"Arbeiten wir gemeinsam für die Gerechtigkeit und den Frieden!"

Ansprache von Papst Franziskus vor dem Großmufti von Jerusalem

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 274 klicks

Das Programm des heutigen Reisetages begann Papst Franziskus mit einem Besuch beim Großmufti von Jerusalem am Sitz des Großen Rats auf der Esplanade der Moscheen. 

Papst Franziskus bedankte sich in seiner Ansprache „von Herzen für die freundliche Einladung“. Er erinnerte an die historische Reise seines Vorgängers, Pauls VI., in das Heilige Land vor fünfzig Jahren. Ausdrücklich betonte er die Bedeutung des interreligiösen Dialogs: „Doch diese meine Pilgerreise wäre nicht vollständig, wenn sie nicht auch die Begegnung mit den Menschen und den Gemeinschaften vorsähe, die in diesem Land leben, und darum bin ich besonders froh, mit Ihnen, den muslimischen Gläubigen, liebe Brüder, zusammenzutreffen.“

Papst Franziskus hob die Gemeinsamkeiten von Moslems, Christen und Juden hervor, die in Abraham, „wenn auch auf unterschiedliche Weise – einen Vater im Glauben und ein großes Vorbild“, erkennen, „das man nachahmen soll“.

Wie Abraham sollten die Menschen Pilger sein: „Wir dürfen nie meinen, uns selbst zu genügen, Herren unseres Lebens zu sein; wir dürfen uns nicht darauf beschränken, sicher und verschlossen in unseren Überzeugungen zu verharren. Vor dem Geheimnis Gottes sind wir alle arm und spüren, dass wir immer bereit sein müssen, aus uns selbst hinauszugehen, folgsam gegenüber dem Ruf, den Gott an uns richtet, und offen gegenüber der Zukunft, die er für uns aufbauen will.“

Die Menschen begegneten bei ihrer Pilgerreise anderen Gläubigen, deshalb seien sie nicht allein. „Wir kreuzen den Weg anderer Gläubigen, manchmal gehen wir eine Wegstrecke mit ihnen, manchmal erleben wir gemeinsam eine stärkende Rast. So etwas stellt die heutige Begegnung dar, die mich mit besonderer Dankbarkeit erfüllt: Es ist eine willkommene gemeinsame, durch Ihre Gastfreundschaft ermöglichte Rast auf dieser Pilgerschaft unseres Lebens und unserer Gemeinschaften. Wir erleben einen brüderlichen Kontakt und Austausch, der uns stärken und uns neue Kräfte verleihen kann, um uns den gemeinsamen Herausforderungen zu stellen, die uns begegnen.“

Die Pilgerschaft Abrahams sei auch eine Berufung zur Gerechtigkeit gewesen, so der Papst. Er erklärte: „Auch wir möchten Zeugen von Gottes Handeln in der Welt sein, und deshalb vernehmen wir gerade in dieser unserer Begegnung zuinnerst den Ruf, Stifter von Frieden und Gerechtigkeit zu sein, im Gebet diese Gaben zu erflehen und von oben her Barmherzigkeit, Seelengröße und Mitgefühl zu lernen.“

Abschließend rief Papst Franziskus zu gegenseitiger Achtung und Liebe auf. „Lernen wir, das Leid des anderen zu verstehen! Niemand gebrauche den Namen Gottes als Rechtfertigung für Gewalt! Arbeiten wir gemeinsam für die Gerechtigkeit und den Frieden! Salam!“