen Kirche geweiht und übt im Ordinariat das pastorale und sakramentale Amt mit voller jurisdiktioneller Autorität aus. Ein anglikanischer Bischof, der zum Ordinariat gehört, kann eingeladen werden, um an den Begegnungen der Bischofskonferenz des betreffenden Territoriums teilzunehmen.

Die letzten Artikel der Zusatznormen betreffen den Regierungsrat, den Pastoralrat sowie die Personalpfarreien.

(AS)