Arbeitgeberpräsident fordert deutliche Kürzung der Elternzeit

Zügige Rückkehr in die Beschäftigung, Kinder in die Krippe

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ROM, 23. November 2012 (ZENIT.org). – Scharf kritisiert wurde von Familienverbänden die Forderung des Arbeitgeberpräsidenten Dieter Hundt, die Elternzeit von derzeit drei Jahren -nach einem entsprechenden Ausbau der Krippenbetreuung- stufenweise auf 12 Monate zu verkürzen. Die in Deutschland mögliche Freistellung von drei Jahren wirke sich negativ auf die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt aus. „Je länger Frauen aus dem Beruf aussteigen, desto schwieriger ist die Wiedereingliederung, desto größer sind die Qualifikationsverluste“, so heißt es in einem Grundsatzpapier der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA).

Der politisch angestrebte und mit Millionen Steuergeldern finanzierte flächendeckende Ausbau der außerfamiliären Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr deckt sich damit mit dem ökonomischen Wunsch der Industrie, die Mitarbeiterinnen so schnell wie möglich wieder in die Betriebe zu holen. Im Vordergrund der Überlegungen steht offensichtlich die maximale Verfügbarkeit der Beschäftigten. Auch beim Elterngeld seien die Anreize zum Verbleib oder zur zügigen Rückkehr in Beschäftigung zu gering, heißt es.

Demgegenüber bekräftigte Bundesfamilienministerin Christina Schröder (CDU) bei der Haushaltsdebatte ihres Ressorts im Bundestag, die Familien müssten das Recht darauf haben, über die Betreuung ihrer Kinder in den ersten drei Jahren selber zu bestimmen und es müsse möglich bleiben, Beruf und Familie zu vereinbaren. Familien seien keine ökonomische Verfügungsmasse. Mit ihr werde es keine Kürzung der Elternzeit geben.

Hedwig Freifrau von Beverfoerde, Sprecherin der Initiative Familienschutz, betonte, die gesetzlich verankerte Elternzeit von drei Jahren sei ein notwendiger Schutzraum für die Familie zum Wohl des Kindes. Mütter nach der Geburt ohne Rücksicht auf grundlegende Bedürfnisse des Kindes so schnell wie möglich wieder in den Arbeitsmarkt zu drängen, offenbare ein familienfeindliches Weltbild, das sich zudem über entwicklungspsychologische Erkenntnisse hinwegsetze. Nach dem aktuellen Stand der Bindungsforschung sei eine sichere Eltern-Kind-Bindung in den ersten drei Jahren die wichtigste Voraussetzung für eine gesunde seelische und soziale Entwicklung. Die Forderung zeuge von Respektlosigkeit gegenüber Familien und müsse als kinderfeindlich bezeichnet werden.

Das Elterngeld macht 27,3 Prozent des 440-Millionen Etats des Familienministerium aus.

SPD und Grüne haben angekündigt, das erst kürzlich beschlossene Betreuungsgeld bei einem Wahlsieg wieder abschaffen zu wollen und notfalls das Bundesverfassungsgericht anzurufen.[jb]