Arabisch-christliche Medien im Dienst des Friedens und der Freiheit

Ein Interview mit P. Ramsine Hage Moussa am Tag nach der Studienkonferenz in Jordanien

Rom, (ZENIT.org) Robert Cheaib | 468 klicks

Nach dem Erfolg des im April 2012 in Harissa, Libanon, veranstalteten Seminars für die Bischöfe des Nahen Ostens organisierte der Päpstliche Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel in Zusammenarbeit mit dem jordanischen „Media Catholic Center“ eine weitere Studienkonferenz für Bischöfe, Priester und Laien zu folgendem Thema: „Die arabisch-christlichen Medien im Dienst der Gerechtigkeit, des Friedens und der Menschenrechte“.

Austragungsort der vom 10. bis zum 11. Juni 2013 stattfindenden Tagung war die jordanische Hauptstadt Ammann. Unter den Teilnehmern befanden sich unter anderem Seine Seligkeit Msgr. Fouad Twal, Lateinischer Patriarch von Jerusalem, Seine Exzellenz Msgr. Claudio Maria Celli sowie der jordanische Kommunikationsminister Dr. Mohamad Al-Mouminy.

Beide Begegnungen entstanden als Antwort auf die Hinweise und Anregungen der Sonderversammlung der Bischofssynode für den Nahen Osten aus dem Jahr 2010.

Pater Ramsine Hage Moussa, einer der Veranstalter des Ereignisses, sprach in einem Interview mit ZENIT über die Hauptgründe für die Veranstaltung der gemeinsamen Konferenz des Vatikans und des Nahen Ostens. Darüber hinaus erläuterte der Priester die im Rahmen der Begegnung eruierten Perspektiven und Herausforderungen für die Arbeit der Journalisten und Medien in ihrer Grundfunktion des Dienstes am Menschen, an dessen Freiheit und an dessen Würde.

Pater Ramsine Hage Moussa ist libanesischer Missionar und Mitarbeiter des Päpstlichen Rates für die Sozialen Kommunikationsmittel. Er zählte zu den Hauptveranstaltern des gemeinsam mit dem jordanischen „Catholic Center for Studies and Media“ (katholisches Studien- und Medienzentrum) ins Leben gerufenen Ereignisses.

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Die arabisch-christlichen Medien im Dienst der Gerechtigkeit, des Friedens und der Menschenrechte”: Dieser Titel ist bedeutungsvoll, vielleicht utopisch und sehr ambitioniert. Mit Sicherheit ist er von großer Aktualität. Was hat euch zur Vorbereitung der Tagung bewogen?

Pater Ramsine Hage Moussa: Nach dem im vergangenen Jahr in Harissa, Libanon, abgehaltenen Seminar zur Vermittlung von Medienkompetenz für Patriarchen und Bischöfe des Nahen Ostens erhielten wir von verschiedenen Bischöfen Anfragen nach analogen Begegnungen in den verschiedenen Ländern des Nahen Ostens im Sinne einer besseren Umsetzung der Empfehlungen der Sonderversammlung der Bischofssynode für den Nahen Osten von 2010.

Das Ziel unseres Kongresses war eine Wiedererweckung des Interesses und die Bereitstellung einer Orientierungshilfe für die im Bereich der Medien tätigen Geistlichen. Die diesjährige Begegnung in Jordanien war gekennzeichnet durch eine große Beteiligung muslimischer Journalisten. Diese bildeten die Mehrheit der Anwesenden. Neben ihnen waren erfreulicherweise auch mehrere hochrangige Persönlichkeiten der muslimischen Welt zugegen.

Die Rede von Msgr. Claudio Maria Celli enthielt folgende Aussage: „Die modernen Kommunikationsmittel ermöglichen uns den Aufbau eines brüderlichen Dialoges zwischen Menschen aus unterschiedlichen Nationen, Kulturen und Religionen, denn die digitale Medienkultur erlaubt die Erlangung von Kenntnis der Traditionen und Werte anderer”. Wie greifbar war diese Kenntnis während der Tagung?

Pater Ramsine Hage Moussa: Die Teilnehmer an der Tagung sind selbst der beste Beweis für die Richtigkeit der Überlegung von Msgr. Celli. Tatsächlich waren die Anwesenden mehrheitlich Muslime, die ernsthaft am Wesen, an den Möglichkeiten und an den Dynamiken der christlichen Kommunikationsmittel interessiert waren.

Durch den Kongress gewannen die einer anderen Religion angehörenden Kollegen einen tieferen Einblick in die Medien der katholischen Kirche.

Medien sind Instrumente des Dialoges, der Konfrontation und der Begegnung trotz legitimer Unterschiede. Sie ermöglichen uns ein Erkennen des anderen und eine Öffnung für ihn. Letzten Endes sind wir sowohl als Christen als auch als Muslime Journalisten, die sich auf der Suche nach der Wahrheit in den Ereignissen befinden. Dieses grundlegende Element vereint uns in unserem im Titel der Tagung deklarierten Streben nach Gerechtigkeit, Frieden und im Einsatz für die Menschenrechte.

Ferner thematisierte der Präsident des Päpstlichen Rates die Religionsfreiheit. In diesem Zusammenhang betonte er, dass diese nicht auf die Freiheit des Kultes beschränkt sei, sondern in Wahrheit „eine der Hauptfacetten der Gewissensfreiheit“ darstelle. Gibt es auf dem Territorium der arabischen Welt einen Ort, an dem sich die Religionsfreiheit und auch die Pressefreiheit in diesem Sinne entfalten können?

Pater Ramsine Hage Moussa: Freiheit zählt zu den Grundsätzen des Journalismus. Wir wissen jedoch, dass viele Journalisten dazu verpflichtet sind, einem Diktat „von oben“ zu folgen. Die Mitwirkenden an der Tagung führten trotz ihrer unterschiedlichen religiösen und politischen Überzeugungen einen Dialog miteinander; im Bestreben, dabei Begegnungspunkte zu finden. Tatsächlich ist Freiheit – ungeachtet der Verschiedenheit der religiösen, gesellschaftlichen und kulturellen Anschauungen – ein wesentlicher Bestandteil der journalistischen, religiösen und gemeinschaftlichen Erfahrung. In der gegenwärtigen Situation liefert die arabische Welt ein eindrucksvolles Zeugnis für diese Tatsache.

Das Abschlussdokument der Tagung enthielt eine Darstellung der grundlegenden und führenden Rolle der verschiedenen Formen der Medien in den heutigen Gesellschaften. Betont wurde allerdings auch die Bedeutung einer „Stärkung der Arbeit dieser Medien, sodass sie im Dienst der Gerechtigkeit, des Friedens und der Menschenrechte gestellt werden können“. Halten Sie als aktiv in die Medienarbeit eingebundener Priester eine unabhängige journalistische Tätigkeit und die religiöse Zugehörigkeit für vereinbar?

Pater Ramsine Hage Moussa: Der Mensch führt diese beiden Dimensionen zu einer Vereinigung. Ich möchte diesen Aspekt folgendermaßen ausführen: Die Religion sucht im Grunde nach dem Guten im Menschen. Mit dem Journalismus verhält es sich ähnlich, denn er steht im Dienst des Menschen. Aus diesem Grund besteht zwischen den beiden Realitäten kein eigentlicher Widerspruch.

An dieser Stelle möchte ich an die Worte von Papst Franziskus bei der Begegnung mit den Journalisten unmittelbar nach seiner Wahl erinnern: Journalisten dienen dem Schönen, dem Guten und dem Wahren. Dabei handelt es sich gleichsam um religiöse Dimensionen!

Religion und Journalismus können daher sowohl der Zerstörung und dem Tod des Menschen als auch dem Aufbau und dem Leben des Menschen dienen. Die Entscheidung über den Einsatz liegt an uns.

Im Rahmen der Tagung wurde zu einer Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen dem Päpstlichen Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel und dem „Catholic Media Center“ in Jordanien aufgerufen. Wurden dabei konkrete, in naher Zukunft umzusetzende Absichten formuliert?

Pater Ramsine Hage Moussa: Die Tagung stellt gleichsam die Primiz einer konkreten Umsetzung der bereits im Vorjahr eingeleiteten Zusammenarbeit dar. So wurde ich vor einem Jahr von Msgr. Celli zur Begleitung der Eröffnung des Zentrums in Jordanien beauftragt. Die Begegnung in diesem Jahr fügt sich in den Kontext der Zusammenarbeit zwischen dem Päpstlichen Rat und dem jordanischen Medienzentrum ein.

Gibt es Ideen für eine Ausweitung der Zusammenarbeit auf andere Länder des Nahen Ostens?

Pater Ramsine Hage Moussa: Selbstverständlich! Wir laden sämtliche arabische Länder wärmstens zur Einrichtung katholischer Medienzentren ein, sofern diese noch nicht vorhanden sind. Sie ermöglichen einen besseren Erfahrungsaustausch, die Veranstaltung von Sitzungen und Seminaren zur Vermittlung von Medienkompetenz für die Kirchen der verschiedenen Bekenntnisse und die Planung von Systemen zur nutzbringenden Anwendung der Rolle der katholischen Medien im Nahen Osten.