Arbeit und Schöpfungsordnung

Was der neue Sozialkatechismus der Kirche über den Sinn der menschlichen Arbeit sagt

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ROM, 31. Januar 2005 (ZENIT.org).- In vielen Familien wird die Weihnachtsbotschaft auch in den Wochen wach gehalten, die auf das große Fest folgen. Allerdings sollt auch dann, wenn die Kinder wieder zur Schule und die Eltern zur Arbeit gehen, das Religiöse nicht vergessen werden. Der vor kurzem veröffentlichte Sozialkatechismus der katholischen Kirche widmet diesem Thema deshalb ein ganzes Kapitel. Darin wird versucht, die tiefere Dimension der menschlichen Arbeit zu erhellen.



Zunächst wird erläutert, was die Bibel über die Arbeit zu sagen hat: Im Buch Genesis vertraut Gott dem Menschen die Aufgabe an, über die Schöpfung zu herrschen. Somit ist "Arbeit Teil des ursprünglichen Zustands des Menschen, und es gibt sie schon vor dem Sündenfall. Sie ist daher nicht Strafe oder Fluch”, liest man unter Nr. 256.

Durch die Ursünde wird die Arbeit zu einer Tätigkeit, die mit Schmerz und Mühsal verbunden ist. Dennoch, betont der Katechismus, sollte sie nach wie vor als etwas Lohnendes betrachtet werden, denn sie ermöglicht uns, die für uns notwendigen materiellen Lebensgrundlagen zu schaffen.

Zugleich wird allerdings davor gewarnt, die Arbeit an die erste Stelle unseres Tuns zu stellen. “Arbeit ist lebenswichtig, aber Gott – nicht die Arbeit – ist der Ursprung des Lebens und das endgültige Ziel des Menschen” (Nr. 257). In diesem Zusammenhang ist die Festlegung der Sabbatruhe durch den Bundesschluss Gottes mit den Menschen so wichtig. Die Sabbatruhe bietet immer wieder neu Gelegenheit, sich auf Gott auszurichten.

Im Neuen Testament wird uns das Beispiel Jesu vor Augen gestellt, der Handwerksarbeit als Zimmermann leistet. Jesus tadelt den Knecht, der sein Talent vergräbt, und bezeichnet seine eigene Sendung als ein "Wirken", also als eine Form von Arbeit (vgl. Joh 5,17: “Mein Vater wirkt bis jetzt. So wirke auch ich.” Das im Griechischen verwendete Verb für "wirken" – "ergazomai" – drückt auch eine handwerkliche Tätigkeit aus). Darüber hinaus lehrt uns Jesus, nicht nur nach jenen Schätzen zu trachten, die vergänglich sind, sondern vor allem nach den unvergänglichen, die auch noch im Himmel Bestand haben (vgl. Mk 6,19-21).

Die Arbeit ist für Jesus nicht nur Teilnahme an der Schöpfung, sondern auch am Werk der Erlösung: “Wer die schweren Härten der Arbeit mit Jesus zusammen auf sich nimmt, arbeitet in gewissem Sinne mit dem Gottessohn an seinem Erlösungswerk mit und zeigt damit, dass er ein Jünger Christi ist, der sein Kreuz mitträgt" (Nr. 263).

In der Tat besitzt, so lehrt der heilige Paulus, kein Christ das Recht darauf, nicht arbeiten zu müssen und lediglich auf Kosten anderer zu leben (vgl. 2 Thess 3,6-12). Der Apostel Paulus fordert die Christen zur Arbeit auf, um dann deren Früchte mit jenen teilen zu können, die in Not sind.

Die verschiedenen Dimensionen der Arbeit

In der Folge geht das Kompendium tiefer auf die Bedeutung der Arbeit für jeden Menschen ein. Dabei wird zwischen einer objektiven und einer subjektiven Dimension unterschieden: Mit der objektiven Dimension der Arbeit ist der Bereich der Tätigkeiten, Werkzeuge und Techniken (Technologien) gemeint – jene Dinge also, die der Herstellung dienen. Wichtiger aber ist die subjektive Dimension von Arbeit, mit der die Tätigkeit selbst angesprochen wird, die die menschliche Person als Teil einer persönlichen Berufung ausübt: “Als Person ist daher der Mensch das Subjekt der Arbeit” (Nr. 270).

Dieser subjektive Aspekt der Arbeit darf nicht außer Acht gelassen werden, wenn man ihren Wert und ihre Würde richtig verstehen will. Die Arbeit ist nicht lediglich die Herstellung eines Gebrauchsartikels, sondern gerade die Tätigkeit eines Menschen, dessen Würde respektiert werden muss. Und gerade dieser Aspekt sollte Vorrang haben vor den objektiven Aspekten, weil er “die Dimension der Person selbst ausmacht, denn die Person befasst sich mit Arbeit, bestimmt ihre Qualität und ihren einzigartigen Wert” (Nr. 271).

Die menschliche Arbeit habe auch eine soziale Dimension, da die Tätigkeit des Einzelnen mit denen anderer Menschen in Zusammenhang steht. Deshalb bietet die Arbeit “Gelegenheit zum Austausch, zu Beziehungen und Begegnungen” (Nr. 273).

Arbeit und Kapital

Um die Beziehung zwischen dem Arbeiter und den materiellen Produktionsfaktoren (Kapital) ins rechte Licht zu rücken, wiederholt der Katechismus noch einmal, wie wichtig es ist, Arbeit in erster Linie als persönliche Aufgabe zu sehen. Der Text weist darauf hin, dass in der modernen Wirtschaft der Wert des sogenannten “Humankapitals” tatsächlich als wichtige Ressource in der Produktion immer mehr anerkannt wird.

Zwar muss das Prinzip der Priorität der menschlichen Person sehr wohl bewahrt bleiben, gleichzeitig ist es aber notwendig, dass Arbeit und Kapital in einem Verhältnis der Komplementarität zueinander stehen: Beide sind aufeinander angewiesen, und es wäre falsch, nur einem einen höheren Stellenwert beizumessen und den anderen zu ignorieren.

Zu diesem Zweck tritt der Katechismus für eine Kooperation von Arbeit und Kapital ein, und zwar mittels Maßnahmen wie Teilhabe am Management, am Firmeneigentum und an den Profiten. Dies kann in der heutigen Welt leichter als zu früheren Zeiten bewerkstelligt werden, denn das menschliche Know-how hat sich zu einem wichtigen Faktor in der Wirtschaft entwickelt.

Hinsichtlich der Interaktion zwischen Arbeit und Kapital verteidigt der Text das Recht auf Privateigentum, erinnert aber gleichzeitig an die Wichtigkeit, das Eigentum in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Privater und öffentlicher Besitz “müssen an einer Wirtschaft im Dienste der Menschheit” orientiert sein (Nr. 283).

Sicherung der Arbeitsrechte

Der Abschnitt, der sich mit dem Arbeitsrecht auseinandersetzt, beginnt mit den Worten: “Die Arbeit ist ein Grundrecht und ein Gut, das allen Menschen zusteht” (Nr. 287). Die Arbeit ist nötig, um eine Familie ernähren zu können. Daher bringt Arbeitslosigkeit viele soziale Probleme mit sich. Eine Vollbeschäftigung bleibt also Hauptziel jeder Wirtschaftspolitik. Voraussetzung dafür ist eine das ganze Arbeitsleben fortwährende Ausbildung, die den Menschen einen für sich geeigneten Beruf finden lässt.

Dem Staat kommt dabei eine ganz entscheidende Rolle zu. Seine Pflicht besteht darin, der Konjunktur Auftrieb zu geben, indem er die Rahmenbedingungen für angemessene berufliche Tätigkeiten schafft.

Angesichts der zunehmenden Globalisierung der Wirtschaft empfiehlt das Kompendium eine Zusammenarbeit der verschiedenen Regierungen, damit das Recht auf Arbeit gesichert und die Konjunkturschwankungen ausgeglichen werden. Als weiterer Verantwortungsbereich des Staates wird der Schutz der Familie genannt. Gewerkschaften und Staat sollen eine Politik betreiben, die die Familie stützt und schützt.

Weitere Themen in diesem Kapitel sind die Rechte der Frauen, Kinderarbeit, bis hin zum Schutz der Einwanderer und der Arbeiter in der Landwirtschaft. Die Rechte der Frauen sollen geachtet werden. Jegliche Diskriminierung, besonders was den Lohn und die soziale Absicherung angeht, wird verurteilt. Zur Kinderarbeit schreibt der Katechismus: “Sie stellt eine Form der Gewalt dar, die zwar weniger offensichtlich ist als andere, die deshalb aber um nichts weniger schrecklich ist” (Nr. 296). Es stimmt zwar, dass in einigen Ländern das von Kindern verdiente Einkommen für die Familien wichtig ist, aber diese Ausbeutung stellt dennoch eine schwere Verletzung der Menschenwürde dar.

In Bezug auf das Recht auf einen gerechten Lohn erinnert der Katechismus daran, dass “die Rechte der Arbeiter, wie alle anderen Rechte auch, auf der Natur der menschlichen Person und auf ihrer transzendenten Würde beruhen” (Nr. 301).

Mit der Globalisierung Schritt halten

Der letzte Teil des Kapitels über die Arbeit befasst sich mit einigen Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit. Die Globalisierung hat viele Veränderungen mit sich gebracht, deshalb müsse man daran denken, dass die Welt parallel zu diesem Prozess auch “eine Globalisierung der Schutzbestimmungen, eines Mindestmaßes an lebenswichtigen Rechten und Gerechtigkeit” benötigt (Nr. 310).

Eine Volkswirtschaft, die nicht mehr auf Gewerbe und Industrie, sondern auf Dienstleistungen und neuere Technologien aufgebaut ist, bringt für den arbeitenden Menschen viele Veränderungen und einige schwierige Anpassungsprozesse mit sich. Für die Bewältigung dieser Schwierigkeiten empfiehlt der Katechismus die Vermeidung eines häufig gemachten Fehlers: zu meinen, dass die Veränderungen determiniert seien. “Der entscheidende Faktor und der bestimmende Experte in dieser komplexen Phase des Wandels ist wiederum der Mensch. Er muss der eigentliche Protagonist seiner Arbeit bleiben” (Nr. 317). Die Humanisierung der Arbeit, nunmehr auf Weltebene, sei daher das Ziel, das uns vor Augen stehen muss.