Apostolisches Schreiben in Form eines Motu proprio: Latina Lingua

Mit dem die päpstliche Akademie für die lateinische Sprache errichtet wird

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VATIKANSTADT, 14. Dezember 2012 (ZENIT.org). – Wir dokumentieren das päpstliche Motu proprio „Lingua latina“ in der offiziellen deutschen Übersetzung:

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1. Die lateinische Sprache ist von der katholischen Kirche und den römischen Päpsten immer sehr hochgehalten worden, die ihre Kenntnis und Verbreitung dadurch eifrig förderten, daß sie sie zu ihrer Sprache gemacht hatten, die fähig ist, die Botschaft des Evangeliums weltweit zu verbreiten, wie bereits von der Apostolischen Konstitution Veterum sapientia meines Vorgängers, des seligen Johannes XXIII., verbindlich geltend gemacht wurde.

Tatsächlich hat die Kirche seit Pfingsten in allen Sprachen der Menschen gesprochen und gebetet. Doch die christlichen Gemeinden der ersten Jahrhunderte verwendeten weitgehend Griechisch und Lateinisch, Sprachen der universalen Kommunikation der Welt, in der sie lebten, dank welcher die Neuheit des Wortes Christi dem Erbe der hellenistisch-römischen Kultur begegnete. Nach dem Untergang des weströmischen Reiches hat die Kirche Roms nicht nur weiterhin die lateinische Sprache verwendet, sondern sich gewissermaßen zu ihrer Hüterin und Förderin gemacht, sowohl im theologischen wie im liturgischen Bereich als auch bei der Ausbildung und der Weitergabe des Wissens.

2. Auch in unserer Zeit erweist sich die Kenntnis der lateinischen Sprache und Kultur mehr denn je als notwendig für das Studium der Quellen, aus denen unter anderem zahlreiche kirchliche Disziplinen – zum Beispiel Theologie, Liturgie, Patristik und Kirchenrecht – schöpfen, wie das Zweite Vatikanische Konzil lehrt (vgl. Dekret Optatam totius, 13).

Zudem sind – um eben den universalen Charakter der Kirche hervorzuheben – die normativen Ausgaben der liturgischen Bücher des Römischen Ritus, der wichtigsten Dokumente des Päpstlichen Lehramtes und der feierlichen offiziellen Verlautbarungen der römischen Päpste in dieser Sprache verfasst.

3. In der zeitgenössischen Kultur bemerkt man jedoch im Zusammenhang mit einer allgemeinen Schwächung der humanistischen Studien die Gefahr einer immer oberflächlicheren Kenntnis der lateinischen Sprache, was auch im Bereich der philosophischen und theologischen Studien der künftigen Priester festgestellt werden kann. Anderseits ist gerade in unserer Welt, in der Wissenschaft und Technologie einen großen Raum einnehmen, ein erneuertes Interesse für die lateinische Kultur und Sprache festzustellen, nicht nur auf jenen Kontinenten, die ihre kulturellen Wurzeln im griechisch-römischen Erbe haben. Diese Aufmerksamkeit erscheint um so bedeutsamer, da sie nicht nur akademische und institutionelle Bereiche betrifft, sondern auch die jungen Menschen und die Gelehrten aus sehr unterschiedlichen Traditionen.

4. Daher erscheint es dringend notwendig, den Einsatz für eine umfassendere Kenntnis und einen kompetenteren Gebrauch der lateinischen Sprache sowohl innerhalb der Kirche als auch in der übergreifenden Welt der Kultur zu fördern. Um einer solchen Anstrengung Gewicht und Widerhall zu verleihen, bedarf es um so dringender der Anwendung an die neuen Bedingungen angepasster didaktischer Methoden und der Förderung eines Netzes von Beziehungen zwischen akademischen Einrichtungen und der Gelehrten untereinander, um das reiche und vielfältige Erbe der lateinischen Kultur in seinem Wert herauszustellen.

Um zur Erreichung dieser Ziele beizutragen, errichte ich heute, indem ich den Spuren meiner verehrten Vorgänger folge, mit diesem Motu proprio die Päpstliche Akademie für die lateinische Sprache, die dem Päpstlichen Rat für die Kultur unterstellt ist. Sie wird von einem Präsidenten, dem ein Sekretär zur Seite steht – beide von mir ernannt –, und von einem Akademischen Rat geleitet.

Die von Papst Paul VI. mit dem handschriftlichen Schreiben Romani Sermonis Latinitas am 30. Juni 1976 errichtete Stiftung Latinitas wird aufgehoben.

Ich verfüge, daß dieses Apostolische Schreiben in Form eines Motu Proprio, mit dem ich die beiliegende Satzung ungeachtet jeder anderen gegenteiligen Anordnung für fünf Jahre ad experimentum billige, im L’Osservatore Romano veröffentlicht wird.

Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am 10. November des Jahres 2012, Gedächtnis des hl. Leo des Großen, dem achten Jahr des Pontifikates.

 BENEDICTUS PP XVI

[© 2012 - Libreria Editrice Vaticana]