Appell gegen Pornographie

Antwort von P. Ivan Fuček SJ, Professor im Ruhestand an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom

Rom, (ZENIT.org) P. Ivan Fuček SJ | 453 klicks

In der heutigen Welt begegnen wir  der Pornographie im Fernsehen, in den Tageszeitungen, in den Illustrierten, im Internet - überall. Der Pornographie begegnen wir unausweichlich alle, von den Jüngsten bis zu den Ältesten.

Bis vor kurzer Zeit gab es im kroatischen Fernsehen keine solche Inhalte. Und jetzt werden Sendungen mit pornographischen Inhalten gerade in der Mittagszeit gezeigt, wenn unsere Kinder meistens allein zu Hause sind, wenn die Eltern den Kindern nicht sagen können, dass das eine schlechte Sendung und deswegen nicht gut für ihn oder sie sei.

Tag für Tag, wenn wir Zeitungen aufmachen, die für die ganze Familie vorgesehen sind, sehen wir nackte Bilder, nicht nur wir Ältere, sondern auch die Kinder. Wenn man am wenigsten erwartet, begegnet man der Pornographie, und manche junge Menschen, weil sie ihr täglich begegnen, meinen, das sei schon normal und in Ordnung. Dass wir uns so verhalten können und ohne Folgen leben.

Eines der zugänglichsten Medien mit pornographischen Inhalten ist in allen Fällen das Internet. In der heutigen Zeit ist es nur eine kleine Anzahl von Kindern, die keinen Computer und  keinen Internetanschluß besitzen, zu Hause oder bei den Freunden. Bilder, die die Kinder auf den Internetseiten sehen können, sind erniedrigend und töten die Würde des Menschen. Noch erschreckender sind pornographische Bilder der Kinder.

Ich frage mich, ob es schon so weit gekommen ist, dass die Menschen sich selbst und die eigene Würde missachten. Wir alle, denen es um die Jugend geht, fragen uns, wohin das alles führt? Warum wird an öffentlichen Orten die kroatische Kultur und Jahrhunderte alter Sinn für  sittliches Verhalten vernichtet? Warum werden Werte, die unsere Vorfahren, Großeltern und Eltern geschätzt haben, heute vernichtet?

Wir als Christusgläubige sind verpflichtet, Schutz vor diesen Einflüssen, die unsere Jugend vergiften, zu suchen und ihnen zu bieten. Wir sind verpflichtet, unsere Jugend und unser Volk vor dem sittlichen Untergang, in den sie diese Elemente stürzen, zu schützen. Wir dürfen die Pornographie nicht als Ausdruck der Freiheit akzeptieren, weil sie das nicht ist, sie bedeutet Geringschätzung und Erniedrigung des menschlichen Körpers. Wir müssen überall und zu jeder Zeit kompromisslos Unzufriedenheit und Nichtakzeptanz gegen jede Pornographie zum Ausdruck bringen. Wenn es notwendig erscheint, treten wir auf öffentlichen Orten auf und protestieren wir gegen die Pornographie. Als Bürger haben wir dieses Recht und als Christusgläubige diese Pflicht.

In Karlovac, 21. April, 2001
Im Namen der Großritterlichen Schwesternschaft,
Andrea Kirinčić, Vorsitzende

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Ich danke Ihnen für die ausgezeichnete Schilderung des Problems! Ihr Appell ist der Wehklagen des Schreienden in der Wüste.  Der Heilige Stuhl hat durch den Päpstlichen Rat für

Informationen das Dokument Pornographie und Gewalttat in den Informationsmitteln (7. Main 1989) veröffentlicht, worüber ich zwei Studien veröffentlicht habe (auf englisch und italienisch) und drei kleinere Artikel (zwei auf italienisch und einen auf kroatisch). Dieser letzte, unter der Überschrift Das neue Dokument über Pornographie, ist zu lesen in „Erneuertes Leben“ (1989), S. 471-481. Der Heilige Stuhl hat auch danach mehrere Male auf verschiedene Arten interveniert, und der Papst Johannes Paul II. ausdrücklich und unmittelbar so viele Male. Leider, hat sich nichts verändert, wenn es nicht noch schlimmer geworden ist. Die Welt geht ihren zerstörerischen Weg weiter. Verführerische illustrierte Presse, Videomaterial, Audiovideo, Film- und TV-Programme werden immer mehr. Die neueste und die schlimmste Explosion passiert mit Porno-Internet, zugänglich auch für die Kleinsten. Dieses zieht die Aufmerksamkeit nicht nur der Jungen an, nicht nur der religiös Indifferenten, derer aus den esoterischen Kreisen, sondern auch die Aufmerksamkeit der katholischen Christen, sogar der Kleriker und Ordensleute. Im Entstehen ist der „neue Mensch“ für eine „neue Welt“; „Neues Alter“ („New Age“), sog. „Aquarium“: alles, was „alt“ ist, muss zerstört werden, alles muss „neu“ entstehen: Literatur, Lieder, Filme, Technik und Wissenschaft - alles bis zum schwersten genetischen Engineering und Klonen des Menschen, hat dem „neuen Menschen für die neue Zeit des XXI. Jahrhunderts zu dienen“.

Der Mensch in seinem irdischen Leben ist in Wirklichkeit „das Schilfrohr, das sich im Wind bewegt“.  Er bleibt ohne Sinn, wenn er seinen Blick vom ewigen Leben wegdreht: seinem letzten Ziel. Auch unsere katholische Stimme wird in den letzten Jahren vor diesem „Boom“ schwächer, unhörbar, ängstlich. Warum? Wenn wir in der Wahrheit sind, wovor haben wir Angst? Ist unser Herr nicht „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Jon 14, 6)? Schade, dass wir in diesem begrenzten Raum das Problem nur berühren können. Nehmen wir zwei Aspekte her: Ursachen und Heilmittel.

1.  Ursachen. Das Dokument über Pornographie führt vier gesellschaftliche Gründe auf, warum dieses Medienübel verbreitet wird: vor allem geht es um den Durst nach Geld, weil die Pornographie sehr gewinnbringend ist und viel Geld in die Kassen spült, auch in die Staatskassen. Sie ist so sehr lukrativ, dass sie in einigen Gesellschaften eine organisierte Kriminalität geschaffen hat. Es entsteht eine immer freiere Mentalität. Einige glauben fälschlicherweise, dass es durch einen Verbrauch von Pornographie zu einer „Übersättigung“ kommt, und sie würde von selber auslöschen. Sie kennen die menschliche Psyche nicht, ähnlich wie mit der Droge: je mehr die Droge konsumiert wird, umso größer ist der Durst danach. Dritte Ursache: Mangel an staatlichen Gesetzen oder mangelnde Umsetzung der bestehenden Gesetze. Schließlich, gewisse Unsicherheit und Apathie vieler Menschen, auch der katholischen Christen; einige glauben fälschlicherweise, diese Erscheinung besiegt zu haben; andere resignieren, indem sie behaupten, dass man dagegen „nichts tun“ kann, anstatt, dass sie ihre Stimme erheben, Proteste organisieren, Zusammenkünfte und ähnliches; mit allen legalen Mitteln kämpfen, denn es handelt sich um Verfall der Sittlichkeit, um öffentliche exhibitionistische Verführung und verhängnisvolle Entwicklung des gesamten Volkes. Die verlogene Devise des Teufels ist: „das ist fortschrittlich“, „heute tun das alle“, „wir sind eine neue Generation“... Man trachtet danach, die Kultur der Liebe und des Anstandes zu zerstören im Namen der „Globalisierung“, des „Holismus“, des „neuen Glücks“, der „freien Liebe“, der „Sexualität ohne Grenzen“... Und wir können uns fragen, wer ist der „gespenstische Jemand“, der hinter alldem steht? Wer ist derjenige, der das will, es organisiert und es mit Judasgeld bezahlt? Kennen wir seine finsteren Symbole?

2.  Heilmittel. Wie können wir erfolgreich dem Dämon entgegentreten? Es ist schwer, aber es ist nicht unmöglich, es ist keine Utopie. Es wird auf die Karte unserer Verantwortung gesetzt, für das Wohl unseres Volkes, unserer Kultur, unserer Moral, für unser katholisches Erbe von ein tausendvierhundert Jahren. Der Aufruf geht an alle! 1)  An die Medienproduzenten, dass sie anfangen, sich von positiven Werten, nach dem gesunden ethischen Kodex leiten zu lassen, und dann von einer ehrlichen Selbstkontrolle, dass sie mutig die Pornoprogramme rauswerfen. 2) An die Eltern, dass sie dafür sorgen, eine gesunde Familie zu haben (hier liegt eines von grundlegenden Hindernissen!), dass sie die religiös-sittliche Erziehung ihrer Kinder verdoppeln, dass sie ihnen deutlich und offen von hohen Werten der Tugenden des Schamgefühls, Bescheidenheit (die in allen Kulturen geachtet werden!) und der Tugenden der jugendlichen Reinheit und der Selbstdisziplin sprechen - indem sie ihnen unzählige katholische Vorbilder vor die Augen führen (es soll nicht gesagt werden „das ist nicht möglich“; in welchen schmutzigen Verhältnissen haben die ersten Christen im Römischen Reich gelebt? Und wieviele Heilige brachten sie hervor!). 3) An die Erziehern, die fachgerecht junge Menschen in die Programmauswahl einführen sollen, in die Achtung der menschlichen Person, in die Bedeutung des Gemeinwohls, in die Werte des Lebens, der Familie, in die Wichtigkeit der sittlichen Integrität. Die Jugendlichen selbst können ihnen dabei viel helfen, indem sie durch eigenes gutes Beispiel der Verantwortlichkeit in eigenen religiös-sittlichen Entscheidungen und in der Art der Freizeitgestaltung wirken. 4)  An das Publikum, individuell und kollektiv, über die Medien und unmittelbar, es soll klug und besonnen, aber ganz entschieden, den Dialog beginnen, mit den Herstellern der Programme, mit den Vertretern des öffentlichen Lebens (mit den Parlamentariern, mit der Regierung) zum Zweck des Schutzes der öffentlichen Moral und der Interessen der Gemeinschaft. 5) An die gesetzgebende Macht, die dringend überlegen muss, wie man durch neue wirksame Gesetze und durch Aufhebung von alten, zweideutigen, in diesem Sinne Beitrag leisten kann. 6)  Dringend notwendig ist eine kritische Kontrolle all dessen, was aus anderen Kulturen importiert wird, die eine“Kultur des Todes“ propagieren, aus den Organisationen, von bezahlten Propagandisten, und unsere Leute machen es nach unter dem Vorwand, es sei „modern“ und „forschrittlich“, während eigentlich die Rede von großem Geldumschlag ist, und zwar auf die Kosten des religiös-sittlichen Todes vieler Menschen, wodurch auch der Tod des Volkes selbst bedingt ist. 7)  Schließlich, müssen auch die Kirchen und religiöse Gemeinschaften, vor allem durch klare und prophetische Verkündigung der Lehre des Christus des Herrn wirken, ohne Wankelmut und Trübung, Angst und Zögerung, indem sie „von den Dächern schreien“ und für die fundamentalen christlichen und moralischen Werte kämpfen, mit besonderer Sorge um die Tugenden der jugendlichen Reinheit und Selbstdisziplin.

(Quelle: Ivan FUČEK, Moral-Geistliches Leben, Band Eins:. Person - Gewissen, 2. Auflage, Split, 2006, Seiten 311-313)

Ivan Fuček ist Jesuitenpater, Professor im Ruhestand an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom und Theologe an der Apostolischen Pönitentierie.